Biodiversität in Textilstandards stärken: Neuer Leitfaden mit Fokus auf Pflanzenfasern
Bonn/Radolfzell, 10.02.2026: Die Textil- und Bekleidungsindustrie steht in besonderer Weise in Wechselwirkung mit der biologischen Vielfalt – sowohl durch ihre Abhängigkeiten von natürlichen Ressourcen als auch durch ihre Auswirkungen entlang globaler Lieferketten. Wie freiwillige Standards dazu beitragen können, Biodiversität wirksamer zu schützen, zeigt eine neue Publikation des Projekts „Unternehmen Biologische Vielfalt – UBi“ mit Fokus auf Pflanzenfasern – der „Easy Guide: Biodiversitätskriterien in Standards der Textil- und Bekleidungsindustrie“.
Die Publikation wurde vom Global Nature Fund und der Bodensee-Stiftung erarbeitet. Sie analysiert erstmals systematisch, wie Biodiversität bislang in relevanten Textilstandards und -zertifizierungen berücksichtigt wird und zeigt konkrete Ansatzpunkte auf, wie bestehende Systeme weiterentwickelt und wirksamer gestaltet werden können.
Biodiversitätskriterien in Textilstandards: Status quo und Handlungsfelder
Die Textil- und Modebranche zählt zu den weltweit bedeutenden Treibern des Biodiversitätsverlusts. Gleichzeitig ist sie in hohem Maße auf intakte Ökosysteme und natürliche Ressourcen angewiesen. Besonders in der Rohstoffproduktion, insbesondere beim Anbau von Baumwolle, bestehen erhebliche Biodiversitätsrisiken, etwa durch intensive Landnutzung, hohen Wasser- und Chemikalieneinsatz und die Lage vieler Anbaugebiete in Biodiversitäts-Hotspots.
Viele Unternehmen setzen deswegen auf freiwillige Nachhaltigkeitsstandards, um Umwelt- und Sorgfaltspflichten entlang ihrer Lieferketten umzusetzen. Der Leitfaden untersucht neun verbreitete Textilzertifizierungen auf ihre Biodiversitätsrelevanz und zeigt auf, welche Kriterien helfen, Biodiversität künftig strategischer, einheitlicher und wirksamer zu verankern.
Fokus auf Pflanzenfasern: Baumwolle als zentraler Hebel
Der „Easy Guide: Biodiversitätskriterien in Standards der Textil- und Bekleidungsindustrie“ legt den Schwerpunkt auf Pflanzenfasern, insbesondere Baumwolle. Sie sind nach synthetischen Fasern die weltweit zweitwichtigste Textilfaser und zugleich einer der wirkungsvollsten Ansatzpunkte für Unternehmen, Biodiversität entlang ihrer Lieferketten aktiv zu schützen.
Auf Basis der Analyse sowie zahlreicher Fachgespräche und Runder Tische mit Standardorganisationen und Unternehmen gibt die Publikation praxisnahe Empfehlungen für Standardsetzer, zertifizierte Unternehmen und Produktionsbetriebe.
Konkrete Empfehlungen für wirksamere Standards
Zu den zentralen Empfehlungen zählen unter anderem:
- klar definierte Biodiversitätsziele, die überprüft werden,
- die konsequente Anwendung der Vermeidungshierarchie,
- die Einführung von Biodiversitäts-Managementplänen,
- verbesserte Schulungs- und Unterstützungsangebote sowie
- eine stärkere finanzielle Unterstützung der Produzent:innen bei der Umsetzung von Maßnahmen vor Ort.
Ziel ist es, bestehende Standards gezielt weiterzuentwickeln und ihre tatsächliche Wirkung auf die biologische Vielfalt zu erhöhen.
Orientierung unter weiterentwickelten Berichtspflichten
Vor dem Hintergrund neuer und sich weiterentwickelnder Due Diligence, etwa im Rahmen von Lieferkettensorgfaltspflichten oder der CSRD und dem Berichtsstandard ESRS E4, bietet dieser Leitfaden eine fachliche Orientierung und unterstützt dabei, Biodiversität systematisch und glaubwürdig in Beschaffungs- und Nachhaltigkeitsprozesse zu integrieren.
Der Easy Guide versteht sich als praxisorientierter Leitfaden. Er bündelt bestehende Ansätze, denkt sie weiter und macht sie anschlussfähig – für eine Textilwirtschaft, die Biodiversität nicht nur berücksichtigt, sondern aktiv schützt.
Die Publikation richtet sich vorrangig an Standardorganisationen, aber auch Marken, Händler:innen, Auditor:innen und Produktionsbetriebe, und bietet ihnen eine fachlich fundierte Orientierung für die Weiterentwicklung bestehender Systeme.
Der „Easy Guide: Biodiversitätskriterien in Standards der Textil- und Bekleidungsindustrie – mit Fokus auf Pflanzenfasern” kann unter folgendem Link kostenlos heruntergeladen werden: https://www.unternehmen-biologische-vielfalt.de/wp-content/uploads/2026/02/Easy-Guide-Biodiversitaetskriterien-Textilstandards-und-zertifizierungen-2025.pdf
Über „Unternehmen Biologische Vielfalt – UBi“ Das Projekt „Unternehmen Biologische Vielfalt – UBi“ hat zum Ziel, die Umsetzung der Nationalen Biodiversitätsstrategie (NBS) zu unterstützen und Unternehmen für das Thema Biodiversität zu aktivieren. Das Projekt wird gefördert im Bundesprogramm Biologische Vielfalt vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN).
Das UBi-Projekt wird von fünf Projektpartnern durchgeführt: Biodiversity in Good Company, Bodensee-Stiftung, DIHK Service GmbH, Global Nature Fund und Collaborating Centre on Sustainable Consumption and Production (CSCP).
Informationen zum Projekt Unternehmen Biologische Vielfalt - UBi stehen online unter unternehmen-biologische-vielfalt.de bereit.
Pressekontakt Unternehmen Biologische Vielfalt - UBi Collaborating Centre on Sustainable Consumption and Production gGmbH (CSCP) Katrin Hüttepohl, Communication Manager Telefon: +49 202 459 58 – 17 E-Mail: info@unternehmen-biologische-vielfalt.de
Über den Global Nature Fund Der Global Nature Fund (GNF) ist eine in Deutschland registrierte, internationale tätige Stiftung mit langjähriger Erfahrung bei der Umsetzung von Wasserprojekten. Der GNF setzt sich durch weltweite Natur- und Umweltschutzprojekte für eine nachhaltige globale Entwicklung innerhalb der planetaren Grenzen ein. Ziel ist es, einen gesunden Planeten und eine intakte biologische Vielfalt als Lebensgrundlage für Menschen und Natur zu fördern. Die Schwerpunktthemen des GNF sind Naturschutz, Klimaschutz, Gewässerschutz und Wirtschaft & Nachhaltigkeit. www.globalnature.org
Pressekontakt Global Nature Fund Eva Schellenbeck, Kommunikations- & Marketingmanagerin Telefon: +49 176 824 264 03 E-Mail: schellenbeck@globalnature.org
Über die Bodensee-Stiftung Die Bodensee-Stiftung ist eine private Umwelt- und Naturschutzorganisation, die sich projektorientiert für mehr Nachhaltigkeit und Naturschutz einsetzt – regional, national und international. Sie ist aktiv in den vier Handlungsfeldern Energiewende, Landwirtschaft & Lebensmittel, Natur- & Gewässerschutz sowie Unternehmen & biologische Vielfalt und arbeitet eng mit Akteuren aus Wirtschaft, Fachverwaltungen, Kommunen, Politik und weiteren Interessenvertretungen zusammen. Die Bodensee-Stiftung wurde 1994 gegründet, ihr Sitz ist in Radolfzell am Bodensee. www.bodensee-stiftung.org
Pressekontakt Bodensee-Stiftung Anja Wischer, Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit Telefon: +49 7732 9995 447 E-Mail: anja.wischer@bodensee-stiftung.org