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06.11.2009 – 07:41

WDR Westdeutscher Rundfunk

MONITOR: Kriegsverbrechen in Afghanistan: Parlamentarier in Deutschland und in den Niederlanden fordern Aufklärung

Köln (ots)

Deutsche und niederländische Soldaten sind
möglicherweise Augenzeugen eines bislang geheim gehaltenen 
Kriegsverbrechens in Afghanistan geworden. Dabei wurden im August 
2002 afghanische Kriegsgefangene nach einem Gefecht exekutiert.
Das hat das ARD-Magazin Monitor in seiner gestrigen Sendung (Das 
Erste, 05.11.09, 21.45 Uhr) berichtet. Laut MONITOR ereignete sich 
der Vorfall am Stadtrand der afghanischen Hauptstadt im 
Verantwortungsbereich der damals von Deutschland geführten 
Multinationalen Brigade Kabul.
Wie aus internen Militärdokumenten hervorgeht, führten deutsche 
und niederländische Militärs damals Untersuchungen des Vorfalls 
durch. Die Ergebnisse wurden geheim gehalten. MONITOR dazu 
vorliegende Dokumente gehen davon aus "dass die Toten Kriegsgefangene
waren, die, nachdem sie sich ergeben hatten, exekutiert wurden".
Nach Angaben des deutschen und des niederländischen 
Verteidigungsministeriums waren keine westlichen Truppen an dem 
Gefecht beteiligt. Es gebe unter den deutschen und den 
niederländischen Soldaten keine Augenzeugen der Erschießung.
Wichtige Dokumente, die Aufschluß über den Tathergang geben 
könnten, sind allerdings weiterhin als geheim eingestuft. MONITOR und
der niederländischen Hörfunkredaktion Argos liegen jedoch Hinweise 
vor, dass Soldaten der deutsch-niederländischen Eliteeinheit KCT 
möglicherweise an dem Gefecht beteiligt und Augenzeugen der 
anschließenden Exekution geworden sein könnten. So gibt es Indizien, 
dass die Leichen mit einer KCT-eigenen Kamera photographiert worden 
sind.
Der für das Militär zuständige Staatsanwalt im niederländischen 
Arnheim, Johan Klunder, hat nun eine erneute Prüfung des Vorfalls 
angeordnet. Klunder gegenüber MONITOR: "Wir nehmen die Informationen 
von Monitor und Argos sehr ernst."
Der justizpolitische Sprecher der niederländischen 
Regierungspartei PvdA, Ton Heerts sieht Deutschland in der Pflicht. 
"Die deutschen und niederländischen Justizbehörden müssen jetzt 
zusammenarbeiten." Auch der Bundestags-Abgeordnete der Linken, Paul 
Schäfer, fordert eine Untersuchung: "Ich will,dass die Wahrheit auf 
den Tisch kommt, und deshalb muss dieser Fall neu aufgerollt werden."
Die niederländische Eliteeinheit KCT war am Tag des Vorfalls am 
07.08.2002 nach Angaben des Verteidigungsministerium in Den Haag mit 
mindestens drei deutschen Bundeswehrsoldaten ausgerückt. Das KCT 
stand 2002 in Afghanistan unter deutschem Oberbefehl.

Pressekontakt:

WDR-Pressestelle, Annette Metzinger, Telefon 0221 220 2770

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