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Bergwaldprojekt e.V.

Sommerpflanzung mit innovativen Eichen-Netzlingen im Thüringer Wald

Sommerpflanzung mit innovativen Eichen-Netzlingen im Thüringer Wald
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Gepflanzt wird im Wald üblicherweise im Frühjahr und vor allem im Spätherbst. Im Zukunftswald im Thüringer Wald wird nun Neues versucht, mit dem Pflanzen von Eichen-Netzlingen im Sommer.

Resiliente Eichensämlinge durch intaktes Pfahlwurzelsystem

Das Bergwaldprojekt setzt im Thüringer Wald mit Sommerpflanzung auf innovative Eichen-Netzlinge als Pflanzgut zur naturnahen Entwicklung im eigenen Zukunftswald

Würzburg, 31.07.2026

6000 Stieleichen wurden in den letzten Juli-Wochen - mitten im Hochsommer - auf verschiedenen Waldflächen im Thüringer Wald bei Steinbach-Hallenberg gepflanzt. Obwohl im Wald üblicherweise im Frühjahr und im Spätherbst gepflanzt wird, vertraut das Bergwaldprojekt auf innovatives Pflanzgut, sogenannte Netzlinge, und den Sommer als Pflanzzeitpunkt, um im eigenen Zukunftswald den Laubbaumanteil zu erhöhen. Die jungen, in diesem Frühjahr gekeimten Eichen kommen als Sämling in einem Naturfasernetz (Netzling) unverschult aus der Baumschule und haben im Sommer ihr größtes Wurzelwachstum.

Die Wurzel soll ungestört wachsen

Für Christoph Wehner, Förster des Bergwaldprojekts im Zukunftswald Unterschönau, gibt es mehrere Gründe, auf die Netzlinge zu setzen: „Für die Vitalität des Waldes ist Naturverjüngung am besten. Wenn wir hier trotzdem Bäume pflanzen, um andere Baumarten in unseren Flächen zu etablieren, dann liegt unser Hauptaugenmerk auf der Wurzel. Dafür ist es wichtig, dass junge Bäume so früh wie möglich raus in den Wald an ihren späteren Standort kommen und dort die Wurzel ungestört wachsen kann.“ Der Zukunftswald, das Gemeinschaftsprojekt von Umweltstiftung Greenpeace und Bergwaldprojekt e.V., ist Partnerfläche der Wald-Allianz, die mit ihren Mitgliedern Methoden der naturnahen Waldbewirtschaftung voranbringen will. Wehner erläutert: „Unsere Flächen sind Referenzflächen für begleitende Forschungen zur ökologischen Waldentwicklung. Daher testen wir hier auch bewusst neue Pflanzmethoden, die der natürlichen Waldentwicklung möglichst nahekommen, um Erfahrungen für andere Waldbesitzende zu sammeln, die dem bisherigen Umgang mit unseren Waldökosystemen ebenfalls skeptisch gegenüberstehen.“

Die Netzlinge kommen aus dem fränkischen Gunzenhausen, wo die Firma Pflanz Natur GmbH im Auftrag des Bergwaldprojekts tausende Eicheln im Frühjahr zum Keimen gebracht hat. Verwendet wurde dafür ein spezielles torffreies Substrat, das sich in einem Naturfasernetz befindet, das von den Eichen durchwurzelt werden kann. Christian Wachter ist einer der Gründer von Pflanz Natur: „Die Natur hat die Pfahlwurzel nicht ohne Grund vorgesehen. Indem wir die Verschulung vermeiden, geben wir dem Baum sein biologisches Werkzeug zurück, um aktiv gegen Dürreperioden anzukämpfen und sich möglichst rasch und kräftig im Waldboden zu verankern.“

Ohne Verschulung bleibt Pfahlwurzel intakt

Das Kernproblem konventioneller Forstpflanzen liegt laut Wachter in der „Verschulung" – dem mehrfachen Umpflanzen junger Bäume, bei dem die Wurzeln gestutzt werden. Dadurch wird das natürliche Pfahlwurzelsystem beschädigt, was die Tiefenverankerung und den Zugang zu tieferen Wasserschichten erschwert und Anwuchs- sowie Überlebenschancen mindert. Die von der Firma Pflanz Natur angewandte Methode vermeidet diesen Eingriff vollständig: In speziellen, mit Pflanzenstärke stabilisierten Netzbeuteln mit torffreiem Substrat bleibt die Pfahlwurzel intakt. Das garantiert maximale Vitalität und eine schnellere, tiefere Durchwurzelung des Bodens – überlebenswichtig gerade an trockenen Standorten. Der Sämling wird als „Netzling" samt Netz in den Waldboden verpflanzt. Dort durchwurzelt er das Netz, das sich allmählich - auch dank der Pflanzenstärkebehandlung - auflöst und zersetzt.

Traditionell wird in den Wintermonaten oder dem frühen Frühjahr gepflanzt, da Bäume in der Ruhephase weniger Stress ausgesetzt sind und die Bodenfeuchtigkeit höher ist. Die Netzling-Methode bricht mit diesem Schema: Keimstart im Februar im Substrat im Naturfasernetz, Pflanzung zwischen Ende Mai und Ende August – genau dann, wenn die Wurzel ihre höchste jahreszeitliche Vitalität besitzt und die Wurzeln die Netzgrenzen erreichen. Diese biologische Peak-Phase ermöglicht Pflanzungen selbst im Hochsommer, wie sie nun beispielhaft im Thüringer Wald praktiziert wurde. Während herkömmliche Setzlinge zu dieser Jahreszeit kaum Überlebenschancen hätten, soll die Kombination aus unverschulter Wurzel und schützendem Substrat im Pflanznetz für den gewünschten Anwuchserfolg sorgen.

Zukunftswald Unterschönau

Der Zukunftswald Unterschönau, ein gemeinsames Projekt von Umweltstiftung Greenpeace und Bergwaldprojekt e.V., wurde vor sechs Jahren mit dem Kauf eigener Waldflächen gestartet. Ziel ist zu zeigen, wie die Entwicklung naturnaher resilienter Mischwälder, eine nachhaltige Holzproduktion und der Erhalt aller Ökosystemleistungen Hand in Hand gehen können. Die 280 ha Waldfläche liegen bei Steinbach-Hallenberg im Thüringer Wald und grenzen an den Weitwanderweg Rennsteig.

Der Zukunftswald ist Partnerfläche der Wald-Allianz, die mit ihren Mitgliedern und Partnerflächen die Player der naturnahen Waldbewirtschaftung vernetzt und begleitende Forschung der ökologischen Waldentwicklung initiiert und begünstigt. Das Bergwaldprojekt und die Umweltstiftung Greenpeace sind Teil dieser wachsenden Allianz.

Bergwaldprojekt e.V.

Das Bergwaldprojekt organisiert seit mehr als 35 Jahren Freiwilligeneinsätze im Wald, Moor und in Offenlandschaften. 2026 bringt der Verein mit seinen Einsatzwochen in Deutschland ca. 5.000 Freiwillige in die Natur. Dazu finden mehr als 170 Projektwochen an gut 90 verschiedenen Standorten in allen Regionen Deutschlands statt. Ziele der Arbeitseinsätze sind, die vielfältigen Funktionen der Ökosysteme wiederherzustellen und zu stabilisieren sowie den beteiligten Freiwilligen die Bedeutung und Bedrohung der natürlichen Lebensgrundlagen bewusst zu machen.

Umweltstiftung Greenpeace

Die Umweltstiftung Greenpeace ist Teil des internationalen Greenpeace-Netzwerks und dessen Zielen und Werten verpflichtet. Seit über 25 Jahren ist sie für den Schutz von Umwelt und Natur aktiv und setzt sich für den Schutz unserer Lebensgrundlagen ein. Dafür fördert sie wirkungsvolle Projekte und Lösungen und zeigt, wie nachhaltiger Wandel gelingen kann: etwa beim Schutz von Ökosystemen und Artenvielfalt, durch Friedensarbeit und -forschung oder die Förderung nachhaltiger Technologien. Mit ethischen, sozialen und ökologischen Standards wirkt ihr Stiftungskapital im Sinne des Gemeinwohls.

Pressekontakt:

Lena Gärtner
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Bergwaldprojekt e.V.
E-Mail: lg@bergwaldprojekt.de
Telefon: 0931 991 220 11

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