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Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zu Papst Franziskus

Bielefeld (ots) - Ostern in Rom - das ist auch für Papst Franziskus Anlass zum Durchatmen und neuer Erfüllung. Da sind die zahlreichen religiösen Höhepunkte der Karwoche bis zum Osterfest, die alle Priester fordern. Da sind die Liturgien, Gesänge und uralten Gebete, die den Menschen wieder zu sich führen. Auch das braucht Franziskus. Sein Pontifikat steckt nach der großen Frische des Aufbruchs möglicherweise in einer tieferen Krise, als es viele von außen ahnen oder wahrhaben wollen. Wenn am Ostersonntag der Petersplatz beim Segen urbi et orbi wieder von Gläubigen dicht an dicht belegt ist, dann darf Franziskus diese Abstimmung mit den Füßen als persönlichen Rückhalt verstehen. Vielleicht nimmt der Anblick vom Balkon der Peterskirche aus auch der wachsenden Schar an Kritikern innerhalb der Kurie den Wind aus den derzeit stark geblähten Segeln. In den zurückliegenden Monaten war die Zahl der Rompilger zurückgegangen. Mitunter gab es weite Lücken dort, wo sich sonst auch in der kälteren Jahreszeit die Massen drängten. Hinter den Mauern des Vatikans, so wollen zumindest einige der »Vaticanisti« nach eigenen Angaben oder Dafürhalten wissen, machen schon die schlimmen Worte »Schisma« (Spaltung/Trennung) und »Häresie« (eine Vorstufe der Ketzerei) die Runde. Angeblich sollen katholische Amtsträger aus verschiedenen Teilen der Welt besorgt angefragt haben, wie man auf die Abweichungen des neuen Papstes von der katholischen Lehre kirchenrechtlich zu reagieren gedenke. Es mag immer schon Fraktionen und Mindermeinungen in der vatikanischen Führung und dem durchaus eigenwilligen Apparat darunter gegeben haben. Gewiss ist, dass die Unruhe noch nie so groß war. Mit Sorge und Spannung blicken in Rom viele auf die Synode im Herbst. Der dringende Wunsch gerade der deutschen Gläubigen und auch einiger ihrer Bischöfe nach Reformen und einer Öffnung der Kirche für den Zeitgeist irritiert andere Teile der Weltkirche zutiefst. Die Forderung nach der Zulassung wiederverheirateter Geschiedener zur Kommunion stößt auf erbitterten Widerstand etwa einiger afrikanischer Bischöfe. Sollte Franziskus einlenken, was besonders seine Kritiker erwarten, werden Weiterungen befürchtet - bis zum Frauenpriestertum. In einem Fernsehinterview erklärte Franziskus im März, dass er mit einem kurzen Pontifikat rechne. Er sprach von vier oder fünf Jahren und kündigte an, am 8. Dezember ein »Heiliges Jahr der Barmherzigkeit« zu eröffnen. Ein Zeichen des inneren Rückzugs? Über die Ostertage wird der Papst alle Gefahren für sich und seine ihm anvertraute Kirche hoffentlich ausblenden können und die Antwort in Meditation und Gebet finden. Das sollten alle, von der Kurie ganz oben bis zur Herde des Herrn ganz unten, auch tun.

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