Verband norddeutscher Wohnungsunternehmen e.V.
VNW-Direktor Andreas Breitner: Gut gemeint, aber nicht zielführend
21/2026
Die Opposition im Kieler Landtag hat die (Wieder-)Gründung einer echten Landeswohnungsbaugesellschaft gefordert. Die Gesellschaft soll bezahlbare Wohnungen bauen und vermieten. Die schwarz-grüne Landesregierung lehnt das ab und will lediglich eine Beratungsinstitution für Kommunen schaffen, um die Schaffung bezahlbaren Wohnraums anzukurbeln.
Dazu erklärt Andreas Breitner, Direktor des Verbands norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW),:
„Der Vorschlag der Opposition knüpft an die frühere Landesentwicklungsgesellschaft (LEG SH) an, die 35.000 Wohnungen besaß. Leider hat das Land die Gesellschaft kurz nach der Jahrtausendwende verkauft. So ärgerlich das aus heutiger Sicht ist. Das Rad lässt sich nicht wieder zurückdrehen.
Es gibt in Schleswig-Holstein derzeit mehr als 50 soziale Vermieter: kommunale Wohnungsunternehmen, Wohnungsgesellschaften und Baugenossenschaften. Sie bieten 110.000 Wohnungen an. Der Medianwert der monatlichen Nettokaltmiete dieser Unternehmen liegt derzeit bei 7,47 Euro pro Quadratmeter – also deutlich unter den Werten der örtlichen Mietspiegel.
Mehr Unterstützung etablierter sozialer Vermieter wäre sinnvoller
Statt viel Geld in den Aufbau einer Landeswohnungsbaugesellschaft zu stecken, sollte man die etablierten sozialen Vermieter umfassender unterstützen. Die von der Landesregierung geplante ‚Beratungsgesellschaft‘ ist gut gemeint, dürfte am Ende aber nicht wirklich etwas an den aktuellen Problemen ändern, mit denen die Wohnungswirtschaft zu kämpfen hat.
Angesichts der deutlich gestiegenen Bauzinsen – bei mittleren und längeren Laufzeiten liegen sie derzeit bei rund 4,5 Prozent – wären direkte, vertraglich abgesicherte Finanzhilfen durch das Land an soziale Vermieter sinnvoller, weil so die Zinslast gedämpft und Projekte wieder rentabel gemacht würden. Dabei lasse ich nicht außer Acht, dass das Land seine öffentliche Wohnungsbauförderung bereits auf jährlich 400 Millionen Euro erhöht hat.
Das Problem: Da der Bau frei finanzierter Mietwohnungen angesichts gestiegener Zinsen und höherer Baupreise kaum mehr umsetzbar ist – derzeit müsste die Nettokaltmiete bei einem Neubau zwischen 18 und 20 Euro liegen -, beantragen auch viele private Investoren eine öffentliche Förderung. Dadurch ist der Fördertopf rasch leer.
Langfristiges Projekt – keine kurzfristige Entspannung auf dem Wohnungsmarkt
Zudem ist der Aufbau einer ‚richtigen‘ Landesbaugesellschaft ein langfristiges Projekt und würde kurz- und mittelfristig nicht zu einer Entspannung der Lage auf dem Wohnungsmarkt führen. Ihre Wohnungen würden frühestens in vier bis fünf Jahren auf den Markt kommen. Sinnvoller wäre es, bürokratische Hemmnisse weiter abzubauen. Zwar hat sich Schleswig-Holstein mit dem ‚einfachen Bauen‘ bereits auf den Weg der Kostensenkung gemacht. Aber da geht noch mehr. Eine entbürokratisierte, norddeutsche Bauordnung wäre eine sinnvolle Ergänzung.
Mit einer Landesbaugesellschaft entsteht ferner ein zusätzlicher, aus unserer Sicht nicht notwendiger Mitbewerber. Im Bemühen um Grundstücke und Fördermittel würde die Gesellschaft ‚im selben Teich fischen‘ wie bereits bestehende soziale Vermieter. Wir haben die Sorge, dass die Landesgesellschaft vor allem bei der Vergabe von Grundstücken bevorzugt würde und kommunale Unternehmen sowie Wohnungsbaugesellschaften ‚in die Röhre‘ schauen.
Die gleichen Probleme wie alle sozialen Vermieter
Eine Landesbaugesellschaft hätte im Übrigen mit den gleichen Problemen zu kämpfen wie die bereits bestehenden sozialen Vermieter: mit einem Mangel an Baugrundstücken, mit hohen Baukosten und mit überbordender Bürokratie. Sinnvoller wäre es also, die Hindernisse beim Bau bezahlbarer Wohnungen pragmatisch abzubauen. Mit dem Bau-Turbo gibt es ein gutes Instrument.
Auch eine Landesbaugesellschaft kommt an der durch die Landesverfassung abgesicherten Gestaltungsmacht der Kommunen nicht vorbei. Sie sind aktuell der Flaschenhals. Unsere Mitgliedsunternehmen erleben oft, dass es an den Kommunalpolitikern liegt, ob der Bau-Turbo genutzt wird – oder nicht. Wenn eine Kommune keine mehrgeschossigen Wohngebäude mit Sozialwohnungen bauen will, dann hilft auch keine Landesbaugesellschaft.
Überambitionierte Klimaziele sind die größten Herausforderungen
Die größten Herausforderungen für soziale Vermieter sind derzeit die überambitionierten Klimaschutzziele Schleswig-Holsteins. Das Land will bereits 2040 klimaneutral sein – fünf Jahre früher als der Bund und zehn Jahre früher als die EU. Die Verkürzung der Zeit für die energetische Sanierung der Wohnungsbestände bindet bei den VNW-Unternehmen erhebliche Investitionsmittel. Diese fehlen beim Bau bezahlbarer Wohnungen.“
2026-03-29
Der Verband norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW) vertritt in Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein insgesamt 484 Wohnungsgenossenschaften, Wohnungsgesellschaften und Partnerunternehmen. In den von ihnen verwalteten 760.000 Wohnungen leben rund zwei Millionen Menschen. Die durchschnittliche Nettokaltmiete pro Quadratmeter liegt bei den VNW-Unternehmen bei 7,69 Euro. Der VNW ist der Verband der Vermieter mit Werten.
V.i.S.P.: Oliver Schirg, Verband Norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW), Referat Kommunikation, Telefon: +49 40 52011 226, Mobil: +49 151 6450 2897, Mail: schirg@vnw.de