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Universität Kassel prägt wegweisendes Projekt zur Renaturierung von Gewässern

Universität Kassel prägt wegweisendes Projekt zur Renaturierung von Gewässern
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Universität Kassel prägt wegweisendes Projekt zur Renaturierung von Gewässern

Extreme Kosteneffizienz, die wissenschaftliche Begleitung und eine vorbildliche Verbindung von Ökologie, Erlebbarkeit und zivilgesellschaftlichem Engagement zeichnen das wasserwirtschaftliche Projekt „Low-Budget-Renaturierung der Oberen Diemel“ aus. Initiiert vom Verein planar e.V. und begleitet durch die Lehre an den Fachbereichen 06 Architektur Stadtplanung Landschaftsplanung sowie 14 Bauingenieur- und Umweltingenieurwesen prämierte es die Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall (DWA) im März 2026 mit dem renommierten DWA-Gewässerentwicklungspreis.

Ein innovatives Konzept aus universitärer Lehre, ehrenamtlicher Umsetzung und Open Science steht hinter dem Erfolg des Projekts, das von Jens Eligehausen initiiert und vorangetrieben wurde. Seit 2016 arbeitet er als Lehrbeauftragter am Fachbereich (FB) 14, bis 2021 war er zusätzlich Lehrbeauftragter für besondere Aufgaben am FB 06. In diesen Funktionen betreute Eligehausen praxisnahe Seminare, um mit Studierenden GIS-basierte Potenzialanalysen für Gewässerrenaturierungen zu erarbeiten. Die Ergebnisse wurden über den gemeinnützigen Verein planar e.V. – gegründet von Absolvent:innen des FB 06 – direkt in die Praxis übertragen. Eligehausen betont: „Die Studierenden arbeiteten mit realen Daten, realen Fragestellungen und sahen, wie ihre Analysen konkrete Veränderungen bewirkten.“ So wirken Open Science, zivilgesellschaftliches Engagement und Lehre synergetisch zusammen.

Innovation durch Open Science und Low-Budget-Ansatz

Mit reinen Baukosten von 120.000 Euro – also 6.000 bis 10.000 Euro pro 100 Meter Gewässer – wurde ein 1,5 Kilometer langer Abschnitt der Oberen Diemel ökologisch aufgewertet. Damit belaufen sich die Baukosten auf einen Bruchteil der branchenüblichen Kosten. Möglich machten dies neben der phasenweisen Bearbeitung und Evaluation des Großprojekts gezielte Kleinstmaßnahmen wie beispielsweise Totholzeinbau. Dadurch aktivierte das Team natürliche Prozesse. Gleichzeitig nutzte es ausschließlich Open-Source-Software wie QGIS, offene Geodaten und transparente Monitoring-Methoden. Planung, Abstimmung mit Behörden und Öffentlichkeitsarbeit leisteten Engagierte ehrenamtlich.

Die Ergebnisse sprechen für sich: Die Gewässerstrukturklasse verbesserte sich von Fünf („stark verändert“) auf Werte von Eins bis Zwei. Die Fischfauna erholte sich signifikant, zum Beispiel durch die Rückkehr der Äsche. Schlüsselarten wie Biber und Fischotter besiedelten das Gebiet, beziehungsweise konnten diese nachgewiesen werden. Zudem stieg der Grundwasserspiegel um bis zu 1,50 Meter. Diese Entwicklungen bilden einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz durch Auenrevitalisierung.

Vorbild für Umweltbildung und Wissenstransfer

Das Projekt dient zudem als Reallabor für angewandte Limnologie: Seit 2015 entstanden 17 Bachelor-, Master- und Studienarbeiten, zwei Fachpublikationen und eine multimediale Webseite, die unter https://diemel.renaturiert.org/ zu erreichen ist. Schon 2025 wurde das Projekt mit dem Preis SpongeBooster of the Year der Deutschen Umwelthilfe/UFZ ausgezeichnet. Die erarbeiteten Maßnahmen dienen dabei bereits als Grundlage für ähnliche Vorhaben: Analog zu den Methoden an der Diemel werden Projekte an der Eder und weiteren Gewässern umgesetzt.

Kontakt für Rückfragen

Prof. René Sahm

Fachgebiet Gewässerökologie in der Landschaftsplanung

Fachbereich 06 Architektur Stadtplanung Landschaftsplanung

E-Mail: rene.sahm@asl.uni-kassel.de

Dipl.-Ing. M.Sc. Jens Eligehausen

Fachbereich 14 Bauingenieur- und Umweltingenieurwesen

E-Mail: jens@planungs-netzwerk.de

Website: https://diemel.renaturiert.org/

Hinweis für Redaktionen

  • Interviewanfragen mit Dipl.-Ing. M.Sc. Jens Eligehausen oder Prof. René Sahm gerne möglich.
  • Exkursionen zum Projektgebiet können organisiert werden.
  • Das Projekt arbeitete gemäß den Open-Science-Kriterien.
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Ihr Ansprechpartner in der Pressestelle der Universität Kassel:
Sebastian Mense
Universität Kassel
Stabsstelle Kommunikation und Marketing
Tel.: +49 561 804-1961
E-Mail:  presse@uni-kassel.de
 www.uni-kassel.de

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Die Universität Kassel hat rund 21.000 Studierende (Wintersemester). Sie versteht sich als eine Universität, an der Offenheit, Initiative, fächerübergreifendes und unkonventionelles Denken gewünscht und gefördert werden. Mehr als 300 Professuren sind in elf Fachbereichen (inkl. Kunsthochschule) organisiert. Zahlreiche neue Studiengänge entstehen derzeit, u.a. im Bereich der Nachhaltigen Transformationen.
 
Nachhaltigkeitsstudiengänge:  www.uni-kassel.de/go/unikassel360grad
Alle Studiengänge:  www.uni-kassel.de/go/studium