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Monitoring-Lücke: Viele Badegewässer in Europa mit chemischen Schadstoffen belastet

Berlin, 3. Juli 2026 Tausende Badestellen in der EU erhalten das Gütesiegel für ausgezeichnete Badewasserqualität, obwohl die jeweiligen Gewässer mit chemischen Schadstoffen belastet sind. Das ergibt eine exklusive Analyse des gemeinnützigen Medienhauses CORRECTIV auf Basis von offiziellen Gewässerdaten der EU.

Ausgewiesene Badestellen müssen in der EU lediglich auf zwei Arten von Fäkalbakterien untersucht werden. Experten halten das für unzureichend. CORRECTIV hat deshalb zusätzlich Daten zur chemischen Belastung von Seen, Flüssen und Küstengewässern ausgewertet. Diese Daten basieren auf einem EU-weiten Monitoring, bei dem Behörden Gewässer auf Dutzende chemische Schadstoffe untersuchen – darunter Schwermetalle wie Arsen, aber auch Pestizidrückstände und Industriechemikalien wie PFAS. Bisher dienen diese Proben jedoch nur der Überwachung der Ökosysteme und dem Schutz von Wasserlebewesen.

Das Ergebnis der Auswertung: In der EU gelten mindestens 7.866 Badestellen gemäß den Vorgaben der Badegewässerrichtlinie als sauber, obwohl sie an Gewässern liegen, die nachweislich mit chemischen Schadstoffen belastet sind. Auf einer interaktiven Karte von CORRECTIV können die Ergebnisse für jede Badestelle eingesehen werden. Die meisten solcher Badestellen an belasteten Gewässern gibt es in Italien, Deutschland, Dänemark, Ungarn und Frankreich.

Forderung nach Ausweitung des Monitorings

Wie hoch die Konzentration eines bestimmten Schadstoffs im Wasser ist, geht aus den EU-weiten Messdaten nicht hervor. Das bedeutet: Wenn ein Gewässer mit bestimmten Substanzen belastet ist, drohen nicht in jedem Fall Gesundheitsrisiken für Badegäste. Es fehlen verbindliche Richtwerte, die festlegen, ab wann eine Schadstoffkonzentration in einem Badegewässer für Menschen schädlich ist. Doch in mehreren Fällen sind Badegewässer nachweislich so stark mit Schadstoffen belastet, dass unter Umständen Gesundheitsgefahren drohen. Das belegt etwa die Analyse einer Wasserprobe, die CORRECTIV an einer Badestelle in Sachsen genommen hat.

Der Toxikologe Hans-Jürgen Martin von der Uni Kiel sieht in den Ergebnissen der Auswertung einen Hinweis auf eine Lücke im bisherigen Überwachungssystem der EU. Er ist überzeugt: „Würden die Behörden bei der Bewertung der Badewasserqualität auch chemische Parameter berücksichtigen, fänden sie viele belastete Badegewässer – mit potentiellen Folgen für die menschliche Gesundheit.

Angesichts der weit verbreiteten Schadstoffbelastung werden auch in der Politik Forderungen laut, die europäische Badegewässerrichtlinie zu überarbeiten. „Das Monitoring der Badegewässer in Europa muss mit aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen Schritt halten“, sagt Tiemo Wölken, SPD-Abgeordneter im EU-Parlament und Koordinator seiner Fraktion im Umweltausschuss. Die Bewertung der Badewasserqualität sollte nicht länger „grundlos auf mikrobielle Gefahrstoffe beschränkt werden.“

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