Alle Storys
Folgen
Keine Story von Europäisches Forum Alpbach mehr verpassen.

Europäisches Forum Alpbach

Bundespräsident Van der Bellen in Alpbach: "Klimakrise als größte unmittelbare Bedrohung unserer Freiheit"

Alpbach (ots)

Gemeinsamer Auftritt mit Bundeskanzlerin Bierlein bei der Eröffnung der Politischen Gespräche des Europäischen Forums Alpbach

"Wenn es der Weltgemeinschaft nicht gelingt, die Pariser Klimaziele einzuhalten, sind (...) alle anderen Fragen, die die Menschheit hat, schlicht und einfach nebensächlich und egal." Dies sagte Bundespräsident Alexander Van der Bellen heute bei der Eröffnung der Politischen Gespräche des Europäischen Forums Alpbach (EFA), deren Thema heuer "Freiheit und Sicherheit" lautet. Die Klimakrise sei die größte unmittelbare Bedrohung unserer Freiheit, so der Bundespräsident. Anlass zur Hoffnung sah Van der Bellen darin, dass die künftige EU-Kommissionspräsidentin Van der Leyen Europa zum ersten klimaneutralen Kontinent machen will.

An dem Festakt nahmen auch Bundeskanzlerin Brigitte Bierlein, die Präsidentin der UN-Generalversammlung María Espinosa Garcés und der Philosoph Carlo Strenger teil. Franz Fischler, Präsident des Europäischen Forums Alpbach, unterstrich, dass Freiheit die Verantwortung beinhalte, sie zu gebrauchen und auch zu verteidigen. Vor den Redebeiträgen hatte das Künstlerduo Marta Navarides und Alexander Deutinger eine eindrückliche Performance mit dem Titel "Your Majesties" gezeigt; Ausgangspunkt dafür war Barack Obamas Nobelpreisrede von 2009.

"Freiheit und Sicherheit, Öffentlichkeit und Privatheit sind Grundrechte und stehen in einem besonderen Spannungsverhältnis zueinander. Absolute Freiheit kann es ebenso wenig geben wie absolute Sicherheit - beides sind Elementarbedürfnisse eines jeden Menschen. Es gilt die Freiheitsrechte jedes und jeder einzelnen größtmöglich zu wahren ", hielt Bundeskanzlerin Brigitte Bierlein in ihren Eröffnungsworten fest. Sie unterstrich das Bekenntnis zum demokratischen Rechtsstaat und appellierte vor allem an die jungen Menschen: "Der demokratische Rechtsstaat geht von einem idealistischen Fundament aus, das auf dem Primat der Freiheit basiert. Demokratie ist fragil. Grundrechte sind nicht selbstverständlich. Sie müssen Tag für Tag verteidigt werden." Junge Menschen müssten darüber aufgeklärt werden, was Freiheit, Sicherheit und Demokratie in ihrer Interdependenz bedeuteten und dass es sich lohne, dafür aufzustehen.

María Fernanda Espinosa Garcés, die Präsidentin der UN-Generalversammlung, betonte globale Aspekte. "Es besteht eine starke Verbindung zwischen Frieden, Sicherheit und nachhaltiger Entwicklung", so Espinosa Garcés. Bei Herausforderungen wie dem Klimawandel oder eines inklusiveren Wirtschaftsmodells sei "Leadership" gefragt - Führerschaft, wie sie Österreich im Rahmen der UNO in Fragen wie Abrüstung oder Menschenrechten gezeigt habe.

Der in Israel lebende Schweizer Philosoph Carlo Strenger hatte in seinem Vortrag mit dem Titel "Freiheit als ständiges Abenteuer" gleich nach der künstlerischen Eröffnung sozusagen den Finger in offene Wunden des Liberalismus gelegt. Die Liberalen hätten, so der Buchautor ("Diese verdammten liberalen Eliten"), grundlegende menschliche Bedürfnisse wie Zusammengehörigkeitsgefühl und Sicherheit vernachlässigt oder die Verbundenheit mit der lokalen Kultur als provinziell abgetan. Die Gefahren für den Liberalismus seien nicht externe wie etwa eine "Muslimisierung" Europas, sondern interne. "Freiheit", so Strenger, "ist kein angeborenes Recht. Sie verlangt enorme Disziplin. Wir müssen uns fragen, wie wir diese Disziplin weiter aufrechterhalten." Medien etwa dürften nicht zu einem Marketingwerkzeug zur Verbreitung von Falschinformationen werden.

Bei der Eröffnung der Politischen Gespräche hatten auch die heuer 700 Stipendiaten aus 95 Nationen einen Auftritt. Als einer ihrer Sprecher kritisierte der tschechische Student Matej Voda die Eingriffe in die akademische Freiheit der Central European University in Budapest durch Ungarns Regierung.

Noch bis Dienstag finden Dutzende Podiumsdiskussionen und Arbeitsgruppen zu vier Themensträngen statt: Demokratie und Rechtsstaatlichkeit stärken; Grund- und Menschenrechte schützen; mit der EU und ihren Partnern zusammenarbeiten; Transformationen zu mehr Nachhaltigkeit ermöglichen. Vortragende bzw. Teilnehmer an den Politschen Gesprächen sind u.a. UN-Sondergesandter Jeffrey Sachs, Außenminister Schallenberg, Ministerin Maria Patek (BMNT), Verteidungsminister Starlinger, die Brexit-Expertin Kathy Howard, der Berater der US-Demokraten Zack Exley oder ex-WTO Generaldirektor Pascal Lamy. (Schluss)

Pressefotos zum Europäischen Forum Alpbach finden Sie zum Download unter https://www.flickr.com/photos/europeanforumalpbach/albums. Bitte geben Sie bei Verwendung als Copyright "EFA/XY" an, wobei XY für den Namen des jeweiligen Fotografen steht.

Das Video der Eröffnung ist im Laufe des Abends auf https://alpbach.apa-ots-video.at/ zu sehen bzw abrufbar.

Kontakt:

Mag. Cornelia Mayrbäurl
cornelia.mayrbaeurl@alpach.org
+43 664 386 4882

Original-Content von: Europäisches Forum Alpbach, übermittelt durch news aktuell

Weitere Storys: Europäisches Forum Alpbach
Weitere Storys: Europäisches Forum Alpbach
  • 19.08.2019 – 08:30

    Alpbach als ein Inkubator für konkrete Lösungsvorschläge

    Alpbach (ots) - Eröffnung des Europäischen Forums Alpbach 2019 - Hommagen an Karl Popper und Agnes Heller: "Politische Freiheit ist eine Bedingung für die Sicherheit" "Wir wollen das Europäische Forum Alpbach von einer Diskussionsplattform zu einem Inkubator weiterentwickeln, zu einem Brutkasten, wo konkrete Vorschläge entstehen, um die Probleme unserer Zeit erfolgreich anzupacken." Diese Ankündigung machte ...

  • 23.05.2019 – 13:05

    "Jetzt ist Patriotismus gefragt"

    Wien (ots) - EFA-Präsident Franz Fischler nimmt zur aktuellen politischen Lage Stellung Zur aktuellen politischen Lage in Östereich nimmt Franz Fischler, Präsident des Europäischen Forums Alpbach, wie folgt Stellung: "Eine weitreichende Entscheidung rückt näher. Jetzt darf es nicht mehr um Parteitaktik gehen, sondern darum, zu verhindern, dass der ohnedies bereits große Schaden für Österreich noch größer wird. Man sollte daher unserem Bundespräsidenten, der in ...

  • 24.04.2019 – 15:17

    "Freiheit und Sicherheit" sind Generalthema des Europäischen Forums Alpbach 2019

    Wien (ots) - EFA-Präsident Fischler: "Illiberale Demokratie ist ein Widerspruch in sich" "Es genügt nicht, zu beschreiben, wie eine freie Gesellschaft aussehen könnte. Unsere Ambition ist, gemeinsam darüber nachzudenken, welche Voraussetzungen für eine freie Gesellschaft nötig sind und wie wir sie schaffen." Diesen Anspruch formulierte Franz Fischler, Präsident ...