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Mittelbayerische Zeitung: Kommentar von Christine Strasser zur Kardinalsernennung Gerhard-Ludwig Müller

Regensburg (ots) - Gerhard Ludwig Müller sticht unter den neuen Kardinälen hervor - nicht nur weil der 1,90 Meter große Kirchenmann seine Kollegen buchstäblich überragt. Böse Zungen verpassten dem groß gewachsenen Präfekten der Glaubenskongregation den Spitznamen "Groß-Inquisitor". Doch den früheren Bischof von Regensburg als konservativen Gegenspieler des Papstes abzustempeln, trifft die Sache nur halb. Müller ist eine Reizfigur - und der Papst scheint das für sich zu nutzen. Von Amts wegen ist Müller dafür verantwortlich, darauf zu achten, dass die Normen der katholischen Dogmatik eingehalten werden. Sympathiepunkte zu sammeln, ist da schwierig. "Katholisch ist nicht einfach ein Kollektivbegriff - Tutti Frutti für alles Mögliche. Wir haben klare Vorgaben von der Offenbarung Gottes, wie sie in der Heiligen Schrift dargelegt sind. Das Lehramt des Papstes, der Bischöfe und des Konzils hat die letzte Entscheidung. Das muss man akzeptieren, um sich katholisch nennen zu dürfen", sagte Müller in einem Interview der ARD. Müller und Franziskus pflegen ein engeres Verhältnis, als dies gemeinhin wahrgenommen wird. Sie unterhalten sich auf Spanisch. Müller ist ein Freund und Kenner der lateinamerikanischen Befreiungstheologie, der auch der Papst nahesteht. Müllers Schwachstelle ist, dass er sich mit Kritik oft schwertut. Das führte in seiner Zeit als Bischof in Regensburg zu Konflikten mit Laien, Professoren und Priestern. Seine Haltung im Missbrauchsskandal verärgerte viele Gläubige. Andererseits protestierte er wiederholt gegen rechtsradikale Aufmärsche und setzte sich öffentlich für ein Verbot der NPD ein. Als es bei der MZ-Benefizgala 2006 darum ging, Spenden für krebskranke Kinder zu sammeln, war Müller für den Spaß zu haben und ritt auf einem Elefanten durch die Zirkusmanege. Müller ist ein Freund offener Worte. Das hat den Nachteil, dass er irritiert. Auffallend ist gerade wieder, wie sehr er den Skandalbischof aus Limburg, Franz-Peter Tebartz-van Elst, verteidigt. Kann das dem Papst gefallen? Vielleicht schon. Kaum jemand versteht sich besser aufs Inszenieren als die katholische Kirche. Jeder Gottesdienst beweist das. Denkbar ist also durchaus, dass der Papst und der Präfekt Müller eine ganz bewusste Aufgabenteilung vornehmen. Franziskus predigt Barmherzigkeit, umarmt Elende und gewinnt Sympathien, während Müller verteidigt, was Franziskus - wie alle Päpste - lehrt.

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