Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur
PM Bundesstiftung Aufarbeitung: Ausschreibung von Fördermitteln zur Ausrichtung der 10. Hermann-Weber-Konferenz zur Historischen Kommunismusforschung im Jahr 2028
Ausschreibung von Fördermitteln zur Ausrichtung der 10. Hermann-Weber-Konferenz zur Historischen Kommunismusforschung im Jahr 2028
Berlin, 4. Mai 2026 – Archive sind keine neutralen Speicher der Vergangenheit. Sie überliefern Dokumente, die unter bestimmten politischen, institutionellen und historischen Bedingungen entstanden, ausgewählt, geordnet oder auch vernichtet wurden. Wer Kommunismusgeschichte erforscht, muss deshalb auch fragen, wie diese Überlieferung zustande kam – und wie sich der Zugang zu ihr seit 1989/90 verändert hat. Die 10. Hermann-Weber-Konferenz zur Historischen Kommunismusforschung stellt 2028 beide Perspektiven ins Zentrum. Die Förderung der Konferenz ist jetzt ausgeschrieben.
Unter dem Titel „Archive und Kommunismusgeschichte“ werden Konferenzkonzepte gesucht, die Archive als Quellenräume, Wissensordnungen und historische Akteure begreifen. Im Mittelpunkt steht zunächst die Frage, wie Überlieferung zur Kommunismusgeschichte überhaupt entstand: in Parteiarchiven und Komintern-Beständen, in Akten staatlicher, polizeilicher und geheimdienstlicher Stellen, in Exilüberlieferungen, Nachlässen oder universitären Sammlungen.
Ebenso wichtig ist der Blick auf die Zeit seit 1989/90. Mit den Friedlichen Revolutionen in Europa, dem Ende kommunistischer Diktaturen und der deutschen Einheit öffneten sich viele Partei-, Staats- und Sicherheitsarchive. Zugleich blieb der Zugang zu Quellen je nach Land, Institution und Bestand unterschiedlich geregelt. Diese Öffnungen, Begrenzungen und Neuordnungen veränderten die Kommunismusforschung grundlegend und stellen Forschung, politische Aufarbeitung und Öffentlichkeit bis heute vor methodische und politische Herausforderungen. Erwünscht sind vergleichende Zugänge zu nationalen Forschungstraditionen, personellen Netzwerken und der Zirkulation von Begriffen und Deutungsmustern — ausdrücklich über Deutschland hinaus, mit Blick auf Westeuropa, die Staaten des ehemaligen Ostblocks, Russland und die USA.
Die Ausschreibung ist Hermann Weber gewidmet, der 2028 seinen 100. Geburtstag gefeiert hätte. Für den Mannheimer Historiker und seine Frau Gerda Weber waren die Geschichte des Kommunismus und die Überwindung kommunistischer Diktaturen in Europa ein Lebensthema. Hermann Weber verband wissenschaftliche Forschung mit öffentlicher Aufklärung und prägte nach 1989/90 die quellenbasierte Aufarbeitung der SED-Diktatur und der deutschen Teilung wesentlich mit.
Die Konferenz 2028 bildet den Auftakt von drei aufeinander bezogenen Hermann-Weber-Konferenzen: 2029 folgt der Schwerpunkt „Umkämpfte Erinnerung: Der Kommunismus in der internationalen Erinnerungskultur“, 2030 die Frage nach „Wissen über den Kommunismus. Geschichte, Akteure und Bedingungen eines internationalen Forschungsfeldes seit den 1920er-Jahren“. Die drei Tagungen korrespondieren mit dem Programmschwerpunkt „Geteilte Geschichte – Gemeinsame Gegenwart“ der Bundesstiftung Aufarbeitung.
Für die Durchführung der Konferenz stehen bis zu 20.000 Euro zur Verfügung. Die Beiträge der geförderten Tagung werden im „Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung“ veröffentlicht. Bewerbungsschluss ist der 31. Juli 2026, 12 Uhr.
Weitere Informationen: https://sites.google.com/view/hw-konferenz/hermannweberkonferenz
Jonathan Harnisch
Pressereferent
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