Alle Meldungen
Folgen
Keine Story von IGBCE Nordost mehr verpassen.

IGBCE Nordost

Betriebsräte in Sachsen warnen vor dramatischen Niedergang der Industrie

Betriebsräte in Sachsen warnen vor dramatischen Niedergang der Industrie
  • Bild-Infos
  • Download

Betriebsräte in Sachsen warnen vor dramatischen Niedergang der Industrie – Forderung nach Handelsschutz und aktiver Industriepolitik – Enttäuschung über Sozialstaatsdebatte – Diskussion mit Arbeitsministerin Bärbel Bas – „So geht es nicht weiter“

Rund 145 sächsische Betriebsrätinnen und Betriebsräte aus den Reihen der Industriegewerkschaft IGBCE haben bei einer Diskussionsveranstaltung mit Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas in Dresden vor einem dramatisch beschleunigten Niedergang der Industrie gewarnt. Sie forderten mehr Schutz vor unfairem Handel, eine aktive Industriepolitik und ein Ende unsinniger Sozialstaatsdebatten.

Philipp Zirzow, Bezirksleiter der IGBCE Dresden, machte die Ministerin auf den dramatischen Arbeitsplatzabbau in den Betrieben im Bereich der IGBCE aufmerksam. „Seit 2023 haben wir 3600 Arbeitsplätze verloren, das sind knapp zehn Prozent“, sagte er. „Das haben wir so noch nicht erlebt.“ Stephanie Albrecht-Suliak, Landesbezirksleiterin der IGBCE Nordost, kritisierte die Bundesregierung scharf. Von allen Seiten seien Arbeitsplätze und Beschäftigte unter Druck, „aber Rückendeckung von der Bundesregierung, insbesondere vom Kanzler – Fehlanzeige!“, erklärte sie und forderte von der Bundesregierung ein Gesamtkonzept für die Zukunft des Industriestandorts ein. „So geht es nicht weiter.“

Wortbeiträge von Betriebsrätinnen und Betriebsräten zeigten, an wie vielen Ecken es in der Industrie derzeit brennt: Schließungen, Abwanderungen, Konkurse, unfaire Konkurrenz mit Dumpingpreisen aus Asien – und eine unzureichende Antwort der Politik. Beispiel Energiestrompreis. Der komme zwar jetzt, „aber da ist noch Luft nach oben, beziehungsweise beim Preis nach unten“, erklärte Patrick Brückner, Betriebsratsvorsitzender bei Dow Chemical im Werk Böhlen: „Der Industriestandort verfällt langsam“, sagte er. In Böhlen soll eine für die chemische Industrie in Ostdeutschland wichtige Anlage geschlossen werden, ein sogenannter Steamcracker, der Grundstoffe herstellt und einen hohen Energiebedarf hat.

Die Krise mache auch vor der Jugend nicht halt, erklärte Ian Seth Winkler, Jugendvertreter bei GlobalFoundries. Selbst in der Boombranche der Halbleiterindustrie schauten die jungen Leute – und damit die künftigen Fachkräfte – mit Entsetzen auf die Krise in der Industrie um sich herum und fragten sich dann, ob sie „woanders grünere Wiesen“ finden. Franziska Wagner, Betriebsrätin beim Energieunternehmen VSB Neue Energien Deutschland machte deutlich, dass die Pläne aus dem Bundeswirtschaftsministerium zum Erneuerbare-Energie-Gesetz 400.000 Arbeitsplätze in ihrer Branche gefährdeten.

Angesichts dieser Vielfach-Krise machte Alexander Grube, Betriebsratsvorsitzender von Goodyear in Riesa deutlich, wie tief der Frust bei den Beschäftigten über die Sozialstaatsdebatte sitzt. „Die Menschen stehen morgens auf, arbeiten im Schichtsystem, leisten Mehrarbeit – und gleichzeitig müssen sie sich anhören, dass sie mehr arbeiten müssen.“ Das, so der Betriebsrat, „kommt bei den Beschäftigten als Vorwurf an“. Die Kolleginnen und Kollegen fühlten sich „von der Politik nicht verstanden“.

Ministerin Bas betonte, in der Sozialstaatsdebatte stamme „die Rhetorik nicht von mir“. Sie halte einen starken Sozialstaat für unerlässlich, um die anstehenden Herausforderungen zu meistern. „Deutschland braucht eine aktive Industriepolitik“, sagte sie. Die Ministerin sprach sich für einen besseren Handelsschutz aus, um sich gegen unfaire Praktiken etwa aus China zu wehren. Das Land müsse in die Zukunft investieren und zum Beispiel bei Künstlicher Intelligenz vor die Welle kommen. „Ich möchte nicht, dass ein amerikanischer Tech-Milliardär oder die Kommunistische Partei in China entscheiden, wie wir in Zukunft arbeiten.“

IGBCE-Bezirksleiter Philipp Zirzow zieht eine positive Bilanz der Mitbestimmungskonferenz. „Wir haben heute eine ernste Debatte erlebt. Keine mit Schaum vor dem Mund, aber doch mit deutlich gesprochenen Worten von unseren Betriebsrätinnen und Betriebsräte aus ganz Sachsen. Wir hoffen und erwarten, dass Ministerin Bärbel Bas am Kabinettstisch in Berlin deutlich macht, wie sehr unsere Industrie in Gefahr ist und dir Regierung endlich in Sachen Industriepolitik endlich Fahrt aufnimmt. Und wir werden weiter dafür kämpfen, dass gute, tariflich abgesicherte und mitbestimmte Arbeitsplätze in Sachsen unseren Wohlstand sichern.“

______________________________________

IGBCE Sachsen
Verantwortlich: Philipp Zirzow, Bezirksleiter
Schützenplatz 14, 01067 Dresden
Telefon: +49 35 18 67 650
E-Mail: bezirk.sachsen@igbce.de
Internet:  IGBCE Bezirk Sachsen
 
Über uns:

Die IGBCE Sachsen vertritt die Interessen von 38.000 Beschäftigten und 20.000 Mitgliedern in 220 Betrieben in einigen der Kernbranchen der sächsischen Industrie, darunter die Chemieindustrie, die Energiewirtschaft, der Bergbau, Kunststoff-, Glas- und Papierindustrie sowie die Halbleiterbranche. Sie verhandelt Tarifverträge und setzt sich gemeinsam mit ihren Betriebsräten für Mitbestimmung ein. Der Landesbezirk Nordost der IGBCE vertritt die Interessen von rund 150.000 Beschäftigten in fünf ostdeutschen Bundesländern.

Weitere Meldungen: IGBCE Nordost
Weitere Meldungen: IGBCE Nordost