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Proteinausbau: Ein Jahr nach Koalitionsvertrag drängt ProVeg auf Umsetzung: „Wir müssen jetzt die Ärmel hochkrempeln!“

Proteinausbau stärkt Versorgung, Wettbewerbsfähigkeit und Gesundheit Deutschlands

Ein Jahr nach Koalitionsvertrag drängt ProVeg auf Umsetzung: „Wir müssen jetzt die Ärmel hochkrempeln!“

Berlin, 04.05.2026

Damit Deutschland eine resilientere Versorgung aufbaut, im Wettbewerb um Zukunftstechnologien den Anschluss behält und durch Prävention die Gesundheitskosten senken kann, drängt die Ernährungsorganisation ProVeg das Bundeslandwirtschaftsministerium zur schnellen und entschiedenen Umsetzung der im Koalitionsvertrag vereinbarten Förderung alternativer Proteine.

„Ein Jahr nach Regierungsantritt und nur noch zwei Monate bis die EU-Kommission ihren Entwurf für eine europäische Proteinstrategie vorlegt, ist es für das Landwirtschaftsministerium an der Zeit, die strategische Bedeutung alternativer Proteine für Deutschland anzuerkennen und ins Handeln zu kommen“, fordert ProVeg-Politikexpertin Dr. Nina Wolff und erklärt: „Der Ausbau der Proteinvielfalt ist eine entscheidende standortpolitische Maßnahme, um einen zukunftssicheren Anbau- und Verarbeitungssektor zu schaffen.“

Kürzungen im Fachressort trotz Zusagen der Gesamtregierung

Am 5. Mai 2026 jährt sich der Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD. In diesem haben die Regierungsparteien das Ziel festgeschrieben, die Entwicklung und Markteinführung alternativer Proteine aktiv zu fördern und sich für eine ambitionierte EU-Strategie einzusetzen.1 Seit Ende März ist der Proteinausbau außerdem im vom Kabinett beschlossenen Klimaschutzprogramm 2026 als Regierungsziel verankert.2

Die Ausweitung der Proteinvielfalt gilt politisch als ein zentrales Ziel, um stabile Lieferketten und zukunftsfähige Branchen zu stärken und um kostenintensive Volkskrankheiten und schädliche Emissionen zu vermeiden.3 4 5 Doch während die Bundesregierung sich bei der Modernisierung der Verwaltung und erst kürzlich bei der Finanzreform der Gesetzlichen Krankenversicherung handlungsorientiert gezeigt hat, verharrt sie beim Proteinausbau auf der Stelle.

„Dass die Regierung Haushaltsmittel für alternative Proteine zuletzt sogar deutlich gekürzt hat, ist das Ergebnis einer Wirtschaftspolitik, die im Widerspruch zu den eigenen politischen Beschlüssen steht“, schließt Dr. Wolff. Im Haushalt 2026 hat die Bundesregierung die Mittel für alternative Proteine deutlich zurückgefahren, indem sie Programme gebündelt und die Investitionsförderung zusammengestrichen hat.

Zukunftsbranchen blockiert, gerät Deutschland ins Hintertreffen?

Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer hält sich beim Thema Proteinstrategie bislang auffällig bedeckt. Der Proteinausbau klingt in seinen Worten wie eine Lifestyle-Entscheidung der Verbraucher, dabei ist er eine handfeste agrar- und wirtschaftspolitische Notwendigkeit.6

ProVeg-Expertin Dr. Wolff folgert: „Mit ihrer aktuellen Zurückhaltung blockiert die Politik genau jene Zukunftsbranchen, die innovative Technologien, heimische Rohstoffe und Deutschlands industrielle Wettbewerbsfähigkeit besonders erfolgreich verbinden.“

Der Handlungsdruck steigt: Für Juni ist der Entwurf der europäischen Proteinstrategie angekündigt.7 Ohne entschiedenes Handeln droht Deutschland einmal mehr, den rechtzeitigen Anschluss an den Markt zu verpassen.

Wirksame Sofortmaßnahmen

Für einen zielgerichteten Proteinausbau braucht es einen kurzfristig umsetzbaren Aktionsplan mit Ambition. Dabei sollte sich die Bundesregierung auf die fundierten Empfehlungen aus dem Gutachten ihres Wissenschaftlichen Beirats für Agrarpolitik, Ernährung und gesundheitlichen Verbraucherschutz stützen, das eine aktive Förderung pflanzlicher und neuartiger Alternativprodukte anmahnt.

Die Innovations- und Investitionsförderung alternativer Proteine ist haushalterisch verlässlich abzusichern und durch gezielte Programme entlang der gesamten Wertschöpfungskette auszubauen.

Eine bessere Unterstützung bei EU-Zulassungsverfahren für neuartige Lebensmittel würde innovativen Technologien den Weg in den Markt ebnen. Eine zentrale Anlaufstelle für Antragsteller würde es der Regierung ermöglichen, heimische Unternehmen effektiv zu begleiten, während sie das komplexe Verfahren navigieren, und so hochwertige Anträge zu fördern.

Dr. Nina Wolff schließt daraus Folgendes: „Will Deutschland im wachsenden Sektor für alternative Proteine in Europa die Nase vorn behalten, dann müssen wir jetzt die Ärmel hochkrempeln!“

Quellen

1 CDU, CSU und SPD (2025): Verantwortung für Deutschland – Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD, 21. Legislaturperiode, veröffentlicht am 9. April 2025, unterzeichnet am 5. Mai 2025. Online unter: https://www.koalitionsvertrag2025.de/

2 Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (2026): Klimaschutzprogramm 2026, veröffentlicht am 25.03.2026. Online unter: https://www.bundesumweltministerium.de/download/klimaschutzprogramm-ksp-2026

3 Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (2026): Klimaschutzprogramm 2026, veröffentlicht am 25.03.2026. Online unter: https://www.bundesumweltministerium.de/download/klimaschutzprogramm-ksp-2026

4 Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (2025): Eiweißpflanzenstrategie des BMLEH, veröffentlicht am 29.10.2025. Online unter: https://www.bmleh.de/DE/themen/landwirtschaft/pflanzenbau/ackerbau/eiweisspflanzenstrategie.html

5 Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (2025): Hightech Agenda Deutschland, veröffentlicht im Juni 2025, Online unter: https://www.bmftr.bund.de/DE/Technologie/HightechAgenda/HightechAgenda_node.html

6 Vgl. Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (2025): Fleisch und Fisch gehören zu einer ausgewogenen Ernährung mit dazu, veröffentlicht am 13.05.2025. Online unter: https://www.bmleh.de/SharedDocs/Interviews/DE/2025/2025-05-12-straubinger-tageblatt.html

7 Table.Media (2026): Proteine: Hansen kündigt EU-Plan für Juni an, veröffentlicht am 17.04.2026. Online unter: https://table.media/agrifood/news/proteine-hansen-kuendigt-eu-plan-fuer-juni-an

Kontakt
Lena Renz
Senior PR Manager ProVeg 
presse@proveg.org 
+49 176 177 858 52
Über ProVeg
Die Ernährungsorganisation ProVeg International wirkt darauf hin, dass pflanzenreiche Lebensmittel und alternative Proteine breit verfügbar sind und weithin Anklang finden. Damit beschleunigt sie den Übergang zu einem nachhaltigen globalen Ernährungssystem.

ProVeg engagiert sich mit sämtlichen relevanten Interessenträgern für eine Ernährung, die Mensch, Tier und Planet guttut. ProVeg trägt den Momentum for Change Award der Vereinten Nationen und arbeitet eng mit deren wichtigsten Organisationen für Ernährung und Umwelt zusammen.

ProVeg wirkt weltweit, mit Vertretungen in 14 Ländern auf fünf Kontinenten und mehr als 250 Beschäftigten.
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