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Grün ist zweifellos "in" und "sexy".

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Grün ist zweifellos "in" und "sexy". Doch was steckt dahinter? Aktuell lässt sich beobachten, dass in den sozialen Medien manche Beiträge zu Themen wie Klimaerwärmung, saubere ("grüne") Umwelt, umweltfreundliche Energien, ja gerade auch alternative Energiegewinnung abseits der etablierten Pfade auf überaus große Zustimmung stoßen.

Solche Beiträge werden beispielsweise bei Facebook nicht nur überdurchschnittlich oft geliked, sondern auch gerne geteilt, was nichts anderes bedeutet, als dass die Teilenden diese 'Sache' (Klimawandel, Natur, Umwelt) zu ihrer persönlichen machen und sich damit identifizieren. Sie identifizieren sich sogar so sehr damit, dass sie 'missionarische' Ambitionen entwickeln, um es anderen (ihren Freunden, Angehörigen und Bekannten) mitzuteilen. Aber manifestiert sich in dieser Selbstmitteilung nicht noch wesentlich mehr? Ist es nicht zugleich eine Art säkularisierte 'Glaubensüberzeugung' bzw. ein profanes 'Credo'? Ich persönlich meine, in diesem Verhalten in religionspsychologischer Hinsicht eine semi-religiöse Dimension zu erkennen, derer sich die einzelnen nicht unbedingt bewusst sein müssen. Und kommt in diesem neu gewachsenen und immer wacher und sensibler werdenden Umwelt-, Natur-, Menschheits-, ja Schöpfungsbewusstsein, welches die Menschen unserer Zeit und Welt umgehen lässt, nicht eine ganz neue Art moderner Welt-Verantwortung, ja ein postmoderner Neo-Humanismus zum Zuge? In meinen Augen wird in dieser "neuen Betroffenheit", wie ich sie einmal nennen möchte, sogar das selten gewordene Phänomen der Empathie greifbar, sogar auf breiter gesellschaftspolitischer Ebene greifbar, was umso erstaunlicher ist. Allerdings dürfte hierbei auch noch etwas anderes mit im Spiel sein: Vielleicht, eine Vermutung, ist es am Ende die tiefe Betroffenheit und Angst, ja diese tief in uns verwurzelte Ur-Angst, es könnte mit mir, meiner Familie (meinen Kindern und Kindeskindern) und dann selbst mit unserer bedrohten Spezies als homo sapiens eines Tages Schluss sein. Angesichts solcher Ängste sehen wir zur Zeit etwa bei Fridays for Future eine nie zuvor gekannte Solidarisierung der Generationen; junge, aber auch ältere Menschen schließen sich zusammen und demonstrieren friedlich für die Rettung unseres Planeten, dessen Lebensbedingungen sie in größter Gefahr sehen. Insbesondere die junge und jüngste Generation hat hier (mit gutem Recht!) vor allem auch sich selbst und die eigene Lebensperspektive im Blick. Dieses Phänomen ist wie gesagt generationenübergreifend und universal fassbar und scheint nach einer Phase der fast ausschließlich wirtschaftlichen Globalisierung nun in eine neue, humanere Form der Globalisierung umgeschlagen zu sein. Diese "neue Globalisierung" vollzieht sich unter bisweilen sogar contra-ökonomischen Akzenten, was mich nicht beunruhigt. Was mich allerdings unruhig macht, ist die Tatsache, dass die jüngeren Generationen allem Anschein nach die Zeche bezahlen werden. Umweltschutz kostet viel Geld und dieses Geld muss zunächst einmal erwirtschaftet werden. Hier mache ich einige Fragzeichen. Wir stehen mitten in einem Paradigmenwechsel, und last but not least steht die 'grüne Sache' als Protestthema derzeit auch deswegen so hoch im Kurs, weil dadurch die etablierte Politik und ihr Festhalten an überlebten Strukturen und Denkansätzen von einer breiten Politikverdrossenheit der Bevölkerung(en) zunehmend kritisiert wird. Das muss nicht so sein, denn etablierte Politik kann und muss hier und jetzt bereits für einen Lastenausgleich der jüngeren Generationen sorgen, die ohnehin durch die demografische Entwicklung die Benachteiligten und eigentlichen Verlierer sein dürften. Das alles bedeutet, dass die etablierte Politik nun endlich ihre Verantwortung übernimmt und die Probleme (wie den Umweltschutz und seine Finanzierung) angeht. Sie hat all diese Prozesse wie ein Schiffskapitän zu steuern, und sie soll dabei nicht nur einseitig die Umweltlasten verteilen, sondern muss auch die Voraussetzungen für eine innovativere und damit "grünere" und "intelligentere" Wirtschaft sorgen, damit die Kuh vom Eis runterkommt. "Grün", - zur Zeit fast schon eine Modewelle -, ist "in" und "sexy", und zur Zeit dürfte es kaum einen Themenkomplex geben, der die Menschen mehr bewegt, emotionalisiert und solidarisiert, allerdings auf aufbringt und wütend macht. Auch darüber dürfte zu reden sein ...

schrieb Hubert Michelis, ehemaliger Franziskanermönch und Banker, nun freier Schriftsteller, 23.01. 2020 und ist mit diesem Beitrag aktueller denn je.

Beste Grüße

Kathrin Kolloch

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Frau Kathrin Kolloch

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