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"Energieversorgung kann in Afrika einen Boom auslösen"

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PRESSEMITTEILUNG

"Energieversorgung kann in Afrika einen Boom auslösen"

Interview mit Prof. Frank-Martin Belz, der zu Unternehmertum in Afrika forscht

Jedes halbe Jahr werden künftig Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Technischen Universität München (TUM) in mehrere Dörfer in Mali reisen. Sie untersuchen die unternehmerischen Aktivitäten, die nach dem Bau von lokalen Solarkraftwerken entstehen. Warum sie dabei ganze Familien in den Blick nehmen und warum die Situation an Deutschland vor gut 100 Jahren erinnert, erklärt Projektleiter Frank-Martin Belz, Professor für Unternehmerische Nachhaltigkeit.

Wenn über Firmengründungen diskutiert wird, geht es meist ums Silicon Valley oder europäische Start-ups. Mali ist ein eher ungewöhnlicher Ort für die Gründungsforschung.

Aber auch dort stellen sich spannende Fragen. Wir wollen herausfinden, ob und welche unternehmerischen Aktivitäten entstehen, wenn eine der Grundbedingungen für die meisten Unternehmungen geschaffen wird: die Versorgung mit Energie.

Heißt das, Sie untersuchen ländliche Regionen?

Ja, wir werden drei Dörfer untersuchen, in denen unser Projektpartner, das Sozialunternehmen Africa GreenTech, kleine Solarkraftwerke und lokale Stromnetze errichtet. Vor dem Betriebsstart gehen wir von Haus zu Haus und machen eine Bestandsaufnahme: Sind schon Selbstständige und Mikrounternehmen aktiv? Welche Energiequellen gibt es? Wie groß ist die Bereitschaft, Strom zu erwerben?

Was weiß die Wissenschaft über die Einstellung zum unternehmerischen Handeln in den Staaten südlich der Sahara?

Wir können uns dazu Zahlen aus dem "Global Entrepreneurship Monitor" anschauen, eine weltweite Umfrage zur Bereitschaft, ein Unternehmen zu gründen. Aber in solchen Studien wird in Afrika die gebildete Oberschicht in den großen Städten befragt. Sie geben keine Auskunft über die Situation in den ländlichen Regionen der Subsahara. Wir gehen dort zu den Menschen, von denen viele weder lesen noch schreiben können, aber trotzdem unternehmerisch tätig sind. Für langfristige Fallstudien werden wir jeweils zehn bis zwanzig Personen alle sechs Monate befragen.

Welche Formen von Unternehmensgründungen halten Sie für möglich?

Es geht zunächst einmal um Mikrounternehmen. Das kann etwa ein Internetkiosk oder eine TV-Bar sein. Marktleute, die bislang Lebensmittel verkauft haben, könnten diese nun lagern und weiterverarbeiten und dafür ein, zwei Mitarbeiter einstellen. Auch was sich bei schon bestehenden Kleinstunternehmen ändert, wollen wir erfassen, zum Beispiel bei Handwerksbetrieben, die mit neuen Geräten mehr oder anders produzieren.

Gibt es landesspezifische Faktoren, die über den Erfolg der Firmen entscheiden könnten?

Im Vergleich zu Europa sehen wir zwei wichtige Besonderheiten: Zum einen die große Bedeutung der Familie. Bei uns spielen vielleicht die Eltern moralisch und finanziell eine gewisse Rolle. In den meisten afrikanischen Ländern gibt es aber eine viel größere soziale Verpflichtung gegenüber der gesamten Großfamilie, die bei wirtschaftlichem Erfolg auch eine finanzielle Verpflichtung ist. Wir wollen untersuchen, wie die neuen Unternehmen damit umgehen, wie sich die Familiensituation ändert und welche Wege Frauen einschlagen. Ein Beispiel wäre, dass Frauen aus mehreren Familien gemeinsam gründen, weil sie damit eine Legitimation haben, kein Geld aus der Firma zu ziehen.

Der zweite Punkt ist die Bedeutung der informellen Ökonomie. Ein Großteil der Firmen in den ländlichen Regionen Malis ist nicht registriert und zahlt keine Steuern. Wie entstehen und wie entwickeln sich unternehmerische Chancen in einem solchen Kontext? Was passiert, wenn ein Mikrounternehmen wächst und Menschen beschäftigt? Ist es dann sinnvoll und notwendig, das Geschäft formell anzumelden?

Wem sollen Ihre Forschungsergebnisse nutzen?

Auf der Grundlage dieses Pilotprojekts wollen wir mit afrikanischen Universitäten und anderen europäischen TUs in mehreren afrikanischen Ländern umfangreiche Studien erheben. Deren Erkenntnisse sollen Politik und Wirtschaft helfen, das enorme ökonomische Potenzial des Kontinents zu heben. 600 Millionen Menschen in Afrika haben keinen Strom, vor allem auf dem Land. Wir sind überzeugt, dass die Situation vergleichbar ist mit der Entwicklung in den ländlichen Regionen in Deutschland vor gut 100 Jahren: Wer die Chancen der Energieversorgung richtig nutzt, kann einen Boom auslösen.

Mehr Informationen:

Die TUM hat 2018 eine Initiative für langfristige, intensive Kooperationen in Forschung, Lehre und Entrepreneurship mit afrikanischen Partnern gestartet. Erstes Beispiel ist das Abkommen mit der Kwame Nkrumah University of Science and Technology (KNUST) in Ghana. Die Initiative baut auf den 140 Projekten und Austausch-Programmen auf, in denen die TUM bislang schon mit Institutionen in 20 afrikanischen Ländern zusammenarbeitet.

https://www.tum.de/nc/die-tum/aktuelles/pressemitteilungen/detail/article/35122/

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Kontakt:

Prof. Dr. Frank-Martin Belz

Technische Universität München (TUM)

Professur für Unternehmerische Nachhaltigkeit

Tel.: +49 8161 71 3279

frank.belz@tum.de

https://www.sustainability.wi.tum.de

Die Technische Universität München (TUM) ist mit rund 550 Professorinnen und
Professoren, 42.000 Studierenden sowie 10.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern
eine der forschungsstärksten Technischen Universitäten Europas. Ihre
Schwerpunkte sind die Ingenieurwissenschaften, Naturwissenschaften,
Lebenswissenschaften und Medizin, verknüpft mit den Wirtschafts- und
Sozialwissenschaften. Die TUM handelt als unternehmerische Universität, die
Talente fördert und Mehrwert für die Gesellschaft schafft. Dabei profitiert sie
von starken Partnern in Wissenschaft und Wirtschaft. Weltweit ist sie mit dem
Campus TUM Asia in Singapur sowie Verbindungsbüros in Brüssel, Kairo, Mumbai,
Peking, San Francisco und São Paulo vertreten. An der TUM haben Nobelpreisträger
und Erfinder wie Rudolf Diesel, Carl von Linde und Rudolf Mößbauer geforscht.
2006 und 2012 wurde sie als Exzellenzuniversität ausgezeichnet. In
internationalen Rankings gehört sie regelmäßig zu den besten Universitäten
Deutschlands.
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