Neues Schulfach Christliche Religion - Verband der Reli-Lehrer bemängelt "Leerstellen" bei Jesus und der Dreifaltigkeit
Verbandsvorstand Hollmann: "Ist das eigentlich noch Religionsunterricht?"
Osnabrück (ots)
In der Debatte um Niedersachsens neues Schulfach Christliche Religion ist der Verband der katholischen Religionslehrerinnen und Religionslehrer an Gymnasien im Bistum Hildesheim (VKRGH) auf Distanz zu den aktuellen Lehrplanentwürfen des Kultusministeriums gegangen. "Die Kolleginnen und Kollegen, die sich die Entwürfe schon genauer zu Gemüte führen konnten, schütteln nur noch mit dem Kopf", sagte VKRGH-Vorstandsmitglied Thomas Hollmann im Gespräch mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (noz). "In den verpflichtenden Grundbegriffen kommt Jesus Christus gar nicht vor, nur an einzelnen Stellen unter der Überschrift 'Ressourcen des Christentums' wird er noch erwähnt. Soll man im christlichen Religionsunterricht gar nicht mehr lernen, was der Begriff 'Christus' bedeutet?"
Der VKRGH vertritt die Belange des Religionsunterrichts und der Religionslehrkräfte an Gymnasien gegenüber den zuständigen kirchlichen und staatlichen Stellen in Niedersachsen. Er ist auch offiziell aufgefordert, zu den aktuellen Lehrplanentwürfen Stellung zu nehmen. Eine entsprechende Erklärung werde im Laufe dieser Woche erarbeitet, teilte der Verband mit. Niedersachsens neues Schulfach Christliche Religion, das erstmals von katholischer und evangelischer Kirche gemeinsam organisiert wird, soll im Sommer starten.
"In der gegenwärtigen Form werfen die Lehrpläne die Frage auf, ob das eigentlich noch Religionsunterricht ist oder nicht doch eher ein Fach wie 'Werte und Normen'", sagte VKRGH-Vorstand Hollmann gegenüber noz weiter. In den Entwürfen gehe es deutlich mehr um Ethik und Moral als um das Christentum. "Das Christentum ist aber keine Morallehre." Es fuße auf einer persönlichen Gottesbeziehung, die man erst einmal vermittelt bekommen müsse, bevor man dann zu Fragen ethisch guten Handelns kommen könne.
Die Entwürfe gefährdeten damit auch die Anschlussfähigkeit der Schüler hin zu Abitur oder Studium. "Wie sollen sie da in Religion klarkommen, wenn sie nichts mehr über die Zeit und Umwelt von Jesus von Nazareth wissen?", so Hollmann. Auch das Thema Dreifaltigkeit fehle in den Plänen. "Diese breiten Leerstellen sind nicht überzeugend und würden einen sinnvollen christlichen Religionsunterricht erheblich einschränken."
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