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04.10.2005 – 18:40

Westfalenpost

Westfalenpost: Grenzen der Erkenntnis Forschungsstandort Deutschland

    Hagen (ots)

Von Peter Tendler

    Ein Deutscher hat die höch-ste wissenschaftliche Ehrung erhalten. Ein Professor aus München ist mit dem Nobelpreis ausgezeichnet worden. Theodor Hänsch hat bahnbrechende Entdeckungen auf dem Gebiet der laserbasierten Präzisionsspektrometrie gemacht. Er freut sich, und ganz Deutschland jubelt. Kaum hat er die Nachricht erhalten, lobt er die Möglichkeiten, die er als Forscher in Deutschland hat. Er tut dies offensichtlich spontan. Das ist ehrlich und nicht pflichtbewusst, nicht einschleimend. Als 63-jähriger Spitzenforscher hätte er auch anders reagieren können. Die Forschungsbedingungen am Max-Planck-Institut entsprechen den Erwartungen, die der deutschen Tradition erfolgreicher Physiker entsprechen. Alles nur Gerede vom Exodus deutscher Forscher in andere Länder? Alles nur Schwarzmalerei vom Niedergang deutschen Erfindergeistes? Alles übertrieben, was uns Pisa-Studien erzählen? Durchaus nicht! Selbstverständlich wird an deutschen Instituten und Universitäten, aber auch in den Labors der Industrie, erfolgreich geforscht. Viel Geld, öffentliches und privates, fließt in die Institutionen, die mit der Spitzenstellung in der Forschung auch den Wohlstand der Menschen in diesem Land sichern. Aber in der Vermittlung genau dieses Zusammenhanges liegt das Problem. Wem nützt die laserbasierte Präzisionsspektrometrie, wird gefragt und so in Frage gestellt; wie es zum Beispiel auch bei der Raumfahrt üblich war (und ist). Es war geradezu Mode geworden, den Nutzen von Forschung vor allem an der schnellen wirtschaftlichen Verwertung zu messen. Dies ist ein für die Grundlagenforschung tödliches Ansinnen. Nobelpreise sind so nicht zu gewinnen. Aber es ist in Deutschland gelungen, diesen unsinnigen Anspruch noch zu verschärfen. Könnte es irgendjemandem schaden, wird gefragt, und wehe, der Forscher tritt nicht sofort den Beweis des Schadlosigkeit seines Tuns an. Das gilt erfreulicherweise nicht für die Forschung, die sich, wie unser Nobelpreisträger, soweit von der täglichen Erfahrung entfernt hat, dass politisch beschränkte Ideologen sie behindern können. Bei der Gentechnologie, in den Biowissenschaften und in der Medizin ist das leider anders. Dort schreibt vielfach die Politik und nicht der Verstand die Grenzen der Erkenntnis vor. Theodor Hänsch beweist: Man muss die Menschen nur denken lassen.

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