Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur
PM Bundesstiftung Aufarbeitung: Neue Folge von „Backstage DDR“ über Anspruch und Wirklichkeit der medizinischen Versorgung
PRESSEMITTEILUNG der Bundesstiftung Aufarbeitung
Vor 50 Jahren berichtete die Stasi über Ärztemangel, schlechte Arbeitsbedingungen und Fluchtabsichten – Neue Folge von „Backstage DDR“ über Anspruch und Wirklichkeit der medizinischen Versorgung
Berlin, 6. August 2026 – Kostenlose Arztbesuche, unentgeltliche Medikamente und eine Versorgung unabhängig vom Einkommen: Das staatliche Gesundheitswesen gehörte zu den zentralen sozialen Versprechen der DDR. Eine für den 12. August 1976 überlieferte Information des Ministeriums für Staatssicherheit zeigt jedoch, wie stark das System schon damals unter Personalmangel, Überlastung und unzureichender Ausstattung litt. Fünfzig Jahre später nimmt die neue Folge der Erklärfilmreihe „Backstage DDR“ der Bundesstiftung Aufarbeitung das Gesundheitswesen der DDR in den Blick.
Der Stasi-Bericht befasste sich vor allem mit Ärzten und anderen Beschäftigten, die die DDR verlassen wollten. Als Ursachen nannte er nicht nur politische Ablehnung und den Wunsch nach persönlicher Freiheit, sondern auch ganz konkrete Missstände: veraltete Technik, fehlende Medikamente und Hilfsmittel, niedrige Gehälter, überlastetes Personal und begrenzte berufliche Entwicklungsmöglichkeiten.
Genau an dieser Spannung setzt die neue Folge „Gesundheitswesen in der DDR“ an. Sie zeigt, was das System leistete: Polikliniken bündelten verschiedene Fachrichtungen unter einem Dach, das Betriebsgesundheitswesen war engmaschig organisiert, und der Zugang zur medizinischen Grundversorgung hing nicht vom Einkommen ab. Zugleich fehlten vielerorts Medikamente, moderne Geräte und Personal. Auf dem Land verschärften sich die Engpässe, während Funktionäre im Berliner Regierungskrankenhaus bevorzugt versorgt wurden.
Die Folge thematisiert außerdem, wie stark Medizin und Politik miteinander verknüpft waren. Führungspositionen wurden auch nach politischer Zuverlässigkeit vergeben, Ärzte von der Staatssicherheit angeworben oder unter Druck gesetzt. Selbst Fehldiagnosen und Blankorezepte konnten im Auftrag des MfS ausgestellt werden.
Das DDR-Gesundheitswesen habe „dadurch funktioniert, dass viele, viele Mitarbeiter mit großem Engagement dabei waren und versucht haben, aus dem Vorhandenen das Beste zu machen. Aber es war an allen Ecken und Enden mangelhaft“, so der Arzt Dr. Günter Zytariuk in der Folge.
Durch die Folge führt die Moderatorin und Autorin Clarissa Corrêa da Silva. Sie fragt, was sich aus dem DDR-Gesundheitswesen für heutige Debatten über Fachkräftemangel, Klinikschließungen und eine flächendeckende medizinische Versorgung lernen lässt. Die Folge zeichnet dabei ein differenziertes Bild: von einem System, das soziale Sicherheit versprach und funktionierende Strukturen schuf, zugleich aber unter Mangel, politischer Kontrolle und fehlender Transparenz litt.
Die Folge „Gesundheitswesen in der DDR“ ist ab sofort unter https://www.bundesstiftung-aufarbeitung.de/backstageDDR-gesundheitswesen abrufbar.
Die Erklärfilmreihe „Backstage DDR“ vermittelt mit Zeitzeugen, Wissenschaftlern und historischen Filmaufnahmen, wie Politik und Alltag in der DDR funktionierten. Sie wird von der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur herausgegeben und von musealis in Weimar produziert.
Das MfS-Dokument vom 12. August 1976 findet sich hier https://www.ddr-im-blick.de/jahrgaenge/jahrgang-1976/report/lage-im-gesundheitswesen-insbesondere-flucht-und-ausreise-1/
Jonathan Harnisch | Pressereferent | Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur | Kronenstraße 5 | 10117 Berlin | Tel. 030 / 31 98 95 225
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