Die operative Behandlung der Fettverteilungsstörung ist besonders effektiv
Die operative Behandlung der Fettverteilungsstörung ist besonders effektiv
Eine neue Studie bestätigt die Vorteile der Liposuktion bei Lipödem gegenüber der konservativen Behandlung. Gleichzeitig bedarf es bei jeder Patientin einer individuellen Risikoabwägung / Veröffentlichung in „The Lancet“
Mit der Veröffentlichung der Publikation „Liposuction versus conservative therapy for patients with lipoedema: A randomised controlled multi-centre clinical trial“ in der Fachzeitschrift The Lancet liegt erstmals eine groß angelegte, multizentrische Evidenzbasis zur operativen Behandlung des Lipödems vor. Die Ergebnisse der LIPLEG-Studie (LIP - Liposuktion, LEG – Bein), einer randomisierten kontrollierten Untersuchung an 11 Standorten in Deutschland mit insgesamt 410 Patientinnen im Stadium I bis III des Lipödems, zeigen, dass die Liposuktion der bisherigen Standardtherapie in zentralen Behandlungsergebnissen deutlich überlegen sein kann.
Das Lipödem ist eine chronische, schmerzhafte Fettverteilungsstörung, die fast ausschließlich Frauen betrifft und typischerweise mit Fettansammlungen an Beinen und teils Armen, Druckschmerz sowie erhöhter Hämatomneigung einhergeht. Die bislang etablierte Standardtherapie besteht aus einer komplexen Entstauungstherapie mit Lymphdrainage, Kompression und Bewegung. Diese kann Symptome lindern, erfordert jedoch eine dauerhafte Anwendung und führt häufig nur zu begrenzter Schmerzentlastung. Die Liposuktion ist ein chirurgischer Eingriff, bei dem krankhaft vermehrtes Fettgewebe gezielt abgesaugt wird.
Neben der Universität und Uniklinik Köln, insbesondere dem Zentrum für Klinische Studien (ZKS) Köln und dem Institut für Medizinische Statistik und Bioinformatik der Universität, war die Hautklinik des Klinikums Darmstadt als Sponsor und Studienleitung beteiligt. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA), der die LIPLEG-Studie initiiert und aus Mitteln der gesetzlichen Krankenversicherung finanziert hatte, entschied 2025, die Liposuktion beim Lipödem unter definierten Voraussetzungen in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen aufzunehmen. Damit wurde die operative Behandlung erstmals als reguläre Kassenleistung etabliert. Der G-BA beauftragte 2019 das ZKS Köln, gemeinsam mit der Hautklinik in Darmstadt die Studie zur Effektivität der operativen Behandlung wissenschaftlich zu begleiten und die Ergebnisse auszuwerten.
In der Studie erhielten alle Teilnehmerinnen zunächst eine mehrmonatige konservative Vorbehandlung, bevor sie randomisiert entweder der weiteren konservativen Therapie oder einer Liposuktion zugeteilt wurden. Nach 12 Monaten zeigte sich ein deutlicher Unterschied zwischen den Gruppen: 68,3 Prozent der operierten Patientinnen erreichten eine klinisch relevante Schmerzreduktion von mindestens zwei Punkten auf einer zehnstufigen Skala, während dies in der konservativ behandelten Gruppe nur bei 7,6 Prozent der Fall war. Damit erreichten unter Liposuktion deutlich mehr Patientinnen eine relevante Schmerzverbesserung als unter Standardtherapie. Gleichzeitig zeigte sich eine deutliche Verbesserung der Lebensqualität.
„Unsere Daten zeigen erstmals, dass die Liposuktion bei Lipödem eine sehr deutliche und klinisch relevante Schmerzreduktion erreichen kann“, erklärt Professor Dr. med. Oliver A. Cornely, einer der zentral beteiligten Forschenden und wissenschaftlicher Leiter des ZKS Köln. Die nun nachgewiesene deutliche Schmerzlinderung war auch der Aspekt, der Professor Dr. med. Maurizio Podda († 2025), Leiter der Studie und Direktor der Hautklinik des Klinikums Darmstadt, am meisten erfreute und beeindruckte. „Gleichzeitig müssen wir die chirurgischen Risiken klar benennen. Es handelt sich nicht um eine triviale Intervention, sondern um eine wirksame, aber invasive Therapieoption, die sorgfältig ausgewählt und begleitet werden muss“, fügt Cornely hinzu.
Unerwünschte Ereignisse traten in der Liposuktionsgruppe häufiger auf als unter konservativer Therapie, darunter auch Komplikationen, die ausschließlich im operativen Studienarm beobachtet wurden. Daher sei wie bei allen chirurgischen Eingriffen eine sorgfältige individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung notwendig.
Für viele Jahre galt die konservative Therapie als Standard. Die neue Publikation könnte nun zu einer Neubewertung der Behandlungsstrategie führen und liefert zugleich eine wichtige Grundlage für Entscheidungen zur Kostenübernahme durch die gesetzliche Krankenversicherung. Neben der 12-Monats-Auswertung laufen derzeit noch Langzeitbeobachtungen über insgesamt 36 Monate, um insbesondere die Nachhaltigkeit der Effekte sowie mögliche Spätkomplikationen zu bewerten. Die Forschenden betonen, dass weitere Studien notwendig sind, um langfristige Sicherheit, optimale chirurgische Verfahren und mögliche Unterschiede zwischen Liposuktionstechniken besser zu verstehen.
Inhaltlicher Kontakt:
Professor Dr. med. Oliver A. Cornely
Uniklinik Köln und Medizinische Fakultät der Universität zu Köln
+49 221 478 85523
Presse und Kommunikation: Dr. Janina Leckler +49 221 478 67664 janina.leckler@uk-koeln.de
Chief Communications Officer: Dr. Elisabeth Hoffmann +49 221 470 2202 e.hoffmann@verw.uni-koeln.de
V.i.S.d.P.: Dr. Elisabeth Hoffmann