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Weser-Kurier: Kommentar von Ben Zimmermann über Parallelen zwischen Gerhard Schröder und Angela Merkel

Bremen (ots) - Wer hätte das gedacht: Ausgerechnet die Kanzlerin, die nach der Bundestagswahl 2005 von ihrem Vorgänger vor laufender Kamera verhöhnt worden war, stellt nun dessen Biografie vor. Schnee von gestern, könnte man sagen. Denn bei allen Differenzen zwischen Gerhard Schröder und Angela Merkel ist heute eine Parallele nicht zu übersehen: Der SPD-Kanzler setzte mit der Agenda 2010 ein Reformprojekt durch, das Deutschland modernisierte - aber auch viele soziale Härten bereithielt und die Partei an den Rand der Spaltung brachte. Die Agenda wird für immer untrennbar mit seiner Kanzlerschaft verbunden bleiben. Genau das könnte auch auf Merkel und die Flüchtlingskrise zutreffen. Die Kanzlerin, die sonst zögert, zaudert und abwartet, hat sich diesmal festgelegt: Deutschland ist und bleibt offen für die Asylsuchenden. In der Union und im Land ist dieser Kurs keineswegs unumstritten - auch wenn der Widerstand nicht so offen und massiv ist wie seinerzeit bei Schröder. Merkel macht es wie ihr Amtsvorgänger: Sie verknüpft ihr politisches Schicksal mit einem großen Thema. Eine mutige Entscheidung - aber auch eine sehr riskante.

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