Zentralrat Deutscher Sinti und Roma
Veranstaltung zum Holocaust-Gedenktag mit Büchner-Preisträgerin Ursula Krechel und dem Sinto Christian Pfeil
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Aus Anlass des Jahrestages der Befreiung von Auschwitz treffen sich Büchner-Preisträgerin Ursula Krechel und der Überlebende Christian Pfeil am Montag, 26. Januar, um 19 Uhr in der Französischen Friedrichstadtkirche in Berlin am Gendarmenmarkt 5 zu einer Lesung mit Gespräch über den Roman „Geisterbahn“. Die Geschichte über die traumatischen Erfahrungen einer deutschen Sinti-Familie in Nationalsozialismus und Nachkriegsdeutschland ist angelehnt an die Geschichte der Familie Pfeil aus Trier.
Zu dieser Veranstaltung lädt die Evangelische Akademie zu Berlin in Kooperation mit dem Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma in Heidelberg als Netzwerk Sinti Roma Kirchen ein.
In „Geisterbahn“ erzählt Ursula Krechel die Geschichte der deutschen Sinti-Familie Dorn aus Trier, die infolge der mörderischen Rassenpolitik des NS-Regimes entsetzlichem Unrecht ausgesetzt ist. Die älteste, noch minderjährige Tochter wird zwangssterilisiert, die Familie ins KZ deportiert, fünf Kinder werden ermordet und ihr Besitz von den Nationalsozialisten „verwertet“. Als die Dorns nach Ende des Krieges in ihre Heimatstadt zurückkehren, haben sie nicht nur ihre Existenzgrundlage, sondern auch jedes Vertrauen in Nachbarn und Institutionen verloren. Zumal die Ausgrenzungen und Demütigungen weitergehen.
Für ihren Roman hat die Büchner-Preisträgerin zahlreiche Gespräche mit dem Holocaust-Überlebenden Christian Pfeil aus Trier geführt, an dessen Familiengeschichte die traumatischen Erfahrungen des Ehepaares Dorn und seiner Kinder angelehnt sind. Zum „Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“ aus Anlass des Jahrestages der Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau treffen sich die beiden am Montag, 26. Januar, um 19 Uhr in der Französischen Friedrichstadtkirche in Berlin am Gendarmenmarkt 5 wieder, um mit Moderatorin Heidrun Helwig vom Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma über ihre Zusammenarbeit und den noch immer weitgehend „vergessenen Holocaust“ zu sprechen. Zudem wird Ursula Krechel, die selbst in Trier geboren wurde, einige Passagen aus „Geisterbahn“ lesen.
Der Eintritt zu der Veranstaltung ist frei, eine Anmeldung ist erwünscht unter www.eaberlin.de/seminars/data/2026/01/geschichte-einer-deutschen-sinti-familie/
Wie schon in ihren vielfach ausgezeichneten Romanen „Shanghai fern von wo“ und „Landgericht“ beschäftigt sich Ursula Krechel auch in „Geisterbahn“ mit der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts. Ihre Erzählung von der Familie Dorn spannt sich über beinahe hundert Jahre und ist auch von ihren eigenen Erfahrungen im Trier der Nachkriegsjahre inspiriert.
Ursula Krechel war Theaterdramaturgin. Sie lehrte an der Universität der Künste Berlin, der Washington University St. Louis und ist Mitglied der Akademie der Künste Berlin, der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt sowie der Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz. Sie lebt in Berlin. Für ihre Gedichtbände, Romane und Essays ist sie mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet worden, darunter 2012 der Deutsche Buchpreis für „Landgericht“. Für die „Kraft ihrer Literatur“ erhielt sie 2025 den Georg-Büchner-Preis.
Der Sinto Christian Pfeil wurde 1944 im Ghetto Lublin geboren. Dorthin waren seine Eltern und älteren Geschwister im Mai 1940 von Trier aus deportiert worden. Wie durch ein Wunder überlebten er und seine engsten Angehörigen die menschenunwürdigen Bedingungen. Viele Verwandte hingegen wurden ermordet. Nach der Befreiung kehrte die Familie von Christian Pfeil nach Trier zurück. Dort baute er sich eine erfolgreiche Existenz als Gastronom auf, die immer wieder durch rechtsextreme und rassistische Gewalttaten überschattet wurde. Seit vielen Jahren engagiert er sich als Zeitzeuge - dabei liegen ihm besonders Gespräche mit jungen Menschen am Herzen.
Zu dieser Veranstaltung lädt die Evangelische Akademie zu Berlin in Kooperation mit dem Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma in Heidelberg als Netzwerk Sinti Roma Kirchen ein. Das Netzwerk ist Bestandteil des Kooperationsverbundes gegen Antiziganismus, der im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ durch das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert wird.
Mehr zum Netzwerk Sinti Roma Kirchen: www.eaberlin.de/sinti-roma-kirchen
Wir bitten um Ankündigung des Termins in Ihrem Medium und laden ein Mitglied Ihrer Redaktion zu der Veranstaltung ein
Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma https://dokuzentrum.sintiundroma.de/ Tel.: 06221 981102
