Gesellschaft für bedrohte Völker e.V. (GfbV)
12. Jahrestag des Völkermordes an den Yeziden (3.8.): Weiter unsichere Situation für Minderheiten im Irak
Anlässlich des 12. Jahrestags des Völkermords an der yezidischen Bevölkerung im Irak durch den sogenannten „Islamischen Staat“ (IS) wirft die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) der deutschen Bundesregierung vor, die Aufarbeitung verschleppt und keine wirksamen Konsequenzen gezogen zu haben. Mit der Anerkennung des Völkermordes durch den Deutsche Bundestag im Jahr 2023 wäre das erforderlich gewesen. „Auch wenn es noch nicht dazu gekommen ist, werden immer wieder Stimmen laut, Yeziden, die Opfer des Völkermordes geworden sind, in den unsicheren Staat Irak abzuschieben“, kritisierte Dr. Kamal Sido, Nahostreferent der GfbV, am heutigen Donnerstag in Göttingen. „Auch Angehörige christlicher und anderer Minderheiten sind im Irak und dem islamistisch regierten Syrien nicht sicher. Sie aus populistischen Motiven abzuschieben, würde ihr Leben unmittelbar gefährden.“
Zudem sei der IS zumindest ideologisch immer noch auf dem Vormarsch. Mangelnde staatlichen Strukturen in beiden Ländern ermöglichten nicht einmal einen Mindeststandard an Sicherheit für ethnische und religiöse Minderheiten. „Auch im irakischen Bundesland Kurdistan bleibt die Situation schwierig. Obwohl dort vor etwa zwei Jahren ein neues Parlament gewählt wurde, können sich die rivalisierenden kurdischen Parteien nicht auf die Bildung einer gemeinsamen Regierung einigen“, erinnerte Sido. In Syrien, nur wenige Kilometer vom vom Ort des Völkermordes an den Yeziden Sinjar (Shingal) entfernt, sind die sunnitischen Islamisten, zu denen auch der IS gehört, sogar an der Macht – mit Unterstützung der Türkei, der USA und anderer westlicher Regierungen.
Die willkürliche Politik der US-Administration unter Donald Trump schüre zusätzliches Chaos in der Region. „Trump hat weder für den Krieg gegen den Iran noch für die Entwicklungen in Syrien oder im Irak realistische Pläne und Konzepte. All dies macht den Irak und Syrien für die Yeziden und andere Minderheiten unsicher“, warnte Sido. „Auch ein erneuter großflächiger Krieg zwischen Sunniten und Schiiten im Nahen Osten bleibt darum weiter möglich.“ Ein solcher Krieg führte zwischen 2013 und 2015 dazu, dass der IS erstarken konnte und Minderheiten zwischen die Fronten gerieten. Dadurch wurde dem IS im Jahr 2014 ein Völkermord an den Yeziden ermöglicht.
Am 3. August 2014 hatte der IS die yezidische Gemeinschaft im nordirakischen Sinjar überfallen und mindestens 5.000 von ihnen ermordet. Ungefähr 7.000 Frauen und Mädchen wurden in die Sklaverei verschleppt. 2.000 von ihnen gelten bis heute als vermisst. Sinjar ist seitdem weitgehend zerstört. Es fehlen staatliche Strukturen, eine Infrastruktur und eine medizinische Versorgung. Zudem streiten die Zentralregierung im Irak und die Regionalregierung Kurdistan um die Kontrolle über die Region Sinjar.
Sie erreichen Dr. Kamal Sido unter k.sido@gfbv.de oder 0173/6733980.
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