Alle Storys
Folgen
Keine Story von Universität Mannheim mehr verpassen.

Universität Mannheim

In Onlineprüfungen schummeln Studierende häufiger

In Onlineprüfungen schummeln Studierende häufiger

Die eilige Umstellung auf Onlineprüfungen an deutschen Hochschulen im Sommersemester 2020 hatte Konsequenzen für die akademische Redlichkeit – das zeigt eine neue Studie unter der Leitung des pädagogischen Psychologen Dr. Stefan Janke.

Die rasche Einführung der Corona-Infektionsschutzmaßnahmen im Frühjahr 2020 veränderte das Hochschulstudium von rund 2,9 Millionen Studierenden in Deutschland gravierend. Das zeigte sich auch bei Klausuren und Prüfungen, die vielerorts auf Onlineformate umgestellt wurden. Eine deutschlandweite Umfrage unter mehr als 1.600 Studierenden verdeutlicht nun, welche Konsequenzen diese Umstellung auf das Prüfungsverhalten der jungen Menschen hatte: Die Befragten berichten, im Sommersemester 2020 in Onlineprüfungen deutlich häufiger geschummelt zu haben als in Präsenz-Prüfungen.

An der Studie wirkten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von den Universitäten Mannheim, Augsburg und Landau mit. Die Ergebnisse der Studie wurden unter der Federführung von Dr. Stefan Janke (Lehrstuhl für Pädagogische Psychologie der Universität Mannheim) in der Fachzeitschrift Computers and Education Open veröffentlicht und sind seit Anfang November frei zugänglich.

An der anonymen deutschlandweiten Umfrage nahmen Studierende verschiedener Hochschulen teil. Eine Vielfalt von Fächern war vertreten – von Medizin, Jura, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften bis hin zu Informatik und Technik. Das Ergebnis der Umfrage: 61,4 Prozent der Befragten, die in dem kritischen Zeitraum eine Onlineprüfung abgelegt hatten, gaben an, unerlaubte Hilfsmittel verwendet zu haben oder sich mit anderen Studierenden ausgetauscht zu haben. Nur 31,7 Prozent räumten dies hingegen in Bezug auf Klausuren ein, die in Präsenz stattfanden. „Dies deutet darauf hin, dass die hastige Umstellung auf Onlineprüfungen im Sommersemesters 2020 unerwünschte Nebenwirkungen für die akademische Redlichkeit an den Hochschulen hatte“, stellt Janke fest.

„Besonders spannend sind die Ergebnisse in Bezug auf die Studierenden, die in dem kritischen Zeitraum sowohl Online- als auch Präsenzprüfungen abgelegt hatten“ so Janke weiter. „Zwar wurden diese Studierenden im Schnitt häufiger in Präsenz geprüft, sie gaben aber an, in den selteneren Onlineexamen häufiger betrogen zu haben.“

„Akademisches Betrugsverhalten ist kein Corona-spezifisches Problem“, konstatiert Janke. Die Ergebnisse der aktuellen Studie können jedoch grundsätzlich dazu anregen, sich über alternative Prüfungsformen Gedanken zu machen. Aus früheren Studien ist beispielsweise bekannt, dass Studierende eher betrügen, wenn geschlossene Frageformate gewählt werden (zum Beispiel Multiple-Choice), bei denen nur das korrekte Ergebnis angegeben werden muss. Besser seien daher womöglich offene Prüfungsformate, die nicht nur das Ergebnis, sondern auch den Lösungsweg berücksichtigen.

Es sei aber auch sinnvoll, grundsätzlich darüber nachzudenken, welche Verhaltensweisen in Prüfungen erwünscht und welche unerwünscht sind. „In Open-Book-Klausuren ist es beispielsweise erlaubt, Zusatzmaterialien zu verwenden“ so Janke. „Dieses Format fordert Prüfende und Prüflinge gleichermaßen, da die Fragen in stärkerem Ausmaß Tiefenwissen und Transferfähigkeit voraussetzen, als dies bei traditionellen Klausuren der Fall ist.“

Eine weitere Möglichkeit seien kollaborative Prüfungen, die den Austausch zwischen Studierenden sogar erlauben. „Eine solche Prüfungsform reflektiert besser die Anforderungen des späteren Berufslebens, in welchem Studierende häufig teamfähig sein und mit anderen gut zusammenarbeiten sollen,“ ergänzt Janke.

Link zur Originalpublikation: https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S2666557321000264?via%3Dihub

Kontakt:
Dr. Stefan Janke
Fakultät für Sozialwissenschaften
Universität Mannheim
Tel: +49 621 181-2206
E-Mail: stefan.janke@uni-mannheim.de 
Yvonne Kaul
Forschungskommunikation
Universität Mannheim
Tel: +49 621 181-1266
E-Mail: kaul@uni-mannheim.de
Weitere Storys: Universität Mannheim
Weitere Storys: Universität Mannheim
  • 24.11.2021 – 09:12

    Winterlichterkampagne bringt Schloss Mannheim wieder virtuell zum Leuchten

    Winterlichterkampagne bringt Schloss Mannheim wieder virtuell zum Leuchten Bei einer vorweihnachtlichen Spendenaktion der Stiftung Universität Mannheim beleuchten Spenderinnen und Spender in diesem Jahr wieder nach und nach Schlossfenster und -türen und lassen Sterne und Weihnachtsbäume in einem virtuellen Schlossbild erstrahlen. Gesammelt wird unter anderem für ...

  • 16.11.2021 – 10:57

    Öffentlicher Vortrag zum Welttag der Philosophie

    Öffentlicher Vortrag zum Welttag der Philosophie Prof. Dr. Dr. h.c. Dieter Birnbacher referiert am 18. November zum Thema „Zukunftsverantwortung und Klimaethik“ Der UNESCO Welttag der Philosophie soll die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf philosophische Fragen und auf die Philosophie als Disziplin lenken. Aus diesem Anlass lädt die Universität Mannheim am 18. November 2021 um 19:00 Uhr zu einem Vortrag von ...

  • 16.11.2021 – 10:38

    Rasante Kostenentwicklung sauberer Energietechnologien

    Rasante Kostenentwicklung sauberer Energietechnologien Beschleunigter Klimaschutz ist ein erklärtes Ziel des am Wochenende beschlossenen „Glasgow-Klimapakts“. Eine neue Studie von Ökonomen der Universität Mannheim belegt nun, dass die Kosten für saubere Energiequellen und -speicher wie Solarmodule, Batterien oder erneuerbaren Wasserstoff deutlich schneller sinken als bisher gedacht. Die Kosten sauberer ...