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Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zu Snowden/Putin

Bielefeld (ots) - Man weiß zu wenig über Edward Snowdens Persönlichkeit, um seriös einschätzen zu können, was ihn zur Teilnahme an Wladimir Putins vorösterlicher TV-Audienz bewogen hat. Sein Auftritt war bizarr, seine Frage eine perfekte Steilvorlage für den russischen Präsidenten. So perfekt, dass sie mit ziemlicher Sicherheit abgesprochen und einstudiert war. Der Verdacht liegt auf der Hand: Snowden könnte im Gegenzug für sein Asyl in Moskau gedrängt worden sein, sich hier vorführen zu lassen. Der Datenschutz-Märtyrer der westlichen Welt stellt dem KGB-durchwirkten Putin eine Frage, und der ewige Geheimdienstler gibt den lupenreinen Demokraten, der Abhöraktionen nur mit »gerichtlicher Zustimmung« unterstützt. Kein Problem bei der Gewaltenteilung à la Wladimir Putin. Snowden spürt Gegenwind und verteidigt sich im britischen »Guardian«, er habe Russland keine Treue geschworen. Ihm sei es darum gegangen, Putin zu einer Aussage zu bringen, die nun auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft werden könne. Ist Snowden wirklich der politisch naive Computerfreak, der sich zum Spielball der Mächte machen lässt? Wenn ein US-Amerikaner einen Skandal von der Tragweite der NSA-Affäre aufdeckt und vor seinem eigenen Staat ausgerechnet nach Russland flieht, dann fühlt man sich beinahe an den deutschen Kremlflieger Mathias Rust erinnert. Aber an dieser Stelle soll kein laienhaftes Psychogramm erstellt werden. Ob Putin mit der Snowden-Show den Westen, vor allem die USA, vorführen wollte, scheint mehr als fraglich. Wenn das seine Absicht gewesen sein sollte, wäre er - das zeigen die Reaktionen auf Snowdens Frage-Antwort-Spiel - gescheitert. Was mit dem Auftritt des »Whistleblowers« gelungen ist: Edward Snowden droht seinen Status als Lichtgestalt des globalen Kampfes für den Datenschutz einzubüßen. Das wiederum nützte den Vereinigten Staaten. Denn klar ist auch: In der russischen Gesellschaft wäre ein Edward Snowden gar nicht möglich, in den USA aber schon. Und wer sich von einem autokratischen Machthaber instrumentalisieren lässt, an dem werden schnell Zweifel und Kritik laut. Nicht nur in Washington. Allerdings ändert das in diesen Tagen fragwürdige Verhalten des ehemaligen technischen Mitarbeiters diverser US-amerikanischer Geheimdienste gar nichts an den verwerflichen Handlungen seiner früheren Arbeitgeber. Und ein No-Spy-Abkommen täte weiter dringend Not, auch wenn es immer unwahrscheinlicher wird. Schade ist die Sache auch für den Datenschutzverein »Digitalcourage« aus Bielefeld, der die bundesweit beachteten »Big Brother Awards« verleiht. Der erstmals vergebene Positiv-Preis an Edward Snowden hat nun leider einen Kratzer, weil sich der Preisträger angreifbar gemacht hat.

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