Bundesärztekammer legt Strategiepapier vor
Resilienz erfordert Stärkung des Personals, stabile Ressourcen und eine neue Dimension der Zusammenarbeit
Berlin (ots)
"Krisen, Kriege und Umweltkatastrophen zeigen: Unser Gesundheitssystem muss deutlich widerstandsfähiger werden." Das sagte Bundesärztekammer-Präsident Dr. Klaus Reinhardt anlässlich der Veröffentlichung eines Strategiepapiers der Bundesärztekammer (BÄK) heute in Berlin. "Der Gesetzgeber muss dieses Thema mit dem geplanten Gesundheitssicherstellungsgesetz schnell und entschieden angehen", so Reinhardt weiter.
Das Strategiepapier "Im Krisenfall handlungsfähig: Resilienz des Gesundheitswesens aus ärztlicher Sicht" hat die BÄK im Austausch mit namhaften Expertinnen und Experten unter anderem aus der medizinischen Wissenschaft, der Bundeswehr und dem Bevölkerungsschutz erarbeitet. Es konzentriert sich auf drei zentrale Handlungsfelder: das Zusammenwirken von Akteuren und Ebenen, Ausstattung und Bevorratung sowie die quantitative und qualitative Verfügbarkeit des medizinischen Personals.
Um die Abläufe in Krisensituationen zu verbessern, muss die Zusammenarbeit aller Akteure auf den unterschiedlichen Ebenen grundlegend verbessert werden. Für dieses Handlungsfeld fordert die BÄK unter anderem eine Stärkung des Öffentlichen Gesundheitsdienstes, regelmäßige und auskömmlich finanzierte Übungen und ein Lagezentrum Gesundheit auf Bundesebene, das aktuelle Informationen zu Personal, Versorgungskapazitäten, Materialbeständen oder dem Infektionsgeschehen in Deutschland bündelt. Der Co-Vorsitzende der AG "Resilienz des Gesundheitswesens" der BÄK, Dr. Edgar Pinkowski, stellt fest: "Wir benötigen in Krisensituationen eindeutige Zuständigkeiten und klare Abläufe. Das Zusammenwirken der verschiedenen staatlichen Ebenen muss besser geordnet werden."
Ein zweites wichtiges Handlungsfeld ist eine sichere und verlässliche Ausstattung und Bevorratung. Dazu zählt neben dem Schutz von Gesundheitseinrichtungen vor Angriffen, darunter Cyberangriffen, auch die Sicherung von Gesundheitseinrichtungen vor Ausfällen Kritischer Infrastrukturen. Um die derzeitige Lieferkettenfragilität zu überwinden, müssen eine (Wieder-)Ansiedlung von Produktionen in Europa, eine Diversifizierung von Lieferketten und eine strategische Bevorratung in Deutschland und Europa zusammen gedacht werden. Der bereits nach der COVID-19-Pandemie formulierte Plan einer Nationalen Reserve Gesundheitsschutz (NRGS) mit einer Bevorratung für mindestens sechs Monate muss endlich umgesetzt werden.
Schließlich hängt die Resilienz des Gesundheitswesens entscheidend von der Personalverfügbarkeit und -qualifikation ab: "Wir müssen sicherstellen, dass die Ärztinnen und Ärzte und die Angehörigen der weiteren Gesundheitsberufe in Deutschland optimal auf Krisensituationen vorbereitet sind", so der Co-Vorsitzende der AG Resilienz des Gesundheitswesens, Prof. Dr. Uwe Ebmeyer. "Das fängt mit gezielter Nachwuchsförderung und guten Rahmenbedingungen an. Außerdem brauchen wir eine bessere Erfassung des verfügbaren Personals und Möglichkeiten der gezielten Qualifikation für Krisenszenarien."
Die Bundesärztekammer fordert, die notwendigen Voraussetzungen für ein krisenfestes Gesundheitssystem jetzt zu schaffen und Resilienz bei künftigen Reformvorhaben von Beginn an mitzudenken und entsprechend zu finanzieren.
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