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Weitreichendes Bezeichnungsverbot: EU gefährdet Deutschlands Wettbewerbsvorteil

Weitreichendes Bezeichnungsverbot:

EU gefährdet Deutschlands Wettbewerbsvorteil

Berlin, 05.03.2026

Europäische Kommission, Parlament und Ministerrat haben sich heute auf ein Bezeichnungsverbot für nach tierischen Teilstücken oder als „Steak“ benannte Alternativprodukte sowie für kultiviertes Fleisch geeinigt. Diese Verschärfung der EU-Marktregeln gefährdet Deutschlands Wettbewerbsvorteil in einem der wichtigsten Zukunftsmärkte, betont ProVeg-Politikexpertin Dr. Nina Wolff. Sie beurteilt das Ergebnis wie folgt:

Statement von Dr. Nina Wolff, Politikexpertin bei ProVeg:

„Der Worst Case ist ausgeblieben. Der vom Parlament verfolgte Plan eines umfassenden Bezeichnungsverbots für pflanzenbasierte Fleischalternativen ist gescheitert. ProVeg wertet es als Teilerfolg, dass Hersteller pflanzenbasierter Produkte zur besseren Orientierung auch künftig vertraute Begriffe wie ‚Burger‘ oder ‚Würstchen‘ verwenden dürfen. Pflanzenbasierte Käse- und Ei-Alternativen behalten ebenfalls ihre gewohnten Namen.

Die Bundesregierung hat die heute auf den Weg gebrachten Einschränkungen im Vorfeld als ‚unnötig‘ abgelehnt und auf den hohen Bürokratieaufwand verwiesen. Diese Position ist weitsichtig, Deutschland konnte jedoch nicht genügend andere Mitgliedstaaten dafür gewinnen. Dass offenbar alle europäischen Institutionen die Bedeutung pflanzenbasierter Proteine für die europäische Wirtschaft, Gesundheit und Sicherheit verkennen, ist sehr bedauerlich.

Mit diesen Einschränkungen legt die EU der Branche künstliche Steine in den Weg. Statt Zukunftstechnologien zu fördern, droht das Ergebnis die Investitionsbereitschaft für nachhaltige Lebensmittelinnovationen zurückzuwerfen.

Die Ausweitung des Verbots auf in der EU noch nicht zugelassene Produkte aus kultiviertem Fleisch sendet ein fatales Signal. Hier entsteht Rechtsunsicherheit in einem aufstrebenden Innovationsbereich, in dem Klarheit und Vorhersehbarkeit von entscheidender Bedeutung sind. Insgesamt schafft der sogenannte Bezeichnungsschutz für Fleisch eine massive Beschränkung des gleichberechtigten Marktzugangs aller bestehenden und künftigen Proteinquellen.

Es bleiben rechtliche Zweifel an der Verhältnismäßigkeit der Einigung und der fehlenden wirtschaftlichen Folgenabschätzung. Betroffene Wirtschaftsvertreter – darunter Schwergewichte der traditionellen Lebensmittel- und Fleischindustrie – könnten daher klagen und die Einschränkungen möglicherweise noch zu Fall bringen. Die damit verbundene Unsicherheit ist eine überflüssige Belastung für einen innovativen Sektor, der aktuell in eine entscheidende Reifephase eintritt.“

Hintergrundinformationen für Redaktionen

Wirtschaftlicher Hintergrund

  • Breites Wirtschaftsbündnis warnt vor Schäden: In gemeinsamen Schreiben an deutsche und europäische Entscheidungsträger haben Wirtschaftsgrößen wie Aldi Süd Deutschland, Lidl in Deutschland, Burger King Deutschland und Rügenwalder Mühle gemeinsam mit ProVeg seit Monaten vor den massiven Schäden eines Bezeichnungsverbots entlang der pflanzenbasierten Wertschöpfungskette gewarnt.
  • Standortvorteil Deutschland in Gefahr: Deutschland ist der mit Abstand größte Markt für pflanzenbasierte Alternativen in Europa und exportiert die Produkte in zahlreiche EU-Länder.1 Der Sektor hat das Potenzial, innerhalb von 20 Jahren bis zu 65 Milliarden Euro zur deutschen Wirtschaftsleistung beizutragen und 250.000 neue Arbeitsplätze zu schaffen, davon allein 40.000 in der Landwirtschaft.2
  • Enormes europäisches Marktpotenzial: Laut einem neuen Bericht von Systemiq könnte der Markt für pflanzenbasierte, fermentierte und kultivierte Proteine europaweit bis 2040 rund 111 Milliarden Euro zur EU-Wirtschaft beitragen und fast 500.000 krisensichere Arbeitsplätze schaffen.3
  • Konkrete Kosten durch das Verbot: Nach Angaben des Branchenverbands BALPro könnte ein Bezeichnungsverbot die Hersteller pflanzenbasierter Alternativen in Deutschland bis zu 250 Millionen Euro kosten. Darin enthalten sind Aufwendungen für die Umstellung von Verpackungen und Werbung sowie zu erwartende Umsatzverluste.4
  • Angebliches Risiko für Irreführung widerlegt: Die dem Verbot zugrunde liegende These, dass die Verwendung alltagsnaher Begriffe zur Bezeichnung pflanzenbasierter Alternativen Verbraucher verwirren könnte, haben Studien bereits mehrfach überzeugend widerlegt.5 6 7

Hintergrund zum weiteren politischen Verfahren

Europäische Kommission, Parlament und Ministerrat haben sich auf die heutigen Änderungen der Gemeinsamen Marktordnung im Rahmen ihrer Trilog-Verhandlungen geeinigt. Damit steht das politische Gerüst. In den kommenden Monaten müssen der Rat und das EU-Parlament den Text noch formal bestätigen. Im Anschluss folgt voraussichtlich eine Übergangsfrist. Innerhalb dieses Zeitraums müssen die betroffenen Unternehmen die kostenintensiven Umstellungen für Verpackungen und Marketing umsetzen.

Quellen

1 GFI Europe (2025): Entwicklung des Marktes für pflanzenbasierte Lebensmittel im deutschen Einzelhandel - Fleisch, Fisch und Meeresfrüchte, Milch und Milchgetränke, Käse, Joghurt und Sahne. Online unter: https://gfieurope.org/de/wp-content/uploads/sites/2/2025/06/Entwicklung-des-Marktes-fuer-pflanzenbasierte-Lebensmittel-im-deutschen-Einzelhandel-2022-2024.pdf

2 GFI Europe (2025): Entwicklung des Marktes für pflanzenbasierte Lebensmittel im deutschen Einzelhandel - Fleisch, Fisch und Meeresfrüchte, Milch und Milchgetränke, Käse, Joghurt und Sahne. Online unter: https://gfieurope.org/de/wp-content/uploads/sites/2/2025/06/Entwicklung-des-Marktes-fuer-pflanzenbasierte-Lebensmittel-im-deutschen-Einzelhandel-2022-2024.pdf

3 Systemiq (2026): Seizing the economic opportunity of alternative proteins in Europe, veröffentlicht im Januar 2026. Online unter: https://www.systemiq.earth/wp-content/uploads/2026/01/Seizing-the-economic-opportunity-of-alternative-proteins-in-Europe-report.pdf

4 BALPro (2026): EU-Bezeichnungsverbot für Fleischersatzprodukte verursacht geschätzte Schäden von rund 250 Millionen Euro, veröffentlicht am 27.01.2026. Online unter: https://balpro.de/eu-bezeichnungsverbot-fuer-fleischersatzprodukte-verursacht-geschaetzte-schaeden-von-rund-250-millionen-euro/

5 IFH Köln (2022): Kennzeichnung von vegetarischen/veganen Ersatzprodukten – Eine bevölkerungsrepräsentative Befragung von Verbraucher:innen, veröffentlicht im März 2022. Online unter: https://www.vzbv.de/sites/default/files/2022-04/220307_IFH%20K%C3%96LN_Verbraucherzentrale_Kennzeichnung%20von%20Ersatzprodukten_final.pdf

6 BEUC (202): One bite at a time – Consumers and the transition to sustainable food, veröffentlicht im Juni 2020. Online unter: https://www.beuc.eu/sites/default/files/publications/beuc-x-2020-042_consumers_and_the_transition_to_sustainable_food.pdf

7 Smart Protein Project (2023): Evolving appetites – An in-depth look at European attitudes towardsplant-based eating, veröffentlicht im September 2023. Online unter: https://smartproteinproject.eu/wp-content/uploads/Smart-Protein-European-Consumer-Survey_2023.pdf

Kontakt
Lena Renz
Senior PR Manager ProVeg 
presse@proveg.org 
+49 176 177 858 52
Über ProVeg
Die Ernährungsorganisation ProVeg International wirkt darauf hin, dass pflanzenreiche Lebensmittel und alternative Proteine breit verfügbar sind und weithin Anklang finden. Damit beschleunigt sie den Übergang zu einem nachhaltigen globalen Ernährungssystem.

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ProVeg wirkt weltweit, mit Vertretungen in 14 Ländern auf fünf Kontinenten und mehr als 250 Beschäftigten.
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