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Finanztip-Umfrage: Altersvorsorgedepot kämpft nach Riester-Desaster mit Vertrauensproblem und geringer Bekanntheit
Pressemitteilung
Finanztip-Umfrage: Altersvorsorgedepot kämpft nach Riester-Desaster mit Vertrauensproblem und geringer Bekanntheit
Berlin, 9. Juli 2026 – Das neue Altersvorsorgedepot steht wenige Monate vor seinem geplanten Start vor zwei großen Herausforderungen: Zwei von drei Deutschen kennen die neue staatlich geförderte Form der privaten Altersvorsorge noch nicht oder sind unsicher. Und selbst unter denjenigen, die sie kennen, kann sich nur rund ein Drittel vorstellen, sie zu nutzen. Dabei sind nicht die Risiken des Aktienmarktes das größte Hindernis, sondern die Sorge vor späteren politischen Regeländerungen und die Erfahrungen mit der Riester-Rente. Das zeigt eine repräsentative Civey-Umfrage im Auftrag des unabhängigen Geldratgebers Finanztip.
Demnach kennen 36 Prozent der Bevölkerung das Altersvorsorgedepot, 57 Prozent haben bislang noch nichts davon gehört. Weitere sieben Prozent sind sich unsicher. Von denjenigen, die das Altersvorsorgedepot kennen, können sich 31 Prozent eine Nutzung vorstellen. Die höchste Nutzungsbereitschaft findet sich bei den 30- bis 39-Jährigen. Doch selbst von den Befragten dieser Altersgruppe, die bereits vom Altersvorsorgedepot gehört haben, kann sich mit 47 Prozent nicht einmal jede zweite Person eine Nutzung vorstellen.
„Das Altersvorsorgedepot hat das Potenzial, die private Altersvorsorge in Deutschland deutlich zu verbessern. Damit daraus tatsächlich der versprochene Meilenstein wird, braucht es jetzt vor allem mehr Bekanntheit und langfristiges Vertrauen“, sagt Saidi Sulilatu, Chefredakteur von Finanztip.
Vertrauen entscheidender als Aktienangst
Wie die Befragung zeigt, richten sich die größten Vorbehalte gegen das Altersvorsorgedepot nicht gegen die Risiken des Kapitalmarkts (16 Prozent). Der am häufigsten genannte Grund gegen eine Nutzung ist die Sorge vor späteren Regeländerungen (38 Prozent). 35 Prozent geben in der Umfrage an, die Riester-Rente habe ihr Vertrauen geschwächt. 33 Prozent befürchten hohe Gebühren, 32 Prozent hohe Steuern. Als wichtigste Gründe für eine Nutzung des Altersvorsorgedepots nennen die Befragten eine Eignung von Aktien-ETFs für die Altersvorsorge (43 Prozent), eine attraktive staatliche Förderung (41 Prozent) sowie höhere Renditechancen gegenüber der Riester-Rente (40 Prozent).
„Unsere Daten zeigen: Die Deutschen haben weniger Angst vor Aktien als vor politischen Eingriffen und teuren Produkten der Finanzbranche“, sagt Sulilatu. „Viele Menschen verbinden staatlich geförderte Altersvorsorge noch immer mit dem Riester-Frust. Entscheidend wird deshalb sein, dass das Altersvorsorgedepot einfach, kostengünstig und langfristig verlässlich ausgestaltet wird. Nur wenn Verbraucherinnen und Verbraucher darauf vertrauen können, dass die Regeln Bestand haben, kann die Reform ihr Potenzial entfalten.“
Einfacher Wechsel aus Riester entscheidend
Nach Angaben der Deutschen Rentenversicherung wurden bislang mehr als fünf Millionen Riester-Verträge vorzeitig gekündigt – rund jeder vierte der mehr als 20 Millionen Abschlüsse. Außerdem werden nach Schätzungen des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) bis zu einem Viertel aller Verträge nicht mehr bespart.
Nach Auskunft des Bundesministeriums der Finanzen (BMF) gegenüber Finanztip sollen bestehende Riester-Guthaben grundsätzlich auf ein Altersvorsorgedepot übertragen werden können, allerdings nur als Geldbetrag. Ein direkter Übertrag von Wertpapieren soll dagegen nur möglich sein, wenn dies vertraglich vorgesehen ist und beide Anbieter zustimmen beziehungsweise die Wertpapiere bei beiden Anbietern handelbar sind.
„Für viele Riester-Sparerinnen und -Sparer wird eine einfache Wechselmöglichkeit entscheidend sein. Ein unkomplizierter Umstieg kann helfen, verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen und dem Altersvorsorgedepot zum Durchbruch zu verhelfen“, sagt Sulilatu.
Hintergrund
Das Altersvorsorgedepot soll ab dem 1. Januar 2027 verfügbar sein. Anders als bei der Riester-Rente ist darin keine vollständige Beitragsgarantie mehr erforderlich. Dadurch lässt sich das Vorsorgevermögen stärker am Kapitalmarkt investieren. Finanztip bewertet das Altersvorsorgedepot wegen der höheren Renditechancen als einen wichtigen Fortschritt für Sparerinnen und Sparer.
Me thodik
Civey hat für Finanztip vom 26. Mai bis 15. Juni 2026 online rund 5.000 Bundesbürgerinnen und Bundesbürger, zusätzlich 2.500 Personen, die schon einmal vom Altersvorsorgedepot gehört haben, sowie 1.000 Personen, die das Altersvorsorgedepot nutzen würden, befragt. Die Ergebnisse sind aufgrund von Quotierungen und Gewichtungen für die betrachteten Gruppen repräsentativ unter Berücksichtigung des statistischen Fehlers von 2,5 bis 6,5 Prozentpunkten (Gesamtergebnis). Die genauen Frageformulierungen sowie Befragungszeiträume erhalten Sie auf Anfrage.
Weitere Informationen
- Zu Saidi Sulilatus Finanzratgeber „Finanzen ganz einfach“ (Droemer Knaur, 15,00 Euro) mit neuem Zusatzkapitel zum Altersvorsorgedepot: https://www.finanztip.de/buch/
- Zum Finanztip-Ratgeber Altersvorsorgedepot
- Zum Finanztip-Vergleichsrechner Riester-Rente vs. Altersvorsorgedepot
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