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09.01.2020 – 13:42

Deutsches Zentrum für Altersfragen

Der Partner-Pay-Gap ist weiter vorherrschend - Männer bleiben die Haupt-Brotverdiener in Doppelverdienerhaushalten

Berlin (ots)

Ein Team aus vier Wissenschaftlerinnen hat untersucht, wie sich die Einkommensverteilung zwischen den Geschlechtern in Paarhaushalten von 1992 bis 2016 entwickelt und ob sich der sogenannte Partner-Pay-Gap verringert hat. Dabei zeigt sich: Der Beitrag von Frauen zum Haushaltseinkommen bleibt weiterhin hinter dem der Männer zurück und liegt zwischen 35 (Westdeutschland) und 45 (Ostdeutschland) Prozent. Dabei gibt es interessante Unterschiede zwischen den verschiedenen Einkommensgruppen.

In Fragen der Geschlechtergerechtigkeit spielen das Erwerbsverhalten von Frauen und ihre Zugangs- und Arbeitsmarktchancen eine tragende Rolle: mit Konsequenzen für ihre finanzielle Unabhängigkeit und im Hinblick auf ihre Altersvorsorge. Dies gilt auch für Paarhaushalte. Hier herrschte lange Zeit das Modell des männlichen (Allein-)Ernährers vor, in dem Frauen allenfalls einen Zuverdienst zum Haushaltseinkommen erbrachten. Dieses Modell setzt Frauen und ihre Kinder einem Armutsrisiko im Falle einer Trennung aus, und auch unser Rentensystem benachteiligt Hinterbliebene in Partnerschaften, wenn sie weniger eigene Rentenanwartschaften aufbringen als die Hauptverdiener.

Martina Dieckhoff, Vanessa Gash, Antje Mertens und Laura Romeu Gordo haben mit Daten des Sozioökonomischen Panels untersucht, wie sich die Anteile am Haushaltseinkommen zwischen Männern und Frauen im Zeitverlauf entwickelt haben.

Es zeigt sich für den Beobachtungszeitraum sowohl in Ost- als auch in Westdeutschland eine Zunahme an Doppelverdienerhaushalten: In Westdeutschland ist der Anteil von 51 Prozent im Jahr 1992 bis auf rund 79 Prozent in 2016 angewachsen und liegt damit ähnlich hoch wie in Ostdeutschland. Hier gab es von einem höheren Ausgangsniveau von 63 Prozent ausgehend im Jahr 1992 einen Zuwachs auf 78 Prozent. In beiden Teilen ist der Anstieg von 2005 an stärker verlaufen als in den Jahren zuvor. Dies fällt mit der Einführung der Hartz-Reformen, einer stärkeren Deregulierung des Arbeitsmarkts und die damit verbundene Zunahme an Teilzeitbeschäftigung sowie einer Zunahme an Möglichkeiten zur Kinderbetreuung zusammen.

Der Verdienstunterschied in Paarhaushalten scheint demgegenüber ziemlich veränderungsresistent: Ein Zuwachs an Einkommensgleichheit ist kaum zu verzeichnen, obwohl die Partnerschaften in der Mehrheit homogen hinsichtlich ihrer Bildungsabschlüsse und damit ihres Verdienstpotentials sind. In beiden Teilen Deutschlands ist der Anteil am Haushaltseinkommen von Frauen geringer als der von den Männern. In Westdeutschland lässt sich ein geringfügiger Anstieg bei den Frauen um drei Prozentpunkte von rund 32 Prozent auf rund 35 Prozent verzeichnen.

In Ostdeutschland ist der Einkommensunterschied in der Partnerschaft geringer, der Anteil der Frauen am Haushaltseinkommen hat aber um ein Prozentpunkt abgenommen (von 44% auf 43%). Dass der Beitrag der Frauen zum Haushaltseinkommen in Ostdeutschland höher ist als in Westdeutschland, lässt sich vermutlich teilweise auf die Einkommen der ostdeutschen Männer zurückführen, die substanziell weniger verdienen als westdeutsche Männer, während die Einkommensunterschiede zwischen Frauen in Ost- und Westdeutschland weniger ausgeprägt sind. Ein weiterer Erklärungsfaktor für die Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland sind unterschiedliche soziale Normen insbesondere mit Blick auf die Arbeitszeit von Müttern.

Es zeigt sich außerdem, dass die Größe des Partner-Pay-Gaps mit der wirtschaftlichen Stellung der Haushalte variiert: in Paarhaushalten mit Männern im unteren Drittel der Einkommensverteilung haben Frauen einen größeren Anteil am Haushaltseinkommen als mit Partnern im obersten Drittel der Einkommensverteilung. Und auch hier zeigen sich Ost-/ Westunterschiede. Während in Ostdeutschland Frauen mit Partnern aus dem unteren Einkommensdrittel Verdienstgleichheit erreichen, bleiben westdeutsche Frauen mit einem Anteil von um die 40 Prozent am Haushaltseinkommen dahinter zurück. Ostdeutsche Frauen mit Partnern aus dem oberen Einkommensdrittel erreichen zwischen 30 und 40 Prozent des Haushaltseinkommens, während westdeutsche Frauen in diesem Fall mit zwischen 24 und 32 Prozent zum Haushaltseinkommen beitragen. Auch im mittleren Drittel haben die ostdeutschen Frauen einen größeren Beitrag am Haushaltseinkommen (Osten: zwischen 40 und 46 Prozent; Westen: zwischen 29 und 35 Prozent). Der leichte Anstieg des Haushaltsbeitrags von Frauen in Westdeutschland zwischen 1992 und 2016 ist hauptsächlich durch Paare im mittleren und oberen Einkommenssegment getragen. In Ostdeutschland hingegen hat sich der Anteil der Frauen am Haushaltseinkommen im oberen Einkommenssegment um drei Prozentpunkte sogar verringert, während die Frauen aus dem unteren und mittleren Segment einen schwachen Zuwachs zwischen zwei und drei Prozentpunkten erreichten.

Analysen aus Modellrechnungen weisen darauf hin, dass besonderes Teilzeitbeschäftigung der Frauen sowie das Vorhandensein von Kindern (in Westdeutschland stärker als in Ostdeutschland), atypische und befristete Beschäftigung des Partners Einflussfaktoren für den Haushaltsbeitrag der Frauen sind. Und der eigene Bildungsabschluss hat einen größeren Einfluss auf den Haushaltsbeitrag von Frauen mit Partnern aus dem unteren Einkommenssegment als mit Partnern aus dem oberen Einkommenssegment.

Insgesamt zeigt die Studie eine persistierende ökonomische Ungleichheit in doppelverdienenden Paarhaushalten, die robust gegen politischen und institutionellen Wandel zu sein scheint.

Die Studie von Martina Dieckhoff (Europa-Universität Flensburg), Vanessa Gash (City University of London), Antje Mertens (Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin, HWR) und Laura Romeu Gordo (Deutsches Zentrum für Altersfragen, DZA) ist wie folgt erschienen:

Dieckhoff, M., Gash, V., Mertens, A., & Romeu Gordo, L. (2020). Partnered women's contribution to household labour income: Persistent inequalities among couples and their determinants. Social Science Research, Vol. 85 (https://doi.org/10.1016/j.ssresearch.2019.102348).

Pressekontakt:

Sylvia Nagel
Deutsches Zentrum für Altersfragen
Pressestelle
https://www.dza.de/presse.html
sylvia.nagel@dza.de
Tel.: 030 / 260 740 73

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