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13.06.2019 – 13:28

dpa-Faktencheck

Anne Franks Tagebuch wurde nicht mit Kugelschreiber geschrieben

Berlin (ots)

Bei Facebook kursiert die Behauptung, das Tagebuch von Anne Frank sei teilweise mit Kugelschreiber geschrieben worden. Frank war 1945 im Konzentrationslager Bergen-Belsen im Alter von 15 Jahren gestorben. Kugelschreiber seien dagegen erst 1952 auf den Markt gekommen, heißt es in einem Post.

BEWERTUNG: Die Behauptung ist falsch. Das Tagebuch von Anne Frank wurde nicht teilweise mit Kugelschreiber geschrieben.

FAKTEN: Die Echtheit des Tagebuchs des jüdischen Mädchens wurde wiederholt wissenschaftlich überprüft, erklärt das Anne Frank Zentrum. Die umfangreichste Analyse erfolgte in der ersten Hälfte der 1980er Jahre durch das gerichtsmedizinische Labor des Niederländischen Forensischen Instituts.

Die Überprüfung ergab demnach, dass der größte Teil des Tagebuchs und der losen Blätter mit graublauer Füllertinte geschrieben wurde. Außerdem hat Frank rote Tinte, grünen und roten Farbstift und schwarzen Bleistift verwendet. Kugelschreiber benutzte sie nicht. (http://dpaq.de/VhfJY)

Ursprung der Kugelschreiber-Theorie ist möglicherweise ein Gutachten des Bundeskriminalamtes (BKA) aus dem Jahr 1980. Dem Gutachten zufolge wurden Korrekturen mit einer Kugelschreiberpaste aufgebracht, die erst ab 1951 gebräuchlich war. Offenbar handelt es sich dabei um spätere redaktionelle Anmerkungen oder Korrekturen eines Bearbeiters, hieß es in der Mitteilung.

2006 machte das BKA in einer Pressemitteilung deutlich, dass man aufgrund ihres Gutachtens von 1980 die Echtheit von Anne Franks Tagebuch ausdrücklich nicht in Zweifel ziehen kann. Papier und Schreibmittel, die für den eigentlichen Text der Tagebücher Verwendung fanden, seien im relevanten Zeitraum verfügbar gewesen. (http://dpaq.de/NyWaI)

Die niederländische Prüfung aus den 1980er Jahren hatte laut Anne Frank Zentrum ergeben, dass sich die Kugelschreibertinte nur auf zwei Notizzetteln befindet. Diese Notizen stehen demnach in keinerlei Zusammenhang mit dem Inhalt des Tagebuch. Die Handschrift weicht «in weitgehendem Maße» von der Handschrift des Tagebuchs ab. Sie stammt wohl von Dorothea Ockelmann, die zusammen mit anderen die Schriften von Anne Frank im Jahr 1960 graphologisch untersucht hatte.

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Links:

Facebook-Post mit der Kugelschreiber-Behauptung: http://dpaq.de/rCy2t

Erklärung des Anne Frank Zentrums: http://dpaq.de/VhfJY

Mitteilung BKA zum Tagebuch: http://dpaq.de/NyWaI

Artikel taz zur Debatte ums das BKA-Gutachten: http://dpaq.de/jTOx9

Artikel FAZ zur Debatte um das BKA-Gutachten: http://dpaq.de/nOh5y

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Kontakt zum dpa-Faktencheckteam: faktencheck@dpa.com

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