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WAZ: Hoffnungslose Helden - Kommentar von Gudrun Büscher

Essen (ots) - Die Helden von gestern verlassen ihr Land. Etwa tausend Tunesier kommen täglich in Booten über das Meer. Viele der erfolgreichen Revolutionäre sind auf der Flucht vor der Armut und nutzen die Gunst der unbewachten Häfen, um nach Europa zu gelangen. Das sagt eine Menge über das Vertrauen der Menschen in die Zukunftsfähigkeit ihrer eigenen Revolution. Tunesien war der Ausgangspunkt der Despotendämmerung und nun ist es dabei, Ausgangspunkt eines Flüchtlingsdramas zu werden. Da reicht es nicht aus, die Grenzen zu sichern und den Italienern bei der Abschottung unter die Arme zu greifen. Die Flüchtlinge aus Tunesien brauchen in ihrer Heimat eine Perspektive - spürbar und schnell. Dazu gehört der Aufbau demokratischer Strukturen, aber vor allem wirtschaftlich muss sich für die Menschen etwas bessern. Europa sah staunend zu, als die Tunesier ihren Präsidenten vertrieben. Nun ist Hilfe gefragt, doch die Hilflosigkeit ist nach wie vor groß. All die Milliarden, mit denen das Regime "stabil" gehalten wurde, müssen in Arbeitsplätze, Unis, Krankenhäuser - in die Zukunft investiert werden. Der schwierige Teil der Revolution beginnt erst jetzt.

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