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Rheinische Post: Fremde Welt - Von HELMUT MICHELIS

    Düsseldorf (ots) - Wen schützen und finanzieren wir da eigentlich? Diese Frage werden sich erschreckt viele Deutsche gestellt haben, als der Fall Abdul Rahman öffentlich wurde: Ihm droht in Afghanistan die Hinrichtung, weil er zum Christentum übertrat. Aus westlicher Sicht ist dieser haarsträubende Vorgang ein barbarisches Verbrechen. Schlaglichtartig werden die riesigen kulturellen und religiösen Unterschiede deutlich: Im rückständigen Afghanistan sind Steinigungen, Enthauptungen und andere drakonische Strafen üblich, wenn nach Ansicht der Mullahs gegen den Glauben verstoßen wird. Fassungslos müssen dies auch die deutschen Soldaten miterleben. Dass der Fall Rahman für Empörung sorgt, ist schlicht Zufall: Er lebte neun Jahre in Deutschland.

    Die kompromisslose Anwendung der Scharia erinnert an die Taliban-Tyrannei. Doch wer dem geschundenen Land helfen will, braucht Fingerspitzengefühl, Toleranz - und vor allem Geduld. Das weiß Berlin und verstärkt den Druck behutsam. Ein Abdrehen des Geldhahns oder ein Truppenabzug würde gerade die gemäßigten Kräfte in Kabul schwächen, die Afghanistan aufbauen sollen. Sie signalisierten, Rahman müsse nicht zwangsläufig hingerichtet werden. Es gibt also im Einzelfall Hoffnung.

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