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Gesellschaft für bedrohte Völker e.V. (GfbV)

Brasilien: Indigene warnen vor Bedrohung ihres Lebensraums: Appell an Bundesregierung

Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) warnt vor den verheerenden Folgen der geplanten Privatisierung des Tapajós-Flusses im Amazonasgebiet für die dort lebenden Indigenen Völker. Die GfbV fordert die brasilianische Regierung und Präsident Luiz Inácio Lula da Silva auf, das Dekret zu widerrufen, und appelliert an die deutsche Bundesregierung, sich für den Schutz indigener Rechte in Brasilien einzusetzen.

„Das Ökosystem des Tapajós-Flusses ist die Existenzgrundlage für mehr als 14 indigene Gemeinschaften in der Region. Eine grundlegende Umgestaltung des Flusses zu einem Logistikkorridor für den Export von Agrarrohstoffen hätte für sie schwerwiegende soziale, ökologische und kulturelle Folgen. Brasilien muss sicherstellen, dass das Recht der betroffenen Indigenen Völker auf freie, vorherige und informierte Zustimmung gewährleistet ist. Dazu hat sich Brasilien mit der Unterzeichnung der ILO-Konvention 169 verpflichtet“, sagt Dr. Eliane Fernandes, GfbV-Referentin für Indigene Völker.

Die betroffenen Gemeinschaften kritisieren, dass eine freie, vorherige und informierte Konsultation bisher nicht erfolgt ist, und warnen vor dauerhaften Schäden, wie einer Verschlechterung der Wasserqualität, dem Rückgang der Fischbestände und einer Gefährdung der Ernährungssicherheit, Schäden an Biodiversität und dem regionalen Klimagleichgewicht sowie massiven Auswirkungen auf die Lebensweise indigener Gemeinschaften und anderer traditioneller Gruppen.

Das Dekret Nr. 12.600/2025 nimmt den Fluss Tapajós in das Nationale Privatisierungsprogramm (PND) auf und ebnet damit den Weg für Konzessionen an private Unternehmen – etwa für Ausbaggerung, Instandhaltung, Markierung des Fahrwassers und Verkehrsmanagement. Seit dem 22. Januar 2026 mobilisieren Indigene Völker aus den unteren, mittleren und oberen Regionen des Tapajós-Flusses im Westen des Bundesstaates Pará gegen die Pläne. Sie demonstrieren am Terminal des Agrarhandelskonzerns Cargill in Santarém. Zwar kündigte die brasilianische Regierung eine vorübergehende Aussetzung der elektronischen Ausschreibung für Ausbaggerungsmaßnahmen an, sowie eine interministerielle Arbeitsgruppe und einen künftigen Konsultationszeitplan. Nach Einschätzung der Dachorganisation der Indigenen Völker Brasiliens APIB und von CITA reicht das jedoch nicht aus. „Der Fluss ist Territorium, keine Ware“, betonten die indigenen Gemeinschaften.

Die Gesellschaft für bedrohte Völker unterstützt die zentralen Forderungen der Indigenen Völker und ihrer Organisationen und fordert:

  • eine sofortige Aufhebung des Dekrets,
  • die formelle Annullierung der Ausschreibung und aller Privatisierungs- bzw. Konzessionsschritte am Tapajós,
  • die freie, vorherige und informierte Konsultation der betroffenen Völker entsprechend ILO 169,
  • eine transparente, unabhängige Prüfung zu den sozioökologischen Auswirkungen des Dekrets,
  • den Schutz indigener Territorien in der Tapajós-Region.

„Wenn die brasilianische Regierung das Dekret nicht zurücknimmt, droht eine Eskalation des Konflikts und eine strukturelle Schwächung indigener Rechte im Amazonasgebiet und in Brasilien“, warnt Fernandes.

Sie erreichen Dr. Eliane Fernandes unter e.fernandes@gfbv.de oder 0551/49906-23.

Gesellschaft für bedrohte Völker
Pressereferat
Sarah Neumeyer
Postfach 2024
D-37010 Göttingen
Tel.:  +49 551 499 06-21
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