Alle Storys
Folgen
Keine Story von Bergwaldprojekt e.V. mehr verpassen.

Bergwaldprojekt e.V.

Moorschutz in der Eifel: Freiwillige schließen Entwässerungsgräben im Truffvenn

Moorschutz in der Eifel: Freiwillige schließen Entwässerungsgräben im Truffvenn
  • Bild-Infos
  • Download

Seit dem 18. Mai engagieren sich 50 Freiwillige in drei einwöchigen Einsätzen für die Wiederherstellung des Hochmoors Truffvenn bei Burbach in der Eifel. Durch das manuelle Schließen historischer Entwässerungsgräben soll der natürliche Wasserhaushalt des Moors wiederhergestellt werden – eine Voraussetzung, um seine Funktion als Kohlenstoffspeicher und Lebensraum langfristig zu sichern.

Die Maßnahmen sind Teil des Moorschutzprogramms Rheinland-Pfalz, das die Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz gemeinsam mit dem Bergwaldprojekt umsetzt.

Moor- und Klimaschutz in der Eifel: Freiwillige schließen Entwässerungsgräben und sorgen für mehr Wasser im Truffvenn

Mainz // Würzburg, 18.05.2026

Seit dem 18. Mai renaturieren erstmalig 50 Freiwillige in drei einwöchigen Einsätzen das Hochmoor Truffvenn bei Burbach in der Eifel. Durch das manuelle Verschließen und Verfüllen von historischen Entwässerungsgräben soll der Wasserspiegel in den entwässerten Bereichen wieder steigen – und damit die moortypischen Bedingungen zurückkehren, die das Moor als effizienter Kohlenstoffspeicher und Lebensraum unersetzlich machen.

Die Arbeiten dauern bis zum 5. Juni und sind Teil des Moorschutzprogramms Rheinland-Pfalz, welche die Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz (SNU) in Zusammenarbeit mit dem Bergwaldprojekt umsetzt. Mit Hilfe des Bergwaldprojekts und seinen freiwilligen Helfern wurden in den letzten Jahren bereits mehrere Moore in Rheinland-Pfalz erfolgreich renaturiert.

Das vor ca. 6000 Jahren entstandene Truffvenn, einer der bedeutendsten Hochmoorkomplexe der Südeifel, steht vor einer ökologischen Renaissance. Jahrzehntelang wurde es durch Gräben entwässert und seine bis zu vier Meter starke Torfschicht an verschiedenen Stellen abgebaut – mit fatalen Folgen: Der Torfkörper zerfiel, Treibhausgase entwichen, und die spezialisierten Arten des Moores verloren ihren Lebensraum. Viele der Gräben sind bis heute zum Nachteil des Moors funktionstüchtig. Ihr gezielter Verschluss soll den Wasserspiegel wieder anheben, den Torfkörper unter Wasser setzen und so den Zersetzungsprozess des Torfs und den Ausstoß von Treibhausgasen beenden. Langfristig wird so wieder neues Torfwachstum und das Speichern von CO2 ermöglicht.

In Handarbeit: Spundwände rammen, Gräben verfüllen

Unter Leitung von Lutz Rohland und Urla Ewender vom Bergwaldprojekt werden von den Freiwilligen in die alten Gräben mit Muskelkraft Spundwände aus Holzbohlen gerammt, um das Wasser anzustauen und es sich im Torf ausbreiten zu lassen. Teilweise werden auch schon bestehende Sperren ertüchtigt und verstärkt. Die Gräben werden zudem an verschiedenen Stellen mit einem Gemisch aus Sägespänen und Hackschnitzel verfüllt, um die Torfbereiche hydrologisch wieder durchgängig zu machen und den Torfkörper flächig ins Wasser zu setzen. Die Arbeitseinsätze sind gezielt auf drei Jahre angelegt, um den nachhaltigen Erfolg der Arbeiten zu beurteilen und gezielt nachbessern zu können.

Arbeiten für Artenschutz und Wasserhaushalt

„Ein Moor braucht Jahrtausende, um zu entstehen. Wir brauchen nur wenige Jahrzehnte, um es zu zerstören. Nun ist Zeit, um es zu retten", so Leonie Kurth, Projektverantwortliche der SNU im Truffvenn. „Von der Renaturierung und nassen Mooren profitieren seltene und hochspezialisierte Pflanzen und Tiere wie der Hochmoorperlmuttfalter. Wertvoller Lebensraum für Vogel- und Insektenarten sowie Wollgras und verschiedene Torfmoose, die intakte Feuchtgebiete benötigen, wird geschaffen.“

Die Maßnahmen im Truffvenn sichern die Biodiversität der Eifel langfristig und sind Teil des landesweiten Moorschutzprogramms, um die bedrohten Moorökosysteme fit für den Klimawandel zu machen. Neben dem Artenschutz dient das Projekt auch dem regionalen Wasserhaushalt, da intakte Moore Wasser in Niederschlagsphasen speichern und Trockenperioden in der Umgebung abpuffern.

Moorarbeit für Bewusstseinswandel

Neben der konkreten Verbesserung der ökologischen Situation vor Ort ist die Sensibilisierung der Freiwilligen für einen schonenden Umgang mit den natürlichen Lebensgrundlagen über die Projektwochen hinaus Einsatzziel des Bergwaldprojekts. Dazu Lutz Rohland: „Wer eine Woche lang knietief in einem jahrtausendealten Moor gearbeitet und mit eigenen Händen etwas bewegt hat, blickt danach anders auf Moore – und auf Natur insgesamt. Das unmittelbare Erleben, wirklich etwas verändern zu können, bleibt: Es motiviert viele Teilnehmende, ihren Alltag bewusster und naturverträglicher zu gestalten.“

Die Freiwilligen im Alter von 22 bis 71 Jahren campieren während der drei Arbeitswochen im eigenen Zelt malerisch inmitten der Natur im nahegelegenen Weissenseifen. Ein Kochteam des Bergwaldprojekts besorgt die vegetarische Verpflegung der Teilnehmenden - mit überwiegend regionalen und saisonalen Produkten.

Bergwaldprojekt e.V.

Der Bergwaldprojekt e.V. organisiert seit 35 Jahren Freiwilligeneinsätze im Wald, Moor und in Offenlandschaften. Dieses Jahr wird der Verein mit seinen Einsatzwochen in Deutschland über 5.000 Freiwillige in die Natur bringen. Dazu werden u. a. 170 Projektwochen an 90 verschiedenen Standorten in ganz Deutschland stattfinden. Ziele der Arbeitseinsätze sind, die vielfältigen Funktionen der Ökosysteme wiederherzustellen und zu stabilisieren, den beteiligten Freiwilligen die Bedeutung und Bedrohung der natürlichen Lebensgrundlagen bewusst zu machen und daran mitzuarbeiten, unsere Lebens- und Wirtschaftsweise nachhaltiger zu gestalten.

Das Bergwaldprojekt wurde für seinen Einsatz der letzten Jahrzehnte mit mehr als 50.000 Freiwilligen vom Bundesamt für Naturschutz als UN-Dekade-Projekt zur Wiederherstellung der Ökosysteme ausgezeichnet.

Pressekontakt:

Leonie Kurth, Moorschutzprogramm RLP, Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz, Tel: 06131-165579, E-Mail: Leonie.Kurth@snu.rlp.de, www.snu.rlp.de

Lena Gärtner, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Bergwaldprojekt e.V., Tel.: 0931 - 991 220 11 E-Mail: presse@bergwaldprojekt.de, www.bergwaldprojekt.de