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HHL-Untersuchung: Private-Equity-Gesellschaften verschieben Exits – Bewertungen und Liquidität geraten unter Druck

HHL-Untersuchung: Private-Equity-Gesellschaften verschieben Exits – Bewertungen und Liquidität geraten unter Druck
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HHL-Untersuchung: Private-Equity-Gesellschaften verschieben Exits – Bewertungen und Liquidität geraten unter Druck

Die Haltedauer der Portfolio-Unternehmen von Private-Equity-Gesellschaften (PE) ist in den letzten zwölf Monaten weiter gestiegen. 70 Prozent der von der Unternehmensberatung FTI-Andersch und des Centers for Corporate Transactions and Private Equity (CCTPE) der HHL Leipzig Graduate School of Management befragten PE-Gesellschaften in Deutschland haben angegeben, Exits zunächst verschieben zu müssen. 15 Prozent von diesen gehen zudem davon aus, dass Exits signifikant später stattfinden werden. Der Grund: Die aktuelle Marktlage drückt die Bewertungen, sodass viele Transaktionen unter den aktuellen Bedingungen nicht zustande kommen.

  • Jede vierte PE-Gesellschaft (25 Prozent) meldet verschlechterte Liquidität in ihren Portfoliounternehmen
  • 80 Prozent sehen eine deutlich restriktivere Kreditvergabe der Banken, 40 Prozent sogar „signifikant restriktiv“
  • Mehr als die Hälfte (55 Prozent) können Dividenden aus Portfoliounternehmen nur eingeschränkt oder gar nicht mehr ausschütten

„Die Wirtschaftskrise in Deutschland macht auch vor den in Deutschland ansässigen PE-Gesellschaften nicht Halt“, sagt Prof. Dr. Bernhard Schwetzler, Leiter des Centers for Corporate Transactions and Private Equity (CCTPE) an der HHL Leipzig, der diese Untersuchung wissenschaftlich geleitet hat. „Vielfach sind PE-Fonds in deutsche Mittelständler investiert, die jetzt mit der neuen Marktlage zu kämpfen haben. Niedrige Zinsen, erfolgreiches Fundraising und der daraus resultierende Anlagenotstand vor rund fünf Jahren haben dazu geführt, dass höhere Risiken bei einigen Investments eingegangen wurden. Die zwischenzeitlich geänderten Bedingungen in der Realwirtschaft und den Finanzmärkten haben diese Risiken schlagend werden lassen.“

65 Prozent der Befragten haben angegeben, dass die aktuelle Marktlage auf die Bewertungen ihrer Portfoliounternehmen drückt; fünf Prozent halten den aktuellen Bewertungsabschlag für „signifikant“. Gefragt nach den Treibern für die niedrigeren Bewertungen nennt die Hälfte (50 Prozent) die höheren Zinsen, gefolgt von einer aus Sicht der Fonds gesunkenen Liquidität in den Portfoliounternehmen (35 Prozent). Operative Optimierung (35 Prozent) und Kostensenkung (20 Prozent) sind die am häufigsten genannten Maßnahmen, mit denen PE-Gesellschaften auf die verlängerten Haltefristen reagieren. Gleichzeitig zeigt sich bei einem Teil der Portfolios eine spürbare Verschlechterung der Liquidität.

Liquiditätssituation bei jeder vierten PE-Gesellschaft verschlechtert

In ihren eigenen Portfolios berichtet jede vierte PE-Gesellschaft (25 Prozent), dass sich die Liquiditätssituation seiner Portfoliounternehmen verschlechtert hat. Der wichtigste Grund dafür sind gesunkene Umsätze. Das geben 55 Prozent der Befragten an. 35 Prozent nennen gestiegene operative Kosten, zehn Prozent höhere Finanzierungskosten. Ein Fünftel (20 Prozent) hat angegeben, jüngst gegen Finanzierungsauflagen verstoßen zu haben.

Die wichtigsten Maßnahmen zur Reduzierung von Liquiditätsengpässen: 75 Prozent optimieren das Working Capital, 70 Prozent senken weiter die Kosten, 55 Prozent führen zusätzliches Kapital zu.

„Zwar hat nur eine Minderheit Liquiditätsprobleme, aber diese sind dann oft besonders gravierend“, sagt Dr. Martin Schneider, Senior Managing Director, Experte für Private Equity und Co-Autor der Untersuchung bei FTI-Andersch, der auf Restrukturierung, Business Transformation und Transaktionen spezialisierten Beratungseinheit von FTI Consulting. „Die Marktbedingungen machen auch vor den Portfoliogesellschaften nicht Halt, und der sinkende Absatz stellt ein zentrales Problem dar. Das macht einige Unternehmen für Fonds aktuell nicht verkäuflich. Es ist jetzt genau zu prüfen, welche Unternehmen sinnvoll saniert werden können – und bei welchen eine relevante Bewertung mittel- bis langfristig nicht erreichbar ist. Dann ist ein Ende mit Schrecken vielleicht besser als ein Schrecken ohne Ende. Jeder betroffene Fonds wird genau das jetzt intensiv prüfen.“

Refinanzierungen werden teurer

Die dargestellte Liquiditätslage führt zu neuen Refinanzierungsbedarfen der Portfoliounternehmen. 64 Prozent der Befragten nennen Liquidität als Hauptgrund für Refinanzierungen innerhalb der vergangenen 24 Monate, gefolgt von Finanzierungsbedarf für strategische Restrukturierungen (57 Prozent) und regulär geplanten Refinanzierungen (50 Prozent). Insgesamt haben 70 Prozent der Befragten in diesem Zeitraum Refinanzierungen durchgeführt.

80 Prozent der Befragten berichten, dass Banken in spezifischen Branchen merklich restriktiver agieren; 40 Prozent beschreiben dieses Vorgehen als „signifikant restriktiver“. Bei den Konditionen mussten 35 Prozent höhere Risikoprämien akzeptieren, jeweils ein Viertel nennt höhere Auflagen (Covenants) und zusätzliche Sicherheiten.

„Wir beobachten schon seit dem Ende der Covid-Krise, dass die Finanzierungsbedingungen schwieriger werden, auch wenn die Zinsen zuletzt wieder gesunken sind“, sagt Martin Schneider. „Vor allem in Industrien wie Automotive, Maschinenbau oder Retail sind die Prüfungen um ein Vielfaches anspruchsvoller, die Konditionen schlechter. Und wir erleben immer häufiger, dass es gar nicht zur Refinanzierung kommt und damit Unternehmen an den Rand ihrer Existenz geraten. Gerade um nicht in eine solche Situation zu kommen, ist es entscheidend, ein sehr klares und strategisches Liquiditätsmanagement zu betreiben. Denn wer noch Geld auf dem Konto hat, bekommt deutlich leichter welches hinzu.“

Ausschüttungsfähigkeit nimmt ab

Die schwächere Liquiditätslage wirkt sich auch auf die Fähigkeit zur Dividendenausschüttung aus. 55 Prozent berichten, dass Dividendenausschüttungen ihrer Portfoliounternehmen eingeschränkt oder stark eingeschränkt (zehn Prozent) sind. Als wichtigsten Grund nennen 40 Prozent eine Verschlechterung des Cashflows. Rund ein Drittel (30 Prozent) hält Dividenden zurück, um Liquidität für Investitionen vorzuhalten.

Jedes vierte Unternehmen schätzt die Umgebung für Dividenden auch mittelfristig als deutlich schlechter ein. 40 Prozent erwarten eine temporäre Einschränkung und gehen von einer Erholung in den kommenden Jahren aus.

„Viele Fonds sind in deutsche Mittelständler investiert. Für Deutschland gibt es derzeit keine Hinweise auf eine schnelle Erholung. Einzelne Unternehmen können die Lage nutzen – insgesamt aber bleiben strukturelle Herausforderungen bestehen. Vorsichtige Einschätzungen sind deshalb aktuell sinnvoller als überbetonter Optimismus“, sagt Martin Schneider.

Über die Untersuchung

Die Studie ist in Zusammenarbeit zwischen der Unternehmensberatung FTI-Andersch und dem Center for Corporate Transactions and Private Equity (CCTPE) an der HHL Leipzig Graduate School of Management entstanden. Grundlage ist eine anonymisierte Befragung von Private-Equity-Gesellschaften mit Schwerpunkt Deutschland zur aktuellen Situation ihrer Portfoliounternehmen, insbesondere zu Halteperioden, Bewertungseffekten, Liquiditätslage, Refinanzierungen und Ausschüttungsfähigkeit.

Es konnten die Antworten von insgesamt 20 im DACH-Raum beheimateten PE-Gesellschaften zur aktuellen Situation ihrer Portfoliounternehmen ausgewertet werden. Die Grundgesamtheit der Untersuchung bilden PE-Gesellschaften mit aktiven Portfolios, die überwiegend in mittelständische Unternehmen investieren. Die Umfrage wurde anonymisiert und mit standardisierten Fragen nach akademischen Standards durchgeführt. Leiter der Untersuchung sind Dr. Martin Schneider (Senior Managing Director) von FTI-Andersch sowie Prof. Dr. Bernhard Schwetzler, Inhaber des Lehrstuhls für Finanzmanagement und Banken an der HHL Leipzig.

Über FTI-Andersch

FTI-Andersch ist eine Unternehmensberatung, die ihre Mandanten in der Entwicklung und Umsetzung tragfähiger Zukunfts-, Performance- sowie Restrukturierungskonzepte unterstützt. FTI-Andersch begleitet aktiv Unternehmen, die sich mit strategischen, operativen oder finanzwirtschaftlichen Herausforderungen und Veränderungsprozessen beschäftigen müssen – oder frühzeitig Geschäftsmodell, Organisation und Prozesse zukunftsfähig ausrichten möchten. Zu den Mandanten zählen insbesondere mittelständische Unternehmen und Konzerne, die international agieren. FTI-Andersch ist Teil der FTI-Consulting-Gruppe (NYSE: FCN) mit mehr als 8.100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern weltweit.

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