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RNZ: Moderne Amokläufe sind der Spiegel einer narzisstischen Gesellschaft

Heidelberg (ots) - Es gibt nicht Wenige, die in diesen Taten terroristische Anschläge sehen. Und das, obwohl nicht immer ein politisches Motiv erkennbar ist. Und begreift man die moderne Welt als die Summe von Millionen von Partikularinteressen, so ist diese Deutung auch nicht von der Hand zu weisen. Denn der politische Terrorist mordet schließlich auch nur aus dem einen Grund: Er möchte bekannt werden - das gilt auch für die Fälle, in denen Terroristen sagen, sie mordeten, damit nicht sie, sondern "ihre Sache" bekannt werde. Dennoch greift diese Deutung zu kurz. Das, was die Breiviks, die Selbstmordpiloten, die Schwarzenhasser und Judenhasser (Charlie Hebdo) eint, ist ihr Narzissmus, ihr übersteigertes Selbstbild, ihre Unfähigkeit, Kränkung zu ertragen. Das Vorhandensein moderner Kommunikationsmittel und Medien fördert dabei das Phänomen des Massenmordes geradezu. Die Gräueltaten des Islamischen Staates hätten ohne Videoverbreitung im Internet nie ihre weltweite Wirkung entfalten können - ganz abgesehen davon, dass auch Terroristen und Fanatiker eitel sind. Gesellschaftlich gesehen ist Narzissmus eine Krankheit - sie ist der Gegenentwurf zu Solidarität und Gemeinsinn. Höchste Zeit, die Narzissten dieser Welt in ihre Schranken zu weisen. Durch Nichtachtung.

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