Gesellschaft für bedrohte Völker e.V. (GfbV)
Empfang von al-Scharaa: Merz darf das Schicksal der Christen in Syrien über seinen Abschiebeeifer nicht vergessen!
„Während Bundeskanzler Friedrich Merz den Anführer der syrischen Islamisten als Staatsgast empfängt, werden in Syrien christliche Gemeinden angegriffen. Über seinen Abschiebeeifer von Menschen nach Syrien darf Merz das Schicksal der Christen in Syrien nicht vergessen“, betont der Nahostreferent der GfbV, Dr. Kamal Sido, anlässlich des Empfangs von al-Scharaa in Berlin. Die GfbV appelliert auch an die großen Kirchen in Deutschland, sich für den Schutz verfolgter religiöser Minderheiten einzusetzen und die Bundesregierung zu einem Umdenken ihrer Syrien-Politik aufzufordern. Die brutalen Angriffe auf Christen und andere Minderheiten durch das islamistische Regime von Ahmed al-Scharaa (islamistischer Kampfname: Mohammed al-Golani) müssen beendet werden.
„Die Anerkennung von al-Scharaa als Übergangspräsident und sein Staatsempfang in Deutschland verhöhnen die Opfer seines Regimes. Die Bundesregierung muss ihre Zusammenarbeit mit diesem Regime überdenken, sonst unterstützt sie die Verbrechen“, warnt der Menschenrechtler. „Die syrische islamistische Regierung wird ihre brutalen Angriffe auf Minderheiten fortsetzen. Sie will das Land mit allen Mitteln islamisieren und alle, die sich für eine Trennung von Religion und Staat einsetzen, mundtot machen.“ Anfang des Jahres wurden die syrischen Kurden, die jahrelang gegen den Islamischen Staat (IS) gekämpft haben, vor eine grausame Wahl gestellt: sich in die Reihen der islamistischen Strukturen der neuen Regierung in Syrien einzugliedern und aufzulösen oder brutal ermordet zu werden. „Die Niederschlagung der kurdischen Autonomie im Norden des Landes scheint die Islamisten zu ermutigen, erneut Angriffe auf christliche Gemeinden zu starten“, so Sido. Das Muster der Angriffe auf Minderheiten folgt dabei einem Schema: Zunächst gibt es Provokationen oder fabrizierte Vorwände, die genutzt werden, um die Angriffe auf Andersdenkende und Andersgläubige zu legitimieren.
Angriffe auf syrische Gemeinde in Sqailbiyya
Am vergangenen Freitag (27. März) wurde die christliche Gemeinde in der kleinen syrischen Stadt Sqailbiyya angegriffen. Häuser, Geschäfte, Autos und Besitztümer der christlichen Bewohner wurden von einem islamistischen Mob verwüstet oder in Brand gesetzt. „Die Regierung in Damaskus spricht von Einzelfällen, doch die Angriffe zeigen ein systematisches Vorgehen“, betont Sido.
Sqailbiyya (auch Al-Suqaylabiyah oder As-Suqailabiyya) ist eine historisch bedeutende Stadt im zentralsyrischen Gouvernement Hama. Sie liegt am Rande der fruchtbaren Ghab-Ebene und ist eines der wichtigsten Zentren der griechisch-orthodoxen Christen in der Region. In der Stadt leben schätzungsweise zwischen 18.000 und 20.000 Menschen. Das markanteste Gebäude der Stadt ist die Kirche St. Peter und Paul. Sie wurde 1994 im neobyzantinischen Stil erbaut. Das Gouvernement Hama ist ein wichtiges Zentrum der syrischen Muslimbrüderschaft.
Die Zahl der Christen in Syrien ist seit Beginn des syrischen Bürgerkriegs im Jahr 2011 dramatisch gesunken. Vor dem Krieg lebten etwa 1,5 bis 2 Millionen Christen im Land (etwa 10 Prozent der Bevölkerung). Aktuelle Schätzungen für das Jahr 2026 gehen davon aus, dass es noch etwa 300.000 Christen in Syrien gibt. Dies entspricht lediglich ein bis zwei Prozent der syrischen Gesamtbevölkerung und bedeutet einen Rückgang von über 80 Prozent seit 2011. Die meisten syrischen Christen gehören der „Rum-Orthodoxen Kirche“ (offiziell: Griechisch-Orthodoxes Patriarchat von Antiochien und dem gesamten Morgenland) an. Weltweit sollen etwa 4,3 Millionen Menschen dieser alten orientalischen Kirche angehören.
Sie erreichen Dr. Kamal Sido telefonisch unter 0173/6733980.
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