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Vor Bundestagsdebatte: Klingbeil offen für strengeren Kostendeckel beim Altersvorsorge-Depot

Pressemitteilung

Vor Bundestagsdebatte: Klingbeil offen für strengeren Kostendeckel beim Altersvorsorge-Depot

Berlin, 26.02.2026 – Vor der ersten Lesung zur Reform der privaten Altersvorsorge signalisiert Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) Offenheit für eine Verschärfung des geplanten Kostendeckels beim neuen Altersvorsorge-Depot. Im Gespräch mit Finanztip-Chefredakteur Hermann-Josef Tenhagen sagte Klingbeil am Mittwoch, er gehe davon aus, dass im Bundestag die Kostenbremse für das geplante Altersvorsorge-Depot nachgeschärft werde. Auch bei der gezielten Förderung für Haushalte mit geringem Einkommen sieht er das Parlament am Zug.

Ohne klare Kostensenkung kein echter Neustart

Grundsätzlich geht es Minister Klingbeil darum, mit einem Altersvorsorge-Depot “einen Kulturwandel” einzuleiten. Ziel sei es, mehr Menschen für die private Vorsorge zu gewinnen. Der Gesetzentwurf sieht bislang einen Kostendeckel von 1,5 Prozent pro Jahr für das verpflichtende Standardprodukt vor.

Die Höhe der Gebühren gilt als zentraler Streitpunkt der Reform: „Mehrere Parlamentarier aus unterschiedlichen Fraktionen haben mir bereits gesagt: Den Punkt schauen wir uns noch einmal genau an”, sagte Klingbeil im gestrigen Gespräch mit Tenhagen und weiteren Journalistinnen, Journalisten und Finanz-Influencern. „Jetzt liegt es am Parlament.”

Aus Sicht der Verbraucherschützer ist der Kostendeckel deutlich zu hoch: „1,5 Prozent Kosten gefährden den zentralen Vorteil des neuen Modells”, so Tenhagen. Finanztip forderte bereits im September 2025 in einem Positionspapier eine Obergrenze von maximal 0,5 Prozent jährlich. „Nur mit niedrigen Kosten werden staatliche Zuschüsse effizient eingesetzt“, so Tenhagen.

Haushaltslage begrenzt Spielraum bei Förderung

Die Verbraucherschützer kritisierten außerdem die Komplexität der Förderbedingungen. Bei der Ausgestaltung der Förderung sieht Klingbeil keinen Spielraum für grundlegende Vereinfachung in dieser Legislaturperiode und verwies auf die angespannte Haushaltslage: „Das Geld für eine einheitliche großzügigere Förderung fehlt“, sagte der Minister mit Blick auf die Haushaltslücke von rund 60 Milliarden Euro im Jahr 2028. „Im Vergleich zur Bürokratie der Riester-Rente ist das neue Modell dennoch ein Fortschritt”, so Klingbeil. Recherchen von Finanztip hatten im vergangenen Jahr gezeigt, dass mehr als fünf Millionen Riester-Verträge bis heute vorzeitig gekündigt wurden – jeder vierte der 20 Millionen Abschlüsse.

Auch bei der geplanten Frühstart-Rente verwies der Bundesfinanzminister auf den Bundeshaushalt. Die vorgesehenen zehn Euro monatlich für Kinder ab dem sechsten Lebensjahr bezeichnete Klingbeil gegenüber Finanztip als “wichtigen Beitrag”. Zugleich stellte er klar: „Wenn wir eine entspanntere Haushaltslage haben, bin ich bereit, darüber weiterzugehen.”

Offenheit für stärkere Förderung kleiner Einkommen

Bei der gezielten Unterstützung von Haushalten mit niedrigen Einkommen zeigte sich der Minister grundlegend gesprächsbereit. „Wenn es Vorschläge gibt, wie man Menschen mit kleinerem Einkommen stärker unterstützen kann, dann bin ich dafür offen.“

Auch zur gesetzlichen Rente äußerte sich Klingbeil im Gespräch: „Ich glaube nicht, dass es den klassischen Generationskonflikt gibt.” Aber sprach sich für den Vorschlag von SPD-Arbeitsministerin Bärbel Bas aus, dass auch Beamte in die Rentenversicherung einzahlen sollen: „Dass ich als Politiker nicht in der gesetzlichen Rente bin, halte ich für einen Fehler.”

Ob das Altersvorsorge-Depot tatsächlich zu einem Neustart in der privaten Altersvorsorge wird, dürfte sich in den kommenden Wochen im parlamentarischen Verfahren entscheiden – insbesondere bei der Frage der Kosten.

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