Bayern: Seelische Belastungen bei Kindern verfestigen sich
2 Dokumente
Die Folgen der Pandemie und anhaltende Krisen sorgen bei vielen jungen Menschen im Freistaat dauerhaft für psychische Probleme. Das zeigt der neue DAK-Kinder- und Jugendreport zu Angststörungen, Depressionen und Essstörungen. Im Fokus der wissenschaftlichen Studie stehen bayerische Mädchen im Alter zwischen 15 und 17 Jahren, da sich hier die größten Anstiege zeigen: 2024 waren rund 64 von 1.000 DAK-versicherten jugendliche Mädchen mit einer Angststörung in Behandlung, womit hochgerechnet landesweit 11.000 junge Frauen betroffen waren. Im Vergleich zu 2019 ist dies ein Anstieg um 45 Prozent. Gleichzeitig stieg die Zahl chronischer Angststörungen um 114 Prozent. Soziale Phobien haben sich knapp verdreifacht. Lesen Sie mehr in unserer aktuellen Pressemeldung.
Freundliche Grüße
Ihr Presseteam der DAK-Gesundheit Bayern
Bayern: Seelische Belastungen bei Kindern verfestigen sich
- DAK-Kinder- und Jugendreport: Angststörungen bei jugendlichen Mädchen steigen seit 2019 um 45 Prozent – Zahl dauerhafter Behandlungen mehr als verdoppelt
- Verdreifachung sozialer Phobien
- DAK-Landeschef Blasutto begrüßt Masterplan Prävention der bayerischen Staatsregierung
Die Folgen der Pandemie und anhaltende Krisen sorgen bei vielen jungen Menschen im Freistaat dauerhaft für psychische Probleme. Das zeigt der neue DAK-Kinder- und Jugendreport zu Angststörungen, Depressionen und Essstörungen. Im Fokus der wissenschaftlichen Studie stehen bayerische Mädchen im Alter zwischen 15 und 17 Jahren, da sich hier die größten Anstiege zeigen: 2024 waren rund 64 von 1.000 DAK-versicherten jugendliche Mädchen mit einer Angststörung in Behandlung, womit hochgerechnet landesweit 11.000 junge Frauen betroffen waren. Im Vergleich zu 2019 ist dies ein Anstieg um 45 Prozent. Gleichzeitig stieg die Zahl chronischer Angststörungen um 114 Prozent. Soziale Phobien haben sich knapp verdreifacht. Bei jugendlichen Mädchen in Bayern sind die Fallzahlen von Depressionen und Essstörungen ebenfalls auf einem hohen Niveau.
„Die Entwicklung in Bayern besorgt mich – vor allem bei den Mädchen. Der aktuelle DAK-Kinder- und Jugendreport verdeutlicht, dass Angststörungen bei Mädchen stark zugenommen haben und sich verfestigen “, sagt Rainer Blasutto, DAK-Landeschef in Bayern. „Wir müssen die junge Generation mental bestmöglich unterstützen, um bleibende Auswirkungen zu vermeiden. Die DAK-Gesundheit hat deshalb, gemeinsam mit der bayerischen Staatsregierung, 2025 einen Pakt für Kindergesundheit geschlossen. Mit diesem Pakt setzen wir uns gezielt für bessere Prävention, frühzeitige Aufklärung und eine stärkere gesundheitliche Bildung ein. Ausdrücklich begrüße ich den Masterplan Prävention unserer bayerischen Gesundheits- und Präventionsministerin Judith Gerlach, die damit einen Schwerpunkt der bayerischen Staatsregierung setzt, durch Prävention, die psychische Gesundheit zu stärken, in Krisen zu unterstützen und Einsamkeit zu verringern. Unser Präventionsprogramm ‚fit4future Teens‘ stärkt die Resilienz von Jugendlichen und fügt sich bestens in den Masterplan Prävention ein."
Als erste Krankenkasse in Bayern hat die DAK-Gesundheit ambulante und stationäre Abrechnungsdaten von Kindern und Jugendlichen mit dem Fokus auf Angststörungen, Depressionen und Essstörungen für das Jahr 2024 ausgewertet. Für die aktuelle DAK-Sonderanalyse im Rahmen des Kinder- und Jugendreports untersuchten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von Vandage und der Universität Bielefeld Abrechnungsdaten von rund 108.100 Kindern und Jugendlichen bis einschließlich 17 Jahren, die bei der DAK-Gesundheit in Bayern versichert sind. Untersucht wurde das Zeitfenster von 2019 bis 2024 mit insgesamt rund 5,7 Millionen ambulanten Arzt- und Therapeutenbesuchen, Krankenhausaufenthalten und Verschreibungen für Arzneimittel. Der Fokus der Analyse lag auf der Altersspanne fünf bis 17 Jahre und insbesondere auf jugendlichen Mädchen.
Angststörungen chronifizieren sich bei jugendlichen Mädchen
Laut DAK-Kinder- und Jugendreport für Bayern sind jugendliche Mädchen von Angststörungen besonders betroffen. So hat sich die Chronifizierung von Angststörungen bei ihnen im Vergleich zur Zeit vor der Pandemie mehr als verdoppelt: 2019 mussten 8,6 von 1.000 Mädchen zwischen 15 und 17 Jahren jedes Quartal mit einer Angststörung ambulant oder stationär behandelt werden. 2024 waren es 18,4 je 1.000 jugendliche Mädchen. Das entspricht einer Steigerung von 114 Prozent. Zudem haben sich die Komorbiditäten, also ein gleichzeitiges Auftreten zweier psychischer Erkrankungen bei jungen Patientinnen, ebenfalls mehr als verdoppelt. Die Zahl jugendlicher Mädchen, die zeitgleich an einer Angststörung und einer Depression litten, erhöhte sich 2024 im Vergleich zu 2019 um 104 Prozent.
Experten warnen vor Anstieg sozialer Phobien und sozialem Rückzug
„Die Ergebnisse des DAK-Kinder- und Jugendreports spiegeln unsere klinischen Erfahrungen sehr deutlich wider. Seit der Pandemie beobachten wir insbesondere bei weiblichen Jugendlichen einen anhaltenden Anstieg von Angststörungen, Depressionen und Essstörungen, der sich inzwischen auf einem hohen Niveau stabilisiert hat“, erklärt Prof. Dr. Christoph Wewetzer, Chefarzt der KIRINUS Tagesklinik für Kinder und Jugendliche in München-Nymphenburg sowie Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie. Besonders alarmierend sei die zunehmende Chronifizierung von Angststörungen bei jugendlichen Mädchen. Vor allem soziale Phobien hätten deutlich zugenommen und führten häufig zu sozialem Rückzug sowie zu chronischem Schulabsentismus. „Aus kinder- und jugendpsychiatrischer Sicht sind eine frühzeitige Diagnostik und die rasche Einleitung geeigneter Behandlungsmaßnahmen entscheidend, um langfristige Krankheitsverläufe zu verhindern“, so Wewetzer weiter. „Dafür braucht es eine deutlich bessere Verzahnung ambulanter, teilstationärer und stationärer Angebote sowie eine gezielte Unterstützung von Familien mit geringen psychosozialen Ressourcen.“
Soziale Phobien auf das Dreifache gestiegen
Der DAK-Kinder- und Jugendreport zeigt, dass im Jahr 2024 im Freistaat 23 von 1.000 DAK-versicherten Kindern und Jugendlichen zwischen fünf und 17 Jahren mit einer Angststörung behandelt wurden. Das entspricht hochgerechnet rund 32.000 Kindern und Jugendlichen in Bayern. Seit 2021 bleiben die Zahlen bei Schulkindern und Jugendlichen auf einem konstant hohen Niveau. Bei den 15- bis 17-jährigen Mädchen lag die Quote 2024 deutlich höher: Rund 64 von 1.000 wurden wegen einer Angststörung ambulant oder stationär versorgt. Besonders stark zugenommen haben spezifische Angststörungen wie soziale Phobien, die sich seit 2019 nahezu verdreifacht haben (plus 194 Prozent), sowie Panikstörungen (plus 86 Prozent). Bei sozialen Phobien leiden Betroffene vor allem unter der Angst vor sozialen Situationen und einer negativen Bewertung durch andere. Hochgerechnet waren es in Bayern rund 11.000 Teenagerinnen im Alter von 15 bis 17 Jahren mit einer Angststörungsdiagnose. Im Vergleich zum letzten Vorpandemiejahr 2019 entspricht das einem Anstieg um 45 Prozent.
Kinderärzte: „Ergebnisse besorgniserregend“
„Die Ergebnisse sind besorgniserregend und decken sich mit unseren Erfahrungen in der Praxis“, sagt Dr. Michael Hubmann, Kinderarzt aus Bayern und Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzt*innen e. V. (BVKJ). „Wir sehen weiterhin eine hohe Rate an psychischen Belastungen bei Kindern und Jugendlichen. Insbesondere Ängste spielen dabei eine große Rolle. Dass sich bei den psychischen Erkrankungen gerade bei jugendlichen Mädchen ein Plateau gebildet hat, überrascht mich nicht. Die Krisen reißen nicht ab – Pandemie, Klimawandel, Kriege, gesellschaftlicher Druck, Zukunftsängste. Das alles bleibt im Alltag junger Menschen präsent. Aus meiner Sicht brauchen wir einen Ausbau von Präventions- und Unterstützungsangeboten, und zwar dort, wo Kinder und Jugendliche ihren Alltag verbringen: in Schulen, Kitas und Jugendzentren.“
Depressionen und Essstörungen weiterhin auf hohem Niveau
Auch bei Depressionen und Essstörungen zeigt sich in Bayern ein anhaltend erhöhtes Belastungsniveau bei jugendlichen Mädchen. Nach einem starken Anstieg in den Pandemiejahren erreichten die Depressionsdiagnosen 2021 und 2022 ihren Höchststand. Seitdem ist zwar eine leichte Entspannung erkennbar, doch die Fallzahlen verharren weiterhin auf einem deutlich höheren Niveau als vor der Pandemie.
2024 waren in Bayern hochgerechnet rund 13.000 Mädchen im Alter von 15 bis 17 Jahren wegen einer Depression in Behandlung. Bei Essstörungen waren es etwa 3.300 Teenagerinnen zwischen 15 und 17 Jahren. Hier steht 2024 im Vergleich zu 2019 bei jugendlichen Mädchen in Bayern ein Plus von 50 Prozent.
Die DAK-Gesundheit ist mit 5,4 Millionen Versicherten, davon rund 753.000 in Bayern, die drittgrößte Krankenkasse Deutschlands und engagiert sich besonders für Kinder- und Jugendgesundheit.
Kontakt:
Tanja Mayinger DAK-Gesundheit Pressesprecherin Bayern
Haidenauplatz 3, 81667 München Tel.: 089/9047550-1156 Mobil: 0172-1514937 mailto:tanja.mayinger@dak.de http://www.dak.de/presse