Wenn Magie nicht zum Kämpfen da ist
Urlaub bedeutet für viele Menschen, den Alltag für eine Weile hinter sich zu lassen. Doch was geschieht, wenn die Reise an einen anderen Ort nicht freiwillig beginnt? Eric, der Protagonist meines Romans „Lupus Albus – Die Kinder des Waldes“, flieht nach Jahren der Gefangenschaft in einen Wald, den sonst kaum jemand freiwillig betritt.
Dort trifft er auf eine Gruppe ungewöhnlicher Kinder, die allein in diesem Wald leben und ihn sofort willkommen heißen. Für Eric ist das eine unbegreifliche Situation, weil er nur Krieg und Ausbeutung kennt. Doch anders als die Menschen, die Eric bisher kennengelernt hat, wollen diese Kinder sein besonderes magisches Talent nicht für ihre eigenen Zwecke nutzen. Stattdessen behandeln sie ihn wie ein neues Familienmitglied. Schon bald erkennt Eric allerdings, dass die scheinbar schutzlosen Kinder weitaus mächtiger sind, als er zunächst vermutet.
Für ihn beginnt hier keine große Reise, kein Heldenepos, an dessen Ende die Rettung der Welt steht. Stattdessen lebt er sich nach und nach in seiner neuen Familie ein und lernt mit ihrer Hilfe, die Magie auch in den kleinsten Dingen der Welt wahrzunehmen. Statt an einer magischen Akademie ausgebildet zu werden, lernt er beim Abendessen mit den Zwillingen Caine und Augustus, wie die Elemente wirklich funktionieren. Spielerisch und mit viel Witz zeigen ihm die beiden Kinder, dass er noch viel zu lernen hat. Auch in einem Duell mit ihrem großen Bruder Shin geht es für Eric nicht um den Sieg, sondern um Durchhaltevermögen, Wahrnehmung und die Frage, was sein Herz ihm vorgibt. Auch bei einem ausgelassenen Wettkampf im Wasser erkennt Eric, dass Magie nicht nur Macht bedeutet, sondern auch Freude, Gemeinschaft und Vertrauen.
Eric beginnt, die Blumen unter seinen Füßen zu sehen. Er nimmt die Welt nicht mehr nur als einen Ort der Gefahr wahr, sondern auch als einen Ort der Magie. Er lernt, den sagenumwobenen Wald als seine neue Heimat und die Kinder des Lupus Albus als seine Familie anzunehmen. Am Ende muss er beweisen, dass auch er bereit ist, für sie einzustehen – so wie sie zuvor für ihn eingestanden sind.
„Lupus Albus – Die Kinder des Waldes“ erzählt deshalb nicht nur von Magie und gefährlichen Kreaturen. Es ist auch die Geschichte eines Jungen, der erst lernen muss, dass Familie dort entstehen kann, wo Menschen bereit sind, einander anzunehmen und dass die größte Form von Magie in Vertrauen und Gemeinschaft bestehen kann.
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Dennis Striegler
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