Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur
Neue Folge von „Backstage DDR“ widmet sich der Militarisierung des Alltags
Wehrerziehung im „Friedensstaat“
Am 1. September vor 80 Jahren wurde in der Sowjetischen Besatzungszone erstmals der Weltfriedenstag begangen – Neue Folge von „Backstage DDR“ widmet sich der Militarisierung des Alltags
Berlin, 27. August 2026 – Am 1. September 1946 wurde in der Sowjetischen Besatzungszone erstmals der „Weltfriedenstag der Jugend“ begangen. In der DDR entwickelte sich der Jahrestag des deutschen Überfalls auf Polen zu einem staatlich inszenierten Gedenktag mit Kundgebungen, Appellen und Veranstaltungen. Der Sozialismus wurde als Garant des Friedens dargestellt, die Bundesrepublik als militärische Bedrohung.
Die neue Folge „Militarisierung in der DDR“ der Erklärfilmreihe „Backstage DDR“ zeigt den Widerspruch zwischen der Friedensrhetorik der DDR und der militärischen Prägung ihres Alltags: Kinder und Jugendliche wurden von klein auf an militärische Denkweisen, Befehl und Gehorsam gewöhnt – ein Prozess, der im Kindergarten begann und bis zum Wehrdienst reichte.
Das Bekenntnis zum Frieden war allgegenwärtig: Im Kindergarten und in der Schule wurde die „Kleine weiße Friedenstaube“ gesungen. Zugleich begegneten Kinder Soldaten, Panzern und Kriegsspielzeug, gehörten Fahnenappelle und militärische Rituale zum Schulalltag.
„Einer muss befehlen und einer muss gehorchen. Und diese Dinge werden in einem militarisierten Land von Kindheit an, im Ernstfall vom Kindergarten an bis ins hohe Alter eingeübt“, erklärt der Politikwissenschaftler und Theologe Dr. Christian Sachse in der Folge.
Wehrkundeunterricht, Wehrausbildungslager und die Gesellschaft für Sport und Technik gehörten in den 1980er-Jahren zum DDR-Alltag. Jungen übten den Umgang mit Waffen, Mädchen wurden vor allem als Sanitäterinnen ausgebildet. Für nahezu alle jungen Männer folgte der Wehrdienst in der Nationalen Volksarmee; wer den Dienst an der Waffe ablehnte, musste mit Nachteilen bei Ausbildung, Studium und Beruf rechnen. Der Zeitzeuge Gilbert Furian berichtet in der Folge vom Druck, sich für eine Offizierslaufbahn zu verpflichten, die ihm als Garantie für ein späteres Studium dargestellt worden sei.
Seit Ende der 1970er-Jahre wuchs der Widerstand gegen diese Erziehung. Aus dem Protest gegen den Wehrkundeunterricht entstanden unter dem Dach der Kirchen Friedensgruppen. In den 1980er-Jahren wurde der Aufnäher „Schwerter zu Pflugscharen“ zum Symbol einer unabhängigen Friedensbewegung, deren Akteure später zur Opposition und zur Friedlichen Revolution beitrugen.
Durch die Folge „Militarisierung in der DDR“ führt die Moderatorin und Autorin Clarissa Corrêa da Silva, bekannt unter anderem aus „Wissen macht Ah!“ und der „Sendung mit der Maus“. Sie ist ab sofort unter folgendem Link abrufbar: https://www.bundesstiftung-aufarbeitung.de/backstageDDR-militarisierung.
Die Erklärfilmreihe „Backstage DDR“ vermittelt mit Zeitzeugen, Wissenschaftlern und historischen Filmaufnahmen, wie Politik und Alltag in der DDR funktionierten. Sie wird von der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur herausgegeben und von musealis in Weimar produziert.
Jonathan Harnisch | Pressereferent | Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur | Kronenstraße 5 | 10117 Berlin | Tel. 030 / 31 98 95 225
j.harnisch@bundesstiftung-aufarbeitung.de | www.bundesstiftung-aufarbeitung.de
Datenschutz: www.bundesstiftung-aufarbeitung.de/datenschutz
Unsere neue Ausstellung "Die Partei hat immer recht. Die SED im Alltag der DDR": bundesstiftung-aufarbeitung.de/dieSEDimAlltag