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Neues Deutschland: zu Guttenberg

Berlin (ots) - Die Alma Mater hat noch nicht geprüft, doch mit dem »Angebot« Guttenbergs, den Titel »zurückzugeben«, ist es wohl amtlich: Ein Bundesminister, Repräsentant dieses Landes und Befehlshaber seiner Armee hat sich einen akademischen Grad erschwindelt. Für die Kanzlerin ist diese Lage eigentlich sogar komfortabel: Der Mann, der ihr schon als Nachfolger präsentiert wurde, leckt einstweilen ihre Hände. Und die Sorge um den Stammtisch übernimmt »Bild« mit einer beispiellosen Kampagne. Alles paletti, mag Merkel denken, wer wird 2012 noch über Fußnoten reden? Hier aber könnte sie irren. Merkel täte gut daran, genau zu verfolgen, wer da neben der Opposition allmählich noch zu grummeln beginnt: emeritierte Juraprofessoren, Germanisten, konservative Politologen. Repräsentanten des Bildungsbürgertums und seiner traditionellen Werte: Ehre, Hilfsbereitschaft, Bescheidenheit - und Bildung um der Bildung willen. Schon der forsche Außenminister hat mit seiner peinlichen Tirade vom allgemeinen Untergang durch »spätrömische Dekadenz« nicht nur die Armen beleidigt, sondern auch seine historische Unbelesenheit demonstriert. Der Bildungsbürger dachte sich seinen Teil - und wird das nun wieder tun, da Guttenberg die Sitten verspottet. Laut wird es nie werden am Mittagstisch der Bildungsbürger. Aber man könnte auf den nächsten Urnengang verzichten.

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