Alle Storys
Folgen
Keine Story von Gesellschaft für bedrohte Völker e.V. (GfbV) mehr verpassen.

Gesellschaft für bedrohte Völker e.V. (GfbV)

Diplomatisches Personal des Irak: Frauen und kleine Bevölkerungsgruppen massiv benachteiligt

Diplomatisches Personal des Irak:

  • Irak besetzt diplomatische Posten bevorzugt mit muslimischen Gläubigen
  • Kleine Bevölkerungsgruppen und auch Frauen massiv benachteiligt
  • Fachliche Eignung spielt eine untergeordnete Rolle

Nach einer Studie des „Forschungsinstituts für den Nahen Osten“ (MERI) werden im Irak bevorzugt muslimische Gläubige für die Vertretung ihres Staates im Ausland ausgewählt. Die berufliche Eignung spielt dem in Irakisch-Kurdistan ansässigen Institut zufolge eine untergeordnete Rolle. „Das widerspricht den irakischen Gesetzen, die die Vergabe aller Diplomatenposten unter anderem von einem Hochschulabschluss, Berufserfahrung und von der Beherrschung einer internationalen Sprache abhängig machen“, berichtet Dr. Kamal Sido, Nahostexperte der Gesellschaft für bedrohte Völker.

In der diesjährigen Bewerbungsrunde wurden aus 200 Interessierten 35 ausgewählt. Davon sind 19 Schiiten, neun sunnitische Araber, sechs vermutlich sunnitische Kurden sowie eine Person aus der christlichen Minderheit. Nur einige wenige Frauen sind dabei. „Wie es aussieht, waren bei der Auswahl vor allem die Zugehörigkeit zu einer der muslimischen Konfessionen sowie das Parteibuch entscheidend. Qualifikation, Erfahrung, Leistung, Führungsqualitäten und das persönliche Auftreten wurden kaum berücksichtigt“, erklärt Sido. „Diese Praxis benachteiligt die kleineren Minderheiten. Am Ende sind keine yezidischen, kakaischen, shabakischen und mandäischen Gläubigen zum Zug gekommen.“ Die meisten der Ausgewählten seien kaum für ihre künftigen diplomatischen Aufgaben geeignet und müssten dringend weitergebildet werden. Auch Chancengleichheit zwischen Männern und Frauen wurde nicht gewährleistet.

Entsprechend der etablierten Machtaufteilung unter den verschiedenen Bevölkerungsgruppen im Irak ist das Amt des Staatspräsidenten für die kurdische Ethnie, das Amt des Parlamentspräsidenten für die sunnitisch-arabische und das Amt des Ministerpräsidenten für die schiitisch-arabische Bevölkerungsgruppe vorgesehen. Dem Staatspräsidenten stehen dabei nur zeremonielle Aufgaben zu, während die ganze Exekutivgewalt beim Ministerpräsidenten liegt. Die für Oktober geplanten Parlamentswahlen werden aller Voraussicht nach nichts an dieser Praxis ändern.

Sie erreichen Dr. Kamal Sido unter k.sido@gfbv.de oder 0173/6733980.

Gesellschaft für bedrohte Völker
Postfach 2024
D-37010 Göttingen
Tel.: +49 551 499 06-21
Fax: +49 551 580 28
E-Mail: info@gfbv.de
www.gfbv.de
Menschenrechtsorganisation mit beratendem Status bei den UN und mitwirkendem Status beim Europarat
Weitere Storys: Gesellschaft für bedrohte Völker e.V. (GfbV)
Weitere Storys: Gesellschaft für bedrohte Völker e.V. (GfbV)
  • 02.06.2021 – 08:01

    Gewalt gegen Brasiliens Indigene: Straflosigkeit befeuert Konflikte

    Bericht über Gewalt gegen Brasiliens Indigene: - Fehlende Strafverfolgung führt zu mehr Invasionen und Gewalt - Auch Konflikte um Land und Wasser nehmen zu - Yanomami und Munduruku werden massiv von Goldgräbern bedroht Die Gewalt gegen die indigene Bevölkerung Brasiliens nimmt weiter zu. Das geht aus dem Jahresbericht der Landpastorale Comissão Pastoral da Terra hervor, den die kirchliche Organisation am Montag ...

  • 01.06.2021 – 08:35

    Türkei baut Moscheen in Afrin: Menschenrechtsorganisation kritisiert Islamisierung

    Türkei baut Moscheen in Afrin: - Türkische Religionsbehörde baut Moscheen in yezidischen Dörfern in Syrien - Dort wir eine radikale Auslegung des sunnitischen Islam gepredigt - Die selbe Auslegung will der deutsche Ableger der Behörde, DiTIB, in hiesigen Schulen verbreiten Das Präsidium für Religionsangelegenheiten in der Türkei, Diyanet, lässt vermehrt ...

  • 31.05.2021 – 10:27

    Willkürjustiz in Xinjiang: Lebenslange Haft für Bruder des Menschenrechtlers Dolkun Isa

    Willkürjustiz in Xinjiang: - Lebenslange Haft für Bruder des uigurischen Menschenrechtlers Dolkun Isa - Offensichtlicher Versuch der Einschüchterung - Gefängnissystem in Xinjiang / Ostturkestan massiv ausgebaut – weitere Methode der Gängelung muslimischer Nationalitäten Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) kritisiert die lebenslange Haftstrafe für ...