Autozulieferer unter Druck: Krankenstand auf Rekordniveau
Autozulieferer unter Druck:
Krankenstand auf Rekordniveau
In der Zulieferindustrie fallen täglich knapp neun von 100 Beschäftigten aus. Während der Krankenstand in anderen Branchen zuletzt zurückging, zeigt sich hier ein gegenteiliger Trend.
Düsseldorf/Hamburg, 07.07.2026
Strukturelle Veränderungen, Absatzprobleme, Diskussionen um die Benzinpreise und der Wandel hin zu mehr Elektromobilität setzen die Automobilindustrie unter Druck. Davon sind auch die Zulieferer betroffen – mit offenbar spürbaren Folgen für die Gesundheit der Beschäftigten. Während der Krankenstand in vielen Branchen zuletzt stagnierte oder sogar zurückging, zeigt sich in der Zulieferindustrie ein gegenteiliger Trend: Seit Jahren steigt hier der Krankenstand. Im Jahr 2025 erreichte er mit 8,94 Prozent einen Höchstwert, wie die AOK Rheinland/Hamburg ermittelt hat.
Ein Krankenstand von 8,94 Prozent bedeutet, dass an jedem Tag knapp neun von 100 Beschäftigten an ihrem Arbeitsplatz ausfallen. Die tatsächliche Zahl dürfte noch höher liegen, denn in die Statistik fließen ausschließlich ärztlich bescheinigte Fehlzeiten ein. Kurzfristige Ausfälle ohne Attest bleiben unberücksichtigt. Zum Vergleich: 2024 lag der Krankenstand bei 8,61 Prozent, 2023 bei 8,36 Prozent und vor zehn Jahren (2016) noch bei 6,82 Prozent. Für diesen Vergleich hat das Institut für betriebliche Gesundheitsförderung (BGFI) der AOK Rheinland/Hamburg die Daten von rund zehntausend Versicherten ausgewertet, die in der Autozulieferbranche beschäftigt sind.
Deutlicher Anstieg psychisch bedingter Fehlzeiten
„Besonders auffällig ist in dieser Branche die Zunahme psychisch bedingter Fehlzeiten. Sie ist vor dem Hintergrund der strukturellen Transformation, von Restrukturierungsmaßnahmen sowie eines hohen Wettbewerbs- und Kostendrucks zu sehen“, sagt Merit Kirch, Geschäftsführerin des BGF-Instituts. Im Durchschnitt fällt inzwischen jede beziehungsweise jeder Beschäftigte der Zulieferbranche rund 6,6 Kalendertage pro Jahr aufgrund psychischer Erkrankungen aus. 2017 lag dieser Wert mit etwa 3,2 Tagen noch bei etwa der Hälfte. „Es ist davon auszugehen“, so Kirch weiter, „dass Maßnahmen wie Standortschließungen oder Personalabbau Zukunftsängste verstärken und die psychische Belastung weiter erhöhen.“
Branchenübergreifend rückläufiger Krankenstand
Branchenübergreifend ist der Krankenstand im Jahr 2025 erstmals seit mehreren Jahren wieder gesunken, auch das geht aus den Zahlen der AOK Rheinland/Hamburg hervor. Insgesamt lag der Krankenstand der Versicherten bei 7,01 Prozent – und damit fast zwei Prozentpunkte unter dem Wert der Autozulieferbranche.
Mit Angeboten rund um die Themen Gesundheit und Führung, Stressmanagement, Resilienz oder positive Psychologie unterstützt das BGF-Institut Unternehmen dabei, psychische Belastungen zu reduzieren und die seelische Gesundheit ihrer Beschäftigten nachhaltig zu stärken. Weitere Informationen dazu finden sich unter www.bgf-institut.de
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