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21.03.2010 – 18:22

Westdeutsche Allgemeine Zeitung

WAZ: Die Kirchenkrise sitzt viel tiefer - Kommentar von Angelika Wölk

Essen (ots)

Dieser Hirtenbrief war mit so großer Spannung
erwartet worden, doch die hohen Erwartungen, die an ihn gestellt 
wurden, hat der Papst nur zu einem Teil erfüllt. Der Hirtenbrief an 
die Kirche in Irland ist in weiten Passagen enttäuschend, an einigen 
Stellen ist er gar empörend uneinsichtig. Doch der Brief hat auch 
ganz starke Passagen.
Immer da, wo der Papst konkret auf die irischen Bischöfe eingeht, 
wählt er eine wohltuend deutliche Sprache. Er wirft seinem 
geistlichen Führungspersonal "kriminelle Taten" vor, "Verbrechen", 
spricht vom "Versagen" in der Kirche, fordert strikte Einschaltung 
der staatlichen Justizbehörden. Und er droht: Wenn das nicht umgehend
passiert, wird Rom das tun.
Ein wichtiger Punkt. Hier fand der Papst die richtigen Worte. Sie 
sind zudem als klare Ansage an alle Bischöfe der Weltkirche zu 
verstehen. Auch sie dürfen das getrost als Warnung verstehen: 
Vertuschen verboten.
Aber überall da, wo der Papst die Ursachen des Missbrauch-Skandals 
ergründet, spricht nicht Weltkirche, sondern aller-, allerengste 
Provinz. Säkulare Tendenzen, eine laxe Auslegung des Zweiten 
Vatikanischen Konzils - als wenn deshalb Priester Kinder 
missbrauchten. Nein, so leicht kann es sich Papst Benedikt XVI. nicht
machen. Diese Krise sitzt viel, viel tiefer in der gesamten Kirche.

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