GSK will Impfstoffwerk Dresden schließen und IGBCE kämpft um 641 Arbeitsplätze
GSK will Impfstoffwerk Dresden schließen und IGBCE kämpft um 641 Arbeitsplätze
Standort soll bis 2028 geschlossen werden – IGBCE kündigt Widerstand an – bekannte Verluste und Abbaupläne in den sächsischen IGBCE-Branchen steigen auf 4.250 Arbeitsplätze
Der Pharmakonzern GlaxoSmithKline - GSK - will sein traditionsreiches Impfstoffwerk in Dresden schließen. Die Beschäftigten wurden am heutigen Donnerstag über die Pläne informiert. Bis 2028 stehen damit rund 641 Arbeitsplätze auf dem Spiel. Betriebsrat und IGBCE lehnen die Schließungspläne ab und kündigen entschiedenen Widerstand an.
GSK-Impfstoffwerk Dresden produziert seit Jahrzehnten Impfstoffe für den Weltmarkt, darunter saisonale und pandemische Grippeimpfstoffe. Mit der Schließung drohen Sachsen hoch qualifizierte Industriearbeitsplätze und Deutschland wichtige pharmazeutische Produktionskompetenz zu verlieren.
Stephanie Albrecht-Suliak, Landesbezirksleiterin IGBCE Nordost: „Was in Dresden passiert, ist kein Einzelfall. In unserem gesamten Landesbezirk Nordost erleben wir, wie industrielle Strukturen wegbrechen. GSK ist tarifgebunden – es gilt der Flächentarifvertrag der chemischen Industrie. Umso empörender ist, dass diese Entscheidung und die Art und Weise des Vorgehens nichts mit gelebter Sozialpartnerschaft zu tun haben. Das sind Wildwestmethoden. So nicht!
Seit der Corona-Pandemie redet die Politik über Versorgungssicherheit. Gleichzeitig lässt sie zu, dass bei Einkaufsentscheidungen der niedrigste Preis mehr zählt als heimische Produktion, Wissen und Arbeitsplätze. Wer industrielle Souveränität will, muss sie auch politisch sichern. Bund und Freistaat müssen jetzt handeln und GSK an den Tisch holen. Weitere Betroffenheitsbekundungen reichen nicht.“
Erst am 1. September hatten 145 Betriebsrätinnen und Betriebsräte bei der Sächsischen Mitbestimmungskonferenz in Dresden vor dem dramatischen Verlust von Industriearbeitsplätzen gewarnt.
Philipp Zirzow, Bezirksleiter IGBCE Bezirk Sachsen: „Vor neun Tagen haben unsere Betriebsräte hier in Dresden gesagt: So geht es nicht weiter. Damals sprachen wir über 3.600 verlorene oder bedrohte Industriearbeitsplätze in unseren sächsischen Branchen. Mit GSK sind es jetzt 4.250. Das zeigt, wie dramatisch die Lage geworden ist. Sachsen darf nicht ein weiteres Stück seiner industriellen Substanz verlieren. GSK kann nicht 641 Menschen und ihre Familien einfach fallen lassen. Das werden wir nicht zulassen. Wir kämpfen um den Standort und um jeden Arbeitsplatz.“
Peter Mißbach, Betriebsratsvorsitzender am GSK-Standort Dresden: „Diese Nachricht trifft uns bis ins Mark. Hinter 641 Arbeitsplätzen stehen Kolleginnen und Kollegen, ihre Partner, ihre Kinder und ihre Zukunft. Viele haben ihr Berufsleben diesem Werk gegeben und hier Impfstoffe für Millionen Menschen produziert. Wir sind tief getroffen, aber wir sind nicht gebrochen. Über unsere Köpfe hinweg darf dieser Standort nicht abgewickelt werden. Wir werden geschlossen, laut und entschlossen für unsere Arbeitsplätze kämpfen.“
Die IGBCE fordert GSK auf, die Schließungspläne auszusetzen, die Entscheidungsgrundlagen offenzulegen und mit Betriebsrat und Gewerkschaft ernsthaft über Alternativen zu verhandeln. Von Bund und Freistaat erwartet sie unverzüglich einen gemeinsamen Standortgipfel. Versorgungssicherheit, industrielle Wertschöpfung und gute Arbeitsplätze dürfen nicht länger dem billigsten Preis geopfert werden.
Für Betriebsrat und IGBCE ist klar: Die angekündigte Abwicklung von GSK Dresden ist keine ausgemachte Sache.
IGBCE Sachsen Verantwortlich: Philipp Zirzow, Bezirksleiter Schützenplatz 14, 01067 Dresden Telefon: +49 35 18 67 650 E-Mail: bezirk.sachsen@igbce.de Internet: IGBCE Bezirk Sachsen Über uns:
Der IGBCE-Bezirk Sachsen betreut rund 20.000 Mitglieder in mehr als 220 Betrieben und gibt rund 38.000 Beschäftigten mit gelebter betrieblicher Demokratie ein Zuhause. Bezirksleiter ist Philipp Zirzow.
Als einer von vier Bezirken gehört der Bezirk Sachsen zum Landesbezirk Nordost.