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NRZ: Die Frau Überzeugt mehr als der Mann - von MANFRED LACHNIET

Essen (ots) - Bis vor wenigen Wochen kannten sie nur politisch Interessierte: Nun steht Annegret Kramp-Karrenbauer im Rampenlicht. Dass nun sie die angeschlagene CDU zu alter Würde und Größe führen soll, glaubte kaum einer der Polit-Beobachter in Berlin. Fast alle waren sie von Friedrich Merz angefixt, von seinen markigen Sätzen und seinem breitschultrigen Auftreten. Merz fühlte sich schon als sicherer Sieger - und fällt nun tief. Ein Mann wie er wird nicht verstehen können, dass Frau Karrenbauer mit ihrer unaufgeregten Art mehr Zutrauen findet. Auch Wolfgang Schäuble dürfte geschockt sein, dass sein Plan eines schnellen Merkel-Sturzes nun nicht aufgeht. Das ist bitter für ihn - aber auch für große Teile der Unionsmitglieder. Schließlich haben rund 48 Prozent für Merz gestimmt. Es ist die Frage, wie sich diese weiter unzufriedene Gruppe künftig ausdrücken und verhalten wird. Akzeptiert sie die Verhältnisse - oder sucht sie weiter den Konflikt? Annegret Kramp-Karrenbauer wird nun eine Menge zu tun haben, um die Skeptiker in ihrer Partei einzufangen und zu überzeugen. Sie weiß, dass sie sich dabei von Merkel weiter distanzieren muss, denn trotz all ihrer Meriten leidet die Partei schon lange an ihrer Kanzlerin. Die Mitglieder nehmen es ihr übel, dass die CDU kaum mehr von der SPD zu unterscheiden ist; und von den Grünen auch nicht so richtig. Kein Wunder, wenn Merkel nur selten nach Überzeugungen, sondern meist nach Sachlage entschied. Auf diese Art geht jedes Profil verloren. Die Saarländerin wird daher ihre CDU konservativer und härter ausrichten. So wollen es schließlich die Mitglieder und womöglich kann die Partei damit wieder verloren gegangene Wähler zurückholen. Wie geht es nun weiter? Gut möglich, dass Merkel tatsächlich noch eine ganze Weile weiterregiert. Mit Merz wäre das kaum möglich gewesen. Bei Neuwahlen oder einem Misstrauensvotum könnte Kramp-Karrenbauers Art vermutlich die Grünen überzeugen, die FDP wird sicher mitmachen - schließlich muss Lindner jetzt nicht mehr mit Merkel verhandeln. Und die SPD könnte sich endlich in der Opposition erholen. Sie hat hoffentlich gelernt, dass eine offene Kandidatenwahl keine schlechte Idee ist, um inner- und außerhalb der Partei zu punkten. Für NRW bedeutet die Wahl: Zwei Kandidaten sind gestartet, aber niemand kam durch. Freuen wird das Armin Laschet, weil er Kramp-Karrenbauer eh besser findet als die beiden Männer. Lächeln dürfte aber auch Jens Spahn. Dass er bis zuletzt an seiner Kandidatur festhielt, macht ihn für die Zukunft noch stärker.

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