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Gesellschaft für bedrohte Völker e.V. (GfbV)

Europäischer Völkermord-Gedenktag für Sinti und Roma (2.8.): Roma in der Ukraine fordern gleichberechtigtes Gedenken und Unterstützung in der Kriegssituation

Anlässlich des europäischen Völkermord-Gedenktages für Sinti und Roma am 2. August fordern Roma in der Ukraine, dass der Genozid an ihren Vorfahren stärker in das nationale Bewusstsein und in die Erinnerungskultur der Ukraine integriert wird, wie die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) berichtet: „In den von ihnen besetzten Gebieten ermordeten die Nationalsozialisten unsere Vorfahren systematisch: im Distrikt Galizien, im Reichskommissariat Ukraine und in der von der Wehrmacht kontrollierten Zone. Die Verbündeten der Nationalsozialisten – die Rumänen unter der Führung von Ion Antonescu – deportierten und ermordeten Roma im Gouvernement Transnistrien, das sie auf dem Gebiet der Ukraine eingerichtet hatten. Roma in Transkarpatien wurden von den Ungarn – einem weiteren deutschen Verbündeten unter der Führung von Miklós Horthy – ermordet“, erklärt Natalia Tomenko von der GfbV-Partnerorganisation Youth Agency for the Advocacy of Roma Culture (ARCA), deren Großmutter den Völkermord an den Roma der Ukraine überlebte.

„Während der Sowjetzeit wurden Roma nicht als Opfergruppe der Nazis anerkannt. Im Gegenteil wurden negative Stereotypen über Roma weiterverbreitet. Erst die unabhängige Ukraine unternahm Schritte, den Völkermord an den Roma in die Erinnerungskultur zu integrieren“, erinnert Sarah Reinke, Leiterin der Menschenrechtsarbeit der GfbV. Die rund 400.000 Roma in der Ukraine litten heute besonders unter dem Krieg Russlands gegen ihr Land. Sie machten einen hohen Anteil unter den 3,9 Millionen Binnenvertriebenen aus, viele Kinder der Roma-Gemeinschaften hätten keinen Zugang zu Schulbildung. Es fehle an medizinischer Versorgung, Wohnraum und Arbeit. Kinder, Frauen und Veteranen brauchten dringend Unterstützung.

Als Gründe dafür gelten neben der insgesamt prekären humanitären Lage in der Ukraine der systematische Antiziganismus, der dazu führt, dass Roma immer noch nicht als integraler und selbstverständlicher Teil der vielfältigen ukrainischen Gesellschaft akzeptiert werden. „Auch das hängt mit dem Gedenken zusammen. Hier geht es nicht nur um historische Gerechtigkeit. Ein gleichberechtigtes Gedenken ist ein Werkzeug, um Antiziganismus und Diskriminierung von Roma heute zu bekämpfen“, ist Tomenko überzeugt.

Deutschland trage eine besondere historische Verantwortung den Nachkommen der Überlebenden des Genozids gegenüber. „Auch im fünften Kriegsjahr sehen wir kein besonderes Engagement Deutschlands für diese Minderheit. Daher fordern wir gemeinsam mit unserer Partnerorganisation, dass Deutschland sicherstellt, dass besonders auch Roma von Hilfsprogrammen profitieren, dass Projekte aufgelegt werden, die auf die Bedarfe der Roma zugeschnitten sind, dass Roma unter den Binnenflüchtlingen mehr finanzielle Hilfe bekommen. In Kontakten mit den ukrainischen Partnern sollte Deutschland immer wieder die Aufmerksamkeit auf die besondere Situation und die daraus entstehenden Bedarfe der Roma lenken,“ erklärt Sarah Reinke von der Gesellschaft für bedrohte Völker.

Sie erreichen Sarah Reinke unter s.reinke@gfbv.de oder 0551/49906-13.

Gesellschaft für bedrohte Völker
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D-37010 Göttingen
Tel.: +49 551 499 06-21
Fax: +49 551 580 28
E-Mail: info@gfbv.de
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