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27.02.2020 – 14:29

dpa-Faktencheck

Chinas 5G-Netz funkt noch nicht in solch hohen Frequenzbereichen

Berlin (ots)

Die Einführung des Mobilfunkstandards 5G in China wird immer wieder in sozialen Netzwerken mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 in Verbindung gebracht. In einem Beitrag auf Facebook wird behauptet, dass "die Chinesen" zuvor einen Impfstoff erhalten hätten, der durch "5G-Wellen" auf der Frequenz 60 Gigahertz (GHz) aktiviert und dadurch zum Virus wurde. Das Kreuzfahrtschiff "Diamond Princess", das wegen des Coronavirus zwei Wochen unter Quarantäne stand, sei zu diesem Zweck mit 5G auf 60 GHz ausgestattet worden, heißt es weiter (http://dpaq.de/QkyRr).

BEWERTUNG: Das Coronavirus Sars-CoV-2, das die neue Lungenkrankheit Covid-19 auslösen kann, steht in keinem Zusammenhang mit der Strahlung durch Mobilfunk. Das offiziell in China gestartete 5G-Netz funkt zudem noch nicht in solch hohen Frequenzbereichen. Das angeführte Kreuzfahrtschiff bietet keine 5G-Datenverbindung, sondern maximal 4G (LTE).

FAKTEN: Im Oktober 2019 gaben die drei staatlichen Telekommunikationsunternehmen China Mobile, China Telecom und China Unicom bekannt, dass sie zum 1. November 5G offiziell starten werden (http://dpaq.de/KNfeg).

Sowohl Artikel über die Vergabe der Frequenzbereiche in China (http://dpaq.de/clJQe), als auch eine Analyse des chinesischen Telekommunikationskonzerns Huawei (http://dpaq.de/6qaRq) besagen, dass 5G in dem bevölkerungsreichsten Land der Welt maximal auf einer Frequenz von 5 GHz betrieben wird.

Erst perspektivisch sollen hochfrequente Bereiche genutzt werden. Für China sind der Huawei-Analyse zufolge die Bereiche 24,25 bis 27,5 GHz und 37 bis 42,5 GHz vorgesehen (http://dpaq.de/lArbl).

Ebenfalls in der Behauptung angeführt wird das Kreuzfahrtschiff "Diamond Princess", das im Hafen von Yokohama (Japan) unter Quarantäne lag. Insgesamt hatten sich mehr als 690 Passagiere und Crewmitglieder mit dem Coronavirus infiziert, darunter ein deutsches Ehepaar.

Das in dem Facebook-Beitrag behauptete 5G mit 60 GHz ist in der Form auf dem Schiff nicht verfügbar. Unter der Rubrik "Cell Phones at Sea" (http://dpaq.de/tyROb) verweist die "Princess"-Gruppe auf die Seite "Cellular at Sea" (http://dpaq.de/z6iNI). Dort steht unter "FAQS", dass die meisten Schiffe über das "Cellular At Sea-Netzwerk" Mobilfunkdatenverkehr mit 3G-Geschwindigkeit bieten würden. "Auf einigen ausgewählten Schiffen unterstützen wir 4G LTE-Geschwindigkeiten für AT&T-Kunden (Anm. d. Redaktion: AT&T ist ein US-amerikanischer Konzern, der unter anderem Mobilfunkanbieter ist). Die Verfügbarkeit von 4G LTE wird im Laufe der Zeit weiter zunehmen", heißt es ergänzend.

Die meisten Wissenschaftler gehen nicht davon aus, dass Mobilfunk die Gesundheit gefährdet. Auch die zuständige Behörde in Deutschland, das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS), sieht keinen Anlass zur Besorgnis. Dessen Präsidentin, Inge Paulini, sagte der Deutschen Presse-Agentur: "Die gesundheitlichen Auswirkungen des Mobilfunks sind inzwischen gut erforscht." Demnach gibt es keinen Beleg für negative Folgen, wenn die Strahlung unterhalb der Grenzwerte liegt.

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Links:

Beitrag: https://www.facebook.com/newsffriends/posts/896545627445760 (archiviert: http://dpaq.de/QkyRr)

Online-Artikel zur Kommerzialisierung von 5G in China: https://www.counterpointresearch.com/chinese-operators-racing-commercialize-5g-services/ (archiviert: http://dpaq.de/clJQe)

Analyse des Telekommunikationskonzern Huawei zum Einsatz von 5G: https://www-file.huawei.com/-/media/CORPORATE/PDF/public-policy/public_policy_position_5g_spectrum.pdf#page=12 (archiviert: http://dpaq.de/6qaRq)

Nutzung von Internet und Mobiltelefonen auf der "Diamond Princess": https://www.princess.com/learn/faq_answer/onboard/in_touch.jsp (archiviert: http://dpaq.de/tyROb)

"FAQ" auf der Seite "Cellular At Sea": http://www.cellularatsea.com/faqs.html (archiviert: http://dpaq.de/z6iNI)

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Kontakt zum dpa-Faktencheckteam: faktencheck@dpa.com

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