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Neues Deutschland: zu den Entwicklungen in Libyen

Berlin (ots) - Nun brennt auch in Gaddafis Volksstaat die Luft und nicht nur diese. Der Revolutionsführer ist ähnlich seinen westlich und östlich von ihm bereits gestürzten Amtskollegen über viele Jahre ignorant und selbstherrlich über Bedürfnisse und Befindlichkeiten seiner Bürger hinweggegangen. Es bedurfte nicht einmal eines inneren Anlasses, die Beispiele der Nachbarn genügten, um lange aufgestauten Frust ausbrechen zu lassen. Warum? US-amerikanische Schurkentheorien taugen wenig zur Erklärung. Libyens Bevölkerung leidet weder unter Hunger noch anderen sozialen Notlagen. Aber die gesellschaftliche Entwicklung scheint zum Stillstand gekommen; nicht erst dieser Tage, sondern schon vor einigen Jahren. Gaddafis Grüne Fibel, millionenfach verbreitetes Pamphlet der Idee einer alternativen islamischen Gesellschaft, ließ manch konservativer arabischer Regierung in den 70er und 80er Jahren den Schreck in die Glieder fahren. Der USA lebenslange Feindschaft erwarb sich der Libyer, indem er Wheelus schloss, ihren größten Flottenstützpunkt im Mittelmeer. Immer wieder überraschte Gaddafi mit Botschaften über Libyens Vereinigung mit anderen Staaten oder Visionen, immer mindestens ganz Afrika betreffend und vorgetragen in ausgesuchter Exzentrizität. Letzteres kennzeichnet seinen Stil bis heute. Allerdings ist die Politik auf der Strecke geblieben. Seine Bürger konnte er offenbar nicht noch einmal von sich überzeugen.

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