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Finanztip-Auswertung zur Wärmeplanung: Viele Großstädte verabschieden sich vom Gas
Pressemitteilung
Finanztip-Auswertung zur Wärmeplanung: Viele Großstädte verabschieden sich vom Gas
Berlin, 16.07.2026 – Die größten deutschen Kommunen halten trotz Änderungen am Heizungsgesetz an ihrer Wärmeplanung ohne fossiles Erdgas fest. Das zeigt eine Finanztip-Auswertung von 16 kommunalen Wärmeplänen. Mehrere Großstädte warnen vor Verzögerungen, Verteuerungen und fehlender Orientierung durch die Umsetzung des Gebäudemodernisierungsgesetzes (GModG). Das ergaben Anfragen des unabhängigen Geldratgebers.
Alle 16 untersuchten Städte, darunter Berlin, Hamburg und München, beschreiben in ihren Wärmeplänen zukünftig einen deutlichen Rückgang fossilen Erdgases. „Unsere Auswertung der Wärmepläne der Großstädte zeigt klar, wohin die Reise geht: weg vom fossilen Gas, hin zu klimafreundlichen Alternativen“, sagt Sandra Duy, Finanztip-Expertin für Energetische Sanierung.
Überwiegend folgt die Planung zwei Heizpfaden: Fernwärme in dicht bebauten Quartieren, Wärmepumpen und andere dezentrale Lösungen in weniger dicht besiedelten Gebieten. Demgegenüber spielen biogene Brennstoffe wie Biomethan oder Bio-Öl in den ausgewerteten Wärmeplänen bislang nur eine Nebenrolle.
Mindestens zehn Städte sprechen ausdrücklich von Transformation, Verschlankung oder geordnetem Rückbau der Gasinfrastruktur. Der Befund fällt in eine politisch sensible Phase: Das Gebäudemodernisierungsgesetz gibt Eigentümern wieder mehr Freiheit beim Heizungstausch. Gas- und Ölheizungen bleiben zulässig, allerdings nur mit dem steigenden Einsatz biogener Brennstoffe.
Kommunen warnen vor mehr Unsicherheit durch Gesetzesreform
Die Rückmeldungen der Kommunen zeigen: Viele Städte sehen in den Änderungen weniger eine neue Chance als ein zusätzliches Umsetzungsrisiko. Düsseldorf, Hamburg, Bonn und Mannheim bewerten Wasserstoff, Biomethan und andere grüne Gase für die Gebäudewärme weiterhin kritisch – wegen der Kosten, begrenzter Verfügbarkeit, geringer Wirtschaftlichkeit oder Risiken für die Versorgungssicherheit. Leipzig, Essen, Wuppertal und Bielefeld warnen vor Verzögerungen bei der Wärmewende, München vor zusätzlicher Verunsicherung und steigendem Beratungsbedarf. „Die Städte halten aktuell an ihren Transformationspfaden fest. Sie sehen derzeit nicht, dass grüne Gase die tragende Lösung für die Wärmeversorgung im Gebäudebestand werden“, so Duy.
Finanztip empfiehlt Eigentümern, die aktuell eine Gasheizung einbauen möchten, nicht nur auf das Heizungsgesetz zu schauen, sondern auch auf den Wärmeplan ihrer Stadt. Außerdem sollten sie unabhängige Beratungsangebote nutzen. „Wer heute trotzdem eine neue fossile Heizung einbaut, geht ein echtes Risiko ein: steigende Brennstoffkosten, ein höherer CO₂-Preis, wachsende Netzentgelte und unsichere Perspektiven bei biogenen Brennstoffen können das Heizen in den nächsten Jahren deutlich verteuern“, so Duy.
Großstädte schneller klimaneutral als der Bund
Auffällig ist, dass viele Großstädte schneller klimaneutral werden wollen als der Bund: Elf der 16 untersuchten Städte verfolgen kommunale Klimaziele vor 2045, darunter Düsseldorf, Köln, München, Stuttgart und Bonn mit Zieljahr 2035 sowie Bremen und Leipzig mit Zieljahr 2038. Hamburg, Nürnberg, Bielefeld und Mannheim orientieren sich an 2040. Auch deshalb sehen Kommunen die Gefahr, dass zusätzliche Unsicherheit bei der Heizungswahl ihre eigenen Zeitpläne gefährdet. Nur fünf der untersuchten Städte richten sich ausschließlich am bundesweiten Zieljahr 2045 aus. Das Wärmeplanungsgesetz vom 1. Januar 2024 sieht vor, dass alle Kommunen in Deutschland Konzepte für eine treibhausneutrale Wärmeversorgung spätestens im Jahr 2045 vorlegen. Die Frist für die betrachteten größeren Gemeinden mit mehr als 100.000 Einwohnern war 30. Juni 2026.
Über die Auswertung
Grundlage der Auswertung sind 16 Wärmepläne beziehungsweise veröffentlichte Entwürfe der größten deutschen Kommunen. Berücksichtigt wurden Berlin, Hamburg, München, Köln, Düsseldorf, Stuttgart, Leipzig, Bremen, Essen, Nürnberg, Hannover, Duisburg, Wuppertal, Bielefeld, Bonn und Mannheim. Insgesamt umfassen sie rund 14 Millionen Einwohner.
Die Auswertung bildet den kommunalen Planungsstand zum Zeitpunkt der Erstellung der Wärmepläne ab. Diese Pläne entstanden noch unter den bisherigen Vorgaben des Gebäudeenergiegesetzes.
Ausgewertet wurden die kommunalen Wärmepläne systematisch nach denselben Kriterien, unter anderem hinsichtlich Fernwärme, Gas, Wasserstoff, biogener Brennstoffe und dezentraler Wärmeversorgung. Zudem wurden die Kommunen befragt, inwiefern sie ihre Wärmepläne durch das neue Gebäudemodernisierungsgesetz beeinflusst sehen. Darauf haben neun der 16 Kommunen geantwortet.
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