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06.02.2020 – 11:09

dpa-Faktencheck

Forscherin hat nicht hinter verschlossenen Türen gesagt, dass einige Impfungen gefährlich sind

Berlin (ots)

In Beiträgen in sozialen Netzwerken wird behauptet, eine führende Wissenschaftlerin der Weltgesundheitsorganisation (WHO) habe in einer Rede gesagt, dass einige Impfstoffe gefährlich seien und Menschen töteten (http://dpaq.de/qwJhM). Außerdem heißt es, das Video sei eine geleakte Aufnahme von einer Diskussion "hinter verschlossenen Türen". (http://dpaq.de/xI4Y2)

BEWERTUNG: Die Forscherin der WHO bezog sich auf Probleme in einigen Ländern, auf Todesfälle nach Impfungen angemessen zu reagieren und die Ursachen klar zu benennen. Sie sagte nicht, dass einige Impfstoffe gefährlich seien. Das Video wurde nicht geleakt, sondern live gestreamt, und es steht als Aufzeichnung bis heute (6.2.) auf der offiziellen Webseite der WHO.

FAKTEN: Anfang Dezember 2019 fand im schweizerischen Genf der "Global Vaccine Safety Summit" statt, ein internationaler Kongress zum Thema Impfsicherheit, der von der WHO organisiert wird (http://dpaq.de/noYm2). Die gesamte Veranstaltung wurde live gestreamt und ist bis heute (Stand 6.2.) auf der WHO-Website zu finden. Von einer "geleakten" Aufnahme einer Diskussion, die "hinter verschlossenen Türen" stattgefunden haben soll, kann also nicht die Rede sein.

Die Chef-Wissenschaftlerin ("Chief Scientist") der WHO, Soumya Swaminathan, sprach auf einem Panel am 3. Dezember, das um 14 Uhr begann. Sie sagte, dass es in einigen Ländern keine guten Überwachungssysteme bezüglich der Sicherheit von Impfungen gebe und dass dies zu Missverständnissen führe - "weil wir nicht in der Lage sind, klare Antworten zu geben, wenn Menschen Fragen zu Todesfällen aufgrund einer bestimmten Impfung stellen". Man müsse faktenbasierte Antworten geben, was genau passiert und was der Grund dafür gewesen sei. "Aber in den meisten Fällen gibt es einiges an Vertuschung auf dieser Ebene, und deshalb nimmt das Vertrauen mehr und mehr ab." (http://dpaq.de/noYm2, ab Minute 29:08).

Auf Nachfrage der Deutschen Presse-Agentur ergänzte die Wissenschaftlerin, dass sie definitiv nicht gemeint habe, dass Impfungen nicht sicher seien. "Ich habe mich auf die schlechten oder nicht vorhandenen Überwachungssysteme in vielen Ländern - besonders in einkommensschwachen - bezogen, die dazu führen, dass wir keine korrekt aufgezeichneten Daten und faktenbasierte Aussagen über Fehler haben." Es gebe hin und wieder Fälle, in denen Kinder nach Impfungen sterben - beispielsweise verursacht durch Verschmutzungen der Behälter des Impfstoffes oder dessen falsche Zusammensetzung. "Wenn die lokalen Behörden dann in der Lage sind, der Öffentlichkeit zu erklären, was passiert ist - dann gäbe es weniger Panik und Gerüchte."

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Links:

Beitrag: https://www.legitim.ch/post/stv-generaldirektorin-der-who-l%C3%A4sst-bombe-platzen-impfungen-t%C3%B6ten-ursachen-werden-vertuscht (archiviert: https://perma.cc/8744-SGCL)

Youtube-Video mit Zusammenschnitt von Impf-Video und Rede Soumya Swaminathans: https://www.youtube.com/watch?v=2DudhNvr1AU&t=77s

Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Panels: https://www.who.int/vaccine_safety/GACVS20th-anniversary-PanelTrack3session.pdf#page=6

Video des Panels auf der WHO-Webseite (Video der Veranstaltung vom 3.12., 14.00 - 15.15 Uhr, ab 29:08): https://www.who.int/news-room/events/detail/2019/12/02/default-calendar/global-vaccine-safety-summit (archivierte Webseite: http://dpaq.de/DEHj1)

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Kontakt zum dpa-Faktencheckteam: faktencheck@dpa.com

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